Tetenbüll : Weg vom Image des Teddy-Museums hin zur festen Größe in der Kulturlandschaft

Brigitta Seidel  hört auf. Foto: bee
Brigitta Seidel hört auf. Foto: bee

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23. Februar 2013, 08:40 Uhr

Tetenbüll | Die Eingangstür schließt nicht richtig im Winter. So ist das eben in alten Häusern. Das wissen die Besucher im Haus Peters. Wer es nicht weiß, wird freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen - der Klönschnack beginnt. Das war unter diesem Dach schon immer so. Seit mehr als 100 Jahren ist der ehemalige Kolonialwaren laden in der Dörpstraat nicht nur Mittel-, sondern Treffpunkt der Gemeinde Tetenbüll - auch, nachdem das Haus zu einem Eiderstedter Kulturzentrum geworden ist. Dass dies in all den Jahren so geblieben ist, ist auch ein Verdienst von Brigitta Seidel. Die Geschäftsführerin legt Ende des Monats aus privaten Gründen ihre Amtsgeschäfte nieder.

Museum, Ladenverkauf und Ausstellungsraum für Kunst und Kultur - an dem Konzept des Fördervereins Haus Peters hat Brigitta Seidel nie gerüttelt. Als Historikerin lag ihr jedoch mehr die Geschichte das Hauses am Herzen als die Präsentation von Kunst. Auf den dörflichen Warenhandel mit all seinen Facetten hat die 64-Jährige ihr Augenmerk gelegt. Drei Bücher hat sie in dazu geschrieben - über die Hökerei, Kolonialwaren und Markenwaren. Begleitend dazu hat sie drei Ausstellungen organisiert und damit maßgeblichen Anteil, dass sich das Haus Peters in der schleswig-holsteinischen Museumslandschaft etabliert hat. "Wir mussten das Image des Teddy-Museums loswerden", sagt Brigitta Seidel. Das ist ihr gelungen. Das Haus Peters ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Es ist eine feste Größe in der Kulturlandschaft Schleswig-Holstein geworden.

Die gebürtige Gelsenkirchenerin hat gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit im September 1999 dafür gesorgt, dass der Betrieb auf solide Beine gestellt wird - mit festangestellten Mitarbeitern und verlässlicher Lohnstruktur. "Ehrenamtlich kann man das nicht leisten", sagt Brigitta Seidel, die auf Pellworm lebt und von dort aus die Geschicke lenkte.

Das Haus Peters finanziert sich zu 80 Prozent aus den Einnahmen des Ladensverkaufs. Hinzu kommen die Beiträge der mehr als 100 Fördervereins-Mitglieder sowie Zuschüsse der Gemeinde, Spenden und Sponsorengel der. Rund 16 000 Besucher kehren alljährlich ins Haus Peters ein. Und die erwarten Ausstellungen auf hohem Niveau. "Wir sind überregional ausgerichtet", betont Brigitta Seidel. Eine Leitlinie, die in den zurückliegenden Jahren nicht immer auf Gegenliebe stieß. Ebenso die Tatsache, dass im Haus Peters keine Eiderstedter Künstler ausgestellt wurden. "Dafür gibt es andere Orte. Außerdem hat fast jeder Eiderstedter Künstler ein eigenes Atelier oder eine eigene Galerie", sagt die Geschäftsführerin. Bei der heutigen Jahresversammlung des Förderverein wird sie ihren letzten Bericht abgeben. Im März tritt Dr. Katrin Schäfer die Nachfolge an.

Brigitta Seidel hinterlässt eine etablierte Einrichtung. "Das Konzept ist ausgereizt", sagt Brigitta Seidel. Sämtliche Räume werden genutzt - ob als Verkaufsraum, Ausstellung, Lager oder Magazin. Zu gerne hätte sie noch Pläne realisiert und einen gläsernen Haubarg hinter das Vorderhaus gebaut mit einem kleinen Café und größerer Ausstellungsräumen. "Das 1,5 Millionen Euro teure Projekt wird regelmäßig hervorgeholt, verschwindet aber angesichts leerer Kassen genauso schnell wieder in der Schublade", bedauert sie.

Die Norddeutschen Realisten holte die 64-Jährige vor 13 Jahren ins Haus Peters. Und wenn jetzt Anfang März Ulf Petermann in Tetenbüll ausstellt, schließt sich für Brigitta Seidel der Kreis. "Im Haus Peters gibt es keine digitale Welt. Es ist ist ein Erholungsraum fernab der allgemeinen virtuellen Reizüberflutung", betont die Historikerin. Und sie hofft, dass dies auch so bleiben wird. "Paul und Luise Peters hätten das so gewollt."

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