Ostern : Was bedeutet Karfreitag noch?

Die warme Jahreszeit ist endlich da.

Die warme Jahreszeit ist endlich da.

Zum Ende der Karwoche kommt für viele Gläubige traditionell kein Fleisch auf den Tisch. Doch nicht nur das.

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29. März 2018, 05:28 Uhr

Südtondern | Heute ist Karfreitag – ein besonderer Tag im christlichen Glauben. „Die Bedeutung von Karfreitag ist etwas aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden“, sagt Pastor Dr. Winter aus Niebüll und fügt an: „Es möchte keiner so gerne mehr über den Kreuzzug von Jesus Christus nachdenken.“

Theologisch sind die Tage zwischen Gründonnerstag und Ostersonntag sehr emotional und für Christen die wichtigste Woche des Kirchenjahres. Der Gründonnerstag erinnert an die Kreuzigung von Jesus Christus und der Karfreitag der Überlieferung nach an seinen Todestag.

Der Gottesdienst werde in der Passionszeit immer schlichter, bis dann am Karfreitag nur noch eine einzelne Osterkerze den Altar schmückt und auch zum Ende hin weder gesungen wird noch die Kirchenglocken läuten, berichtet der Niebüller Pastor. Das Ende der Fastenzeit, der Passionszeit, steht vor der Tür. „Ab Ostern geht es dann wieder in die Vollen“, erläutert Christian A. Winter weiter.

 

Die Passionszeit dauert 40 Tage und dient als Vorbereitung auf das große Osterfest, die Zeit der Buße und Auferstehung. „Luther hat dann gesagt, wir brauchen nicht unbedingt zu fasten. Aber durch die Aktion ,7 Wochen ohne‘ ist das Thema Verzicht seit einiger Zeit wieder in den Fokus gerückt.“ Die Kirche ruft unter diesem Motto dazu auf, sieben Wochen lang eine Enthaltsamkeit auszuüben: sei es in Bezug auf das Mobiltelefon, Alkohol, Rauchen, und mehr. „Es ist ja auch schön, eine bestimmte Zeit lang auf etwas bewusst zu verzichten und dann das Fasten zu brechen“, sagt Pastor Winter.

Kommerz an Ostern

Dass viele Menschen nach dieser Zeit das Bedürfnis haben, etwas Besonderes zu essen und die Familien zu opulenten Mahlzeiten zusammenkommen, steht im Einklang mit dem Christlichen Glauben, so Winter weiter. „Wer sieben Wochen auf viele Lebensmittel verzichtet hat, freut sich, jetzt wieder alles essen zu dürfen. Und wer sich bewusst etwas entsagt hat, weiß es anschließend wieder mehr zu schätzen.“

Er beobachte jedoch, dass für viele Menschen – auch hier in Südtondern – Ostern immer mehr zu einem kommerziellen Fest wird, was fast schon die Formen eines zweiten Weihnachtsfestes annehme. „Das muss natürlich jeder selbst wissen, aber das ist nicht mehr der Sinn vom Osterfest, wie es mal war“, fügt Christian A. Winter an.

Dass am Karfreitag kein Fleisch auf den Tisch kommen soll, entspringt der früheren Tradition, dass freitags – dem Todestag von Jesus Christus – generell auf Fleisch verzichtet und statt dessen Fisch verzehrt wurde. „Viele ältere Menschen erinnern sich noch daran, aber auch das ist ein bisschen in Vergessenheit geraten“, so Winter. Am Karfreitag verzichten jedoch auch im nördlichen Nordfriesland viele Menschen noch auf Fleisch.

Der Verzicht auf Fleisch ist ein großes Thema, das Pastorin Katja Pettenpaul aus Risum-Lindholm besonders beschäftigt – und das nicht nur zu Ostern. „Der Karfreitag ist einer der höchsten Feiertage für Christinnen und Christen. An diesem Tag gedenken wir des leidvollen Todes Jesu am Kreuz.“ Mit der Auseinandersetzung mit den schweren Themen Leid und Gewalt, Sterben und Tod an diesem Tag gehe einher, dass viele Gläubige einen Fastentag halten und auch auf Fleisch verzichten. „An Ostern feiern wir dann den Sieg des Lebens über den Tod. Allerdings kann man sich fragen, für wen dieser Sieg eigentlich gilt, wenn dann regelmäßig doch wieder das Fleisch, zu Ostern gerade der Kleinsten unter uns, auf dem Teller landet.“

Fleisch geht nicht ohne Tod, weshalb die Pastorin fragt: „Wie aber kann der Tod ,besiegt‘ sein, wenn wir Menschen ihn immer wieder und gerade zu unseren Festessen an Ostern über andere Lebewesen bringen? Wiegt ihr Tod weniger? Wenn es gilt, was wir auch sagen, dass Gott ein ,Liebhaber und Freund des Lebens‘ ist, wo, glauben wir, wird Gott sein? Bei unseren Osterfeierlichkeiten? Oder bei den kleinen Lämmern auf der Weide?“

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