Folgen der Hitzeperiode : Wassermangel und Brandgefahr

Die Köge sind schon seit einiger Zeit ausgetrocknet.
Die Köge sind schon seit einiger Zeit ausgetrocknet.

Experten sprechen von einem extremen Ereignis und rufen Bürger auf, sorgsam mit dem Wasserverbrauch umgehen.

shz.de von
26. Juli 2018, 07:00 Uhr

Das Trinkwasser wird knapp, die Felder brennen, auch Südtondern ächzt unter der Hitze. Die Wasseraufbereitung kommt in diesen Tagen in Südtondern an ihre Grenzen. Der „Zweckverband Wasserversorgung Drei Harden“ fördert derzeit im Wasserwerk in Karlum täglich bis zu 13 000 Kubikmeter Wasser. „Viel mehr geht nicht. Wir kommen bald nicht mehr dagegen an“, sagt Geschäftsführer Heiko Thede. Zwar sei genug Grundwasser vorhanden, doch „wir können stündlich nur bis zu 550 Kubikmeter aufbereiten. Aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit und der Hitze ist der Trinkwasserverbrauch derart angestiegen, dass unser Wasserwerk an seine Leistungsgrenze gekommen ist.“ Der Zweckverband ruft deshalb alle Bürger im Amtsgebiet dazu auf, sparsam mit dem Wasser insbesondere bei der Bewässerung umzugehen.

„Die Bewässerung der Felder und Gartenflächen ist ein großer Teil“, sagt Thede. „In den Städten ist das weniger ein Problem, weil dort nicht so große Flächen vorhanden sind.“ Für den Geschäftsführer des Wasserzweckverbandes ist es das erste Mal in seiner Berufslaufbahn, dass er sich mit einem derartigen Aufruf an die Presse wenden muss. „Das ist ein ganz extremes Ereignis für die Wasserversorgung im ländlichen Bereich“, betont Thede.

Auch in Niebüll versucht man sich auf die derzeitige Situation einzustellen. „Wir haben uns dazu entschieden, den Brunnen vorerst nicht mehr zu befüllen“, sagt Bürgermeister Wilfried Bockholt. Das Wasser würde bei solchen Temperaturen ohnehin nur verdunsten.

„Und es sind immerhin drei Kubikmeter“, sagt Bockholt. Trotzdem sei es nicht einfach, auf die Situation zu reagieren. Noch wässern täglich Mitarbeiter der Stadt die Grünflächen. „Wir müssen irgendwie einen Mittelweg finden. Ich bin mit dem Bauhof im Gespräch, um zu gucken, ob wir zumindest die Anpflanzungen, die auch eine Investition waren, erhalten können.“

Auch die Feuerwehr schlägt Alarm. „Wir haben es täglich mit vier bis fünf kleineren Flächenbränden zu tun“, sagt Kreisbrandmeister Christian Albertsen. Besonders häufig komme es vor, dass Autofahrer achtlos Zigarettenkippen aus dem Auto werfen und so einen Seitenstreifen in Brand setzen würden. „Egal zu welcher Jahreszeit: Ein Zigarettenstummel gehört in den Mülleimer und nicht in die Natur“, sagt Albertsen. Die Waldbrandgefahr werde am Montag vorübergehend abnehmen, aber eben nur vorübergehend.

„Das ist alles knochentrocken, das wird nicht lange anhalten“, betont Albertsen. Besonders schwierig seien Flächenbrände unter Kontrolle zu bekommen, wenn mooriger oder torfiger Boden vorhanden ist, in dem sich das Feuer lange halten kann. Eine Herausforderung für Albertsen und seine Kollegen sei es in diesen Tagen auch, bei Flächenbränden schnell ausreichend Wasser bereit zu halten.

„Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich für die Unterstützung der Landwirte bedanken“, sagt Albertsen. Viele von ihnen haben ihre Güllewagen vorübergehend zu Wassertanks umfunktioniert und können so kurzfristig im Notfall knapp 11 000 Liter Wasser bereitstellen. Albertsen ruft Landwirte dazu auf, im Zweifelsfall mit ihrem Wehrführer Kontakt aufzunehmen und mögliche Unterstützung anzubieten.

Durch die Hitze beeinträchtigt ist auch die Flora und Fauna Südtonderns, besonders in den Kögen. „Den letzten richtigen Regen hatten wir am 30. April“, sagt der Dagebüller Nationalpark-Wattführer Dr. Walther Petersen-Andresen. „Das ist jetzt über acht Wochen her. Das wird mit Sicherheit Auswirkungen für sämtliche Pflanzen- und Vogelarten haben. Einige Arten brauchen einfach das Süßwasser, wie zum Beispiel der Kampfläufer.“ Petersen-Andresen ist sich sicher, dass die extremen Wetterlagen, wie der Jahrhundert-Regen im vergangenen und die langanhaltende Dürre in diesem Jahr, eine Folge des Klimawandels sind.

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