Warnung vor dem nächsten Crash

Professor Dr. Stefan Kooths
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Professor Dr. Stefan Kooths

Vortrag „Konjunktureller Ausblick und Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik“ lockte viele Interessierte und regte zu kritischen Fragen an

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16. Januar 2015, 11:43 Uhr

Ein heißes Thema, Wirtschaftsprognosen aus erster Hand, lockte die Niebüller in die VR Bank. Professor Dr. Stefan Kooths, Leiter des Prognose-Zentrums am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, sprach auf Einladung der Niebüller Universitätsgesellschaft zum Schwerpunkt „Konjunktureller Ausblick und Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik“. Ein Thema, das viele interessierte und zu kritischen Fragen animierte.

Stefan Kooths bekannte sich zu Beginn zur monetären Stabilität und geißelte unverblümt die Geldvermehrung „per Federstrich“. Die Geldmenge im Euroraum habe sich in acht Jahren verdoppelt. Dies könne auf Dauer nicht gut gehen, ein Crash sei zu erwarten. Wie, wann und in welcher Form der Zusammenbruch der Wirtschaft und des Währungssystems geschehen werde, konnte der Kieler Währungshüter nicht sagen. Wie schnell aber alles gehen kann, hatte die überraschende Freigabe des Schweizer Franken am selben Tag bewiesen.

Vor seinem Parforceritt durch Wachstumsraten, Inflation und Deflation, Konjunktur und Expansion erinnerte der Professor daran, dass es bereits vor hundert Jahren eine Weltwährung, nämlich Gold, gegeben habe. Dahin – und zu einer einheitlichen europäischen Geldpolitik – müsse man kommen, da sich Gold nicht künstlich vermehren lasse, es somit eine Sicherheit biete. Die derzeitige Geldpolitik der Industriestaaten sei „ultraexpansiv“. Die niedrigen Zinsen durch die Europäische Zentralbank führten unter anderem zu einer Überhitzung der Konjunktur. Doch auf den zu erwartenden Boom folge mit Sicherheit die Rezession. Eine solide Wirtschaftspolitik verzichte jedoch auf die angestrebten Boom, um den Abschwung zu verhindern.

Durch den niedrigen Ölpreis sei derzeit so viel Geld im Umlauf, dass privat viel konsumiert werde, der Staat die Verschuldung abbaue. Was jedoch fehle, seien die Investitionen. „Schauen Sie sich doch die Straßen an!“ Der Politik las Stefan Kooths die Leviten. „Kein Politiker ist an der Wahrheit interessiert. Es geht stets darum, Wahlen zu gewinnen!“ Daher würden immer wieder unsinnige Konjunkturprogramme aufgelegt. Auch die Energiewende hält der Professor für einen großen Bluff. „Ich gönne Ihnen Ihre Erträge aus der Windkraft von Herzen – nur es wird keine einzige Tonne CO2 weniger verbrannt.“

Auch die Banken bekamen ihr Fett weg: Im Gegensatz zu allen anderen Akteuren im Wirtschaftsgeschehen könnten Banken mit Geld bezahlen, das sie zuvor nicht erst verdienen müssten. Sie können es einfach per Federstrich aus dem Nichts schaffen. „Da unser heutiges Geldsystem auf Kreditdeckung beruht, ist die Geldschöpfung ein Akt von simultaner Geld- und Kreditexpansion.“

Das System funktioniere indes nur so lange, wie die Kunden dieses Versprechen glauben und es nicht in größerer Zahl einfordern. „Mit dem Mittel der abermaligen Kreditexpansion lindert man nicht die Krise von heute, sondern legt den Grundstein für die Krise von morgen oder übermorgen“, warnte der Experte. Im Gespräch bekannte er, dass es schwierig sei, die Faktenlage in der Bevölkerung zu verbreiten. Der Mainstream sei an allen Fronten leider anders. „Die FDP hätte die Chance gehabt, an ihren Grundsätzen festzuhalten“, so Kooths. Doch dies hätte seinerzeit den Bruch der Koalition bedeutet.

Fazit: Die Wahrheit ist zu schmerzhaft, als dass sie jemand hören will. Den Niebüllern dürften jedoch die Ohren geklungen haben. „Sie haben hier heilige Kühe geschlachtet“, sagte Horst Gransow zum Abschluss voller Anerkennung.

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