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Nordfriesland Tageblatt

23. November 2017 | 08:47 Uhr

Was lange währt ...

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bürgerwindpark Brebek nach zehn Jahren feierlich eröffnet / Bundeswehr-Horchanlage Kastagnette hätte das Projekt fast verhindert

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 15:32 Uhr

Die Herren im Anzug, die Damen in Abendgarderobe: Äußerst festlich ging es jetzt bei der Eröffnung der Bürgerwindpark Brebek GmbH & Co. KG zu im ehemaligen Bundeswehr-Sanitätslager in Bramdstedtlund zu. „Endlich!“, mögen sich die Gesellschafter aus den Gemeinden Bramstedtlund, Ladelund und Karlum ebenso wie die drei Geschäftsführer Peter Steffens, Reinhard Christiansen und Horst Leithoff gedacht haben. Denn es wurde nicht nur die Inbetriebnahme von zwölf Windkraftanlagen gefeiert, sondern gleichzeitig das zehnte Firmenjubiläum – hinter den Beteiligten liegt also ein langer, beschwerlicher Weg.

So sprach Bramstedtlunds Bürgermeisterin Rosemarie Lorenzen nicht von ungefähr von „schwierigen Planungen und unendlich vielen Problemen“, die gelöst werden mussten. „Aber jetzt ist es geschafft.“ Auch wenn es in den beteiligten Gemeinden nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner für das Projekt gebe: „Wir alle sind vom Strom abhängig.“ Die Windanlagen generierten Steuereinnahmen und hülfen im besten Fall, den Status Bedarfsgemeinde abzulegen. „Das hilft allen Einwohnern, wenn dadurch die Lebensqualität steigt.“

Karlums Bürgermeister Werner Richardsen verglich den langen Weg von der Idee bis zur Inbetriebnahme mit einer Bahnfahrt, bei der alle einsteigen durften. Nach einer ruhigen Anfahrt habe sich die Reise allerdings in eine Achterbahnfahrt verwandelt; „mit Höhen, Tiefen, mit Loopings und Stopps. Aber es gab Licht am Ende des Tunnels.“ Unterwegs seien einige ausgestiegen, dafür wiederum andere neu eingestiegen.

Der ursprüngliche Beschluss, in bis zu dreizehn Windräder zu investieren plus einen Test-Windpark bei Karlum mit weiteren fünf Standorten zu akzeptieren, konnte allerdings nicht umgesetzt werden. Wegen zahlreicher Anpassungen an Wünsche der Gemeinden, der Bürger, der Bundeswehr und des Naturschutzes wurde das Projekt in zwei Abschnitten mit insgesamt nur zwölf Anlagen umgesetzt. Es habe nur wenige persönliche Einwände gegen das Projekt gegeben, hieß es von Seiten der Geschäftsführung: „Eine Anwohnerklage wurde im Sommer 2017 endgültig abgewiesen. Unser Gesprächsangebot war hier leider vergeblich.“ Erhebliche Komplikationen hatte jedoch der Einspruch der Bundeswehr gegen den Bauantrag des Bürgerwindparks Brebek verursacht. Wegen der Horchstation „Kastagnette“, einer Kurzwellen-Großpeil- und Erfassungsanlage, die rund drei Kilometer nordöstlich von Ladelund liegt, mussten sowohl die Zahl der Anlagen reduziert als auch die Nabenhöhen gestaffelt werden; 79,5 Meter, 93,5 Meter sowie 115 Meter für die Anlagen mit dem größten Abstand zur Horchstation. Im zweiten Abschnitt konnten alle sieben Anlagen mit einer Nabenhöhe von 115 Metern errichtet werden. Zudem wurden spezielle Anlagen mit direkt angetriebenen Windturbinen gewählt, die bauartbedingt über eine elektromagnetische Abschirmung verfügen und somit den Bundeswehr-Funkverkehr so wenig wie möglich stören.

Trotzdem – oder gerade deshalb – feierten die Beteiligten des Bürgerwindpark Brebek jetzt im großen Stil und blickten zurück. Ungläubig hätten sie vor dem Fast-Aus des Projektes gestanden, berichtete Horst Leithoff, Teil des Geschäftsführer-Dreigestirns. „Wir haben an uns geglaubt, weil wir eigentlich nicht glauben wollten, dass die Bundeswehr dieses Projekt verhindern könnte.“ Peter Steffens, ebenfalls Geschäftsführer, betonte, dass mit dem Bürgerwindpark Brebek das bisher größte private Projekt für die drei beteiligten Gemeinden umgesetzt worden sei. Auch wenn die fünf Anlagen auf der Karlumer Seite nachts noch abgeschaltet werden müssten, bis die Ergebnisse der finalen Schall-Emmissionsmessungen vorlegen. Zudem müsse noch der Wege-Rückbau in Angriff genommen und noch „ein paar Kleinigkeiten“ erledigt werden.

„Was für ein fantastischer Anblick“, sagte Geschäftsführer Reinhard Christiansen mit Blick auf den Festsaal in Bramstedtlund mit 400 geladenen Gästen. 217 Kommanditisten sind von ursprünglich 280 Anteilseignern der Vision des Bürgerwindparks treugeblieben, 180 davon ließen sich die Feier nicht entgehen. „Das ist einer der letzten Windparks, die noch sauber errichtet wurden“, sagt Christiansen, der nicht nur Geschäftsführer weiterer Firmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien, sondern auch Landesvorsitzender des Bundesverbandes WindEnergie Schleswig-Holstein ist. Er sprach von einem „Totalstopp in Schleswig-Holstein für zwei Jahre“, weil in der neuen Landesregierung erst einmal über Abstände diskutiert werden müsse.

Apropos Abstand: Mit den Anlagen des Bürgerwindparks Brebek wird laut Geschäftsführung zu allen Einzelhäusern eine Entfernung von mindestens 450 Metern (beziehungsweise der dreifachen Gesamthöhe der Einzelanlage) eingehalten. Der Abstand zur Ortschaft Ladelund beträgt mehr als 900 Meter. Und noch ein paar interessante Zahlen: Der Windpark erforderte ein Investitionsvolumen von 54,5 Millionen, davon wurden durch die Bürger 12 Millionen Euro Eigenkapital aufgebracht. Die restlichen 42,5 Millionen Euro Fremdkapital wurde über die VR-Bank aus Mitteln der Landwirtschaftlichen Rentenkasse beziehungsweise aus KFW-Mitteln finanziert. Für den Park wird ein Umsatz von rund 9 Millionen Euro pro Jahr erwartet, womit laut Geschäftsführung voraussichtlich Gewerbesteuern in Höhe von 300  000 Euro/Jahr erwirtschaftet werden können.




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