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Hochwasser in Südtondern : Warten auf die große „Weihnachtsflut“

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Deich- und Hauptsielverband zieht Hochwasser-Bilanz / Speicherbecken im Hauke-Haien-Koog mehrfach geflutet / Beitragserhöhung geplant

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2015 | 18:28 Uhr

Atempause und zufriedenes Luftholen beim Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel (DHSV). Nach einer anhaltend kritischen Hochwasserlage, ausgelöst durch starke Niederschläge und zeitgleich anhaltenden Wind aus westlichen Richtungen, sind die Wasserstände in den beiden Auen, den Sielzügen und Vorflutern deutlich zurückgegangen und haben sich dem normalen Pegelstand angenähert.

„Wir haben gezeigt, was wir können“, ist auch Thies Horn, der Verbandsingenieur des DHSV, zufrieden. „Aber es hat gekostet“, fügt er hinzu, weil anhaltender Dauerbetrieb der Schöpfwerke seinen Preis hatte. Dieser Bewährungsprobe, ausgelöst vermutlich auch durch die großklimatischen Veränderungen, hat der Verband durch die frühzeitige Reinigung seiner 1300 Kilometer Kanäle Vorflut vorgebeugt. So wurde unter anderem mit der Maht der Grabenböschungen ab dem 15. Juli begonnen. Ein früherer Beginn war wegen des strengen Naturschutzgesetzes nicht möglich. So zogen sich die Maßnahmen bis jetzt hin, haben aber gewirkt, so dass sich die Gefahren eines Gewässerstaus gar nicht erst einstellten. Freilich mussten die beiden Speicherbecken im Hauke-Haien-Koog drei Mal geflutet werden, um den aus dem Hinterland in Richtung Nordsee heranfließenden Druck herabzumildern.

„Von oben kam es wieder ganz dicke“, blickt Thies Horn auf die Niederschlagstabelle. So wurden im November 143,9 Millimeter Niederschläge gemessen – deutlich mehr als im 20-jährigen Mittel von nur 81 Millimeter. Der Dezember ist bislang normal angelaufen. Am 8. Dezember waren es gerade mal 15 Millimeter. Allerdings erwartet man im DHSV auch in diesem Jahr eine Art „Weihnachtsflut“, durch die sich die bisherige Niederschlagsmenge von 896 Millimeter der 1000-Millimeter-Grenze nähern könnte. Bekanntlich steigen die Wasserstände dann extrem an, wenn es anhaltend regnet und gleichzeitig starke Westwinde wehen. Bei dieser Wetterlage gehen die selbsttätig arbeitenden Schleusentore nicht auf, halten das abfließende Niederschlagswasser fest, was im ungünstigsten Fall zu Überschwemmungen führt.

Auch hohe Wasserstände sind den Audeichen nicht gerade bekömmlich, weil sie sie aufweichen. Zusätzliche Deichsicherungsmaßnahmen wurden an den Auen durchgeführt. Nach den Hochwasserständen 2014 wurde unter anderem der Deich der Lecker Au im Bereich der Lecker Schule auf einer Länge von 350 Metern durch so genannte Tondichtungsbahnen verstärkt. Der Deich der Soholmer Au wurde zwischen B 5 und Leglandsdamm auf 1800 Meter Länge durch Aufschüttungen erhöht. Und im Bereich Großhallig ist der verbandseigene Spülbagger permanent im Einsatz. Und das alles unter der Devise, dass gut arbeitende Wasserläufe Hochwasserschutz bedeuten – und Überschwemmungen verhindern.

Und all das kostet, so dass 2016 eine Beitragserhöhung ins Haus steht. Für Grundstücke ab einer Größe von 5000 Quadratmeter erhöht sich der Satz für eine Beitragseinheit (BE) von sieben auf elf Euro. Und: Pro Hektar werden zwei BE fällig. Dieses Geld fließt in die Gewässerunterhaltung. Hinzu kommt der Beitrag für den Betrieb der Schöpfwerke, der von neun auf elf BE ansteigt. Dazu dieser Vergleich: Im Jahre 2003 belieft sich die Stromrechnung des DHSV auf 200  000 Euro. 2014 waren es 800  000 Euro. Einflussgrößen für diesen Betrag waren allerdings die Niederschläge nicht allein, sondern auch die Strompreiserhöhungen.

Die Gebührenerhöhung wurde kürzlich von der Verbandsversammlung beschlossen, in der auch personelle Veränderungen anstanden. Aus dem Vorstand des DHSV schieden Karl-Friedrich Detlefsen (Freesmark/Aventoft) und Ludolf Jessen-Melfsen (Emmelsbüll-Horsbüll) aus. Zu Nachfolgern wurden Karl Theodor Thomsen (Neukirchen) und Erik Dethlefsen (Wilhelminenhof) gewählt. Außerdem segnete die Versammlung die beiden Haushalte ab. Der Verwaltungshaushalt 2016 hat ein Volumen von 4,344 Millionen Euro. Im Vermögenshaushalt sind 655  000 Euro angesetzt.
 

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