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Problemviertel in Leck : „Weg von der Stigmatisierung“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“: Die Gemeinde Leck stellt einen konkreten Förderantrag für das Quartier „Wikingerstraße“

Im Viertel rund um die „Wikingerstraße“ soll sich etwas tun, und zwar mit Hilfe eines Förderprogramms. Das hat die Gemeindevertretung bei ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Bis zum 1. Oktober, also in diesen Tagen, muss nun ein entsprechender Antrag eingereicht werden. „Leck hat gute Chancen, genommen zu werden“, prognostizierte Stadtplaner Rainer Isensee, der den konkreten Förderantrag der Gemeinde dem Gremium erläuterte.

Zum Hintergrund: Das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein hat 2013 das Städtdebauförderungsprogramm „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“ ausgeschrieben. Die Gemeinde Leck hat Interesse bekundet, das Quartier Wikingerstraße/Klaus-Groth-Straße und Gutenbergringin das Programm aufzunehmen. „Nach einem Ortstermin mit zwei Damen vom Innenministerium wurde uns attestiert, dass das Quartier die Fördervoraussetzungen grundsätzlich erfüllt“, berichtete Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn.

Im konkreten Antrag der Gemeinde Leck heißt es in Bezug auf den Wohnraum, der ursprünglich Soldaten und ihre Familien diente: „Inzwischen wohnen dort aufgrund der einfachen Bausubstanz und der günstigen Mieten auch viele Empfänger von Transferleistungen. Viele Bewohner haben einen Migrationshintergrund und kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen.“ Das Gebiet um die Wikingerstraße habe sich zu einem polizeiauffälligen gemeindlichen Problemgebiet entwickelt, in dem sich städtebauliche, wirtschaftliche und soziale Probleme konzentrierten, heißt es weiter.

„Wir müssen weg von der Stigmatisierung des Viertels“, machte Langbehn deutlich und fügte hinzu: „Ziel muss es sein, dass die Bewohner in 10 bis 15 Jahren sagen: Ich wohne inklusiv, und ich wohne gerne hier.“ Dazu sollen über ein Zeitraum von fünf Jahren unterschiedliche Maßnahmen beitragen, die Kosten dafür sind nach ersten Schätzungen mit 640 000 Euro veranschlagt, wovon die Gemeinde ein Drittel tragen müsste (siehe Infokasten). Mit Hilfe des Programmes sollen Begegnungräume geschaffen werden. „Bildung, Kulturelles, Ältere, Jüngere, Frauen, Männer, Migranten – die Bandbreite ist vielfältig“, erläuterte Planer Isensee. Einrichtungen wie Kindergarten und Seniorenwohnheim sollten besser vernetzt werden, mit den Angeboten „Wiki 42“ und Wiki 44 sei die Diakonie bereits vor Ort. „Das Programm ist eine gute Gelegenheit, bestehende Einrichtungen zu sichern“, so der Planer. Entscheidend sei zudem die Rolle des Quartiersmanagements, das zum Beispiel von einem Sozialarbeiter übernommen werden soll. Isensee: „Das Quartiersmanagement stellt Kontakte her, sichert die Vernetzung und soll Türen für andere Fördermaßnahmen öffnen.“

Denn wenngleich auch soziale Komponenten in dem Förderprogramm eine wichtige Rolle spielen, so sind auch bauliche Veränderungen im Quartier Wikingerstraße gewünscht. Erklärtes Ziel ist es daher, „die Wohnungsbaugesellschaften dafür zu gewinnen, die Qualität des Wohnbestandes durch angemessene Sanierungsmaßnahmen und gestalterische Aufwertung des Wohnumfeldes sichtbar zu verbessern, um so auch andere Bewohnergruppen, die nach preisgünstigem Wohnraum in Leck suchen, zu gewinnen“, heißt es im Antrag der Gemeinde.

„Wir wollen die Bewohner nicht verdrängen, sondern verhindern, dass etwas verfällt, dass auch das soziale Miteinander verfällt“, fasste Bürgermeister Langbehn zusammen.

 

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erstellt am 30.Sep.2014 | 05:00 Uhr

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