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Nordfriesland Tageblatt

19. November 2017 | 04:22 Uhr

Karl Hartung : Wegbereiter abstrakter Bildhauerei

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Werke von Bildhauer Karl Hartung werden in der Stadtbücherei ausgestellt / Professor Andreas Brandt berichtet über den Ausnahmekünstler

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2015 | 05:00 Uhr

Professor Andreas Brandt widmet die beliebte Sommer-Ausstellung in der Niebüller Stadtbibliothek dem deutschen Bildhauer Karl Hartung. Die Vernissage ist für Sonnabend, 11 Juli, angesetzt. Karl Hartung ist nicht mehr und nicht weniger “der“ deutsche Bildhauer, der nach 1945 der deutschen Kunst international Geltung verschaffte. Der 1908 geborene Künstler hat während der NS-Diktatur im Verborgenen eine neue Formensprache jenseits der Nazi-Kitschkunst entwickelt, seine abstrakten Skulpturen sind in einem Atemzug mit Henry Moore zu nennen. Seine Werke waren beziehungsweise sind in den bedeutenden Kunstmuseen zu sehen, zum Beispiel bereits 1957 im weltberühmten Museum of Modern Art (MoMA) New York. Das Nordfriesland Tageblatt sprach aus diesem Anlass mit Professor Andreas Brandt.


Gibt es einen speziellen Grund, Karl Hartung jetzt zu präsentieren?
Andreas Brandt: Meine Absicht ist es, während der Sommermonate in der Stadtbücherei nach Werner Scholz 2014 wieder eine attraktive Ausstellung zu zeigen. Ich freue mich sehr, dass nach 1987 Karl Hartung wieder in Niebüll präsent ist. Drei seiner Skulpturen befinden sich übrigens als Dauerleihgabe im Richard Haizmann Museum.


Mit Karl Hartung kommt einer der ganz großen Namen nach Niebüll. Wie erklärt sich dies?

Karl Hartung kann im Zusammenhang mit Richard Haizmann genannt werden; er ließ sich von Haizmann inspirieren in den 30er Jahren. 1935 stellten die beiden in Hamburg sogar gemeinsam aus.


Was verbindet die beiden Künstler?
Die Hinwendung zur abstrakten Formensprache, die sich sogar in einzelnen Kunstwerken manifestiert.


Zum Beispiel?
Die Vogel-Darstellungen von Karl Hartung aus dem Jahr 1937/38 weisen erstaunliche Parallelen zu Haizmann auf.


Was werden die Niebüller Kunstfreunde in der Stadtbücherei sehen dürfen?

Es sind Zeichnungen aus verschiedenen Schaffensperioden. Menschenbilder, Gesichter. Sie bilden einen zweiten, bisher nahezu unbekannten Werkkomplex.


Zeichnen – eine eher untergeordnete Leidenschaft des Bildhauers?
Nein, keinesfalls. Karl Hartung hat von Beginn an gezeichnet, hat über 800 Werke geschaffen. Hartung hat im Zeichnen sich selbst entdeckt, wie er sagt.


Wie erhielten Sie den Zugang zu den Arbeiten?
Über die Tochter Hanna Hartung, sie verwaltet den Nachlass.


Haben sie Karl Hartung gekannt?

Als Student bin ich ihm flüchtig begegnet. Ich habe Karl Hartung als zurückhaltende, freundliche Erscheinung in Erinnerung.


Gibt es weitere Anmerkungen?
Die öffentliche Vernissage in der Stadtbücherei ist am dem 11. Juli um 11.30 Uhr. Die Begrüßung übernimmt Ronald Steiner, Stadtbücherei Niebüll, Grußworte spricht Peter Ewaldsen, Amt Südtondern. Die Einführungsrede hält Dr. Jörg Garbrecht, Kunsthalle Mannheim.
Die Sommer-Ausstellung der Stadtbücherei Niebüll läuft bis 31. August 2015.

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