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Nordfriesland Tageblatt

17. Dezember 2017 | 07:39 Uhr

Verkauf : Wandel im Agrarhandel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„HaGe VR Süderlügum GmbH & Co. KG“ verkauft ihre Anteile. Das defizitäre Mischfutterwerk hat seinen Betrieb eingestellt.

von
erstellt am 09.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Im genossenschaftlichen Agrarhandel tritt eine Änderung ein – vorbehaltlich der Zustimmung durch das Bundeskartellamt. Die seit Juli 2010 bestehende „HaGe VR Süderlügum GmbH & Co. KG“, ein gemeinschaftliches Unternehmen der Hauptgenossenschaft Nord AG und der VR-Bank Niebüll, verkauft ihre Anteile an die bundesweit sowie in Skandinavien und Polen operierende „HaGe Nord“ mit dem Sitz in Kiel.

In einer von den Vorständen Markus Grimm (Kiel) und Torsten Jensen (Niebüll) herausgegebenen Presseerklärung heißt es, dass die Mitarbeiter übernommen werden und wesentliche Standorte erhalten bleiben, und zwar teils im Besitz der VR-Bank, teils von der HaGe Nord langfristig gepachtet. Das seit geraumer Zeit defizitäre Mischfutterwerk Süderlügum wird geschlossen und hat seinen Betrieb Ende Januar eingestellt.

Auf Anfrage unserer Zeitung gab Vorstand Torsten Jensen Erläuterungen zu dem Schritt, der nach seinen Worten die Vertriebsstrukturen im Norden des Landes langfristig sichern und Planungssicherheit für alle Geschäftspartner herstellen soll.

Es sei eine Fülle von Gründen, auf die auch der Agrarhandel reagieren musste, sagte Jensen. In der Landwirtschaft sei die Zahl der großen Betriebe gestiegen und die der Kunden im Handel gesunken. Einher damit ging die Größe der Viehbetriebe und Flächen. Das habe auch zu größeren Einkäufen geführt, die oft direkt von Schiff oder Bahn frei Hof geliefert würden. Als Folge seien Außenlager auch weniger in Anspruch genommen worden.

Auch das Bild auf den Feldern habe sich verändert: weniger Getreide – mehr Mais, der teils für die Biogas-Anlagen, teils für die größeren Viehbestände benötigt wird. Das wirkte sich an den Getreideannahmestellen aus. Dort wird deutlich weniger Korn angeliefert. Wo früher 120 000 Tonnen angeliefert wurden, waren es zuletzt nur noch 35 000 Tonnen. Wer Getreide anbaut, hat häufig daheim auf dem Hof eigene Lagerkapazitäten und kann mit dem Verkauf warten, bis der Markt attraktive Preise bietet.

Das Mischfutterwerk Süderlügum litt offenbar unter seinem Standortnachteil. Vorteile hatten vor allem die in Hafennähe gelegenen Werke. Mischfutter, war zu erfahren, wird heute vor allem in Rendsburg, Süderbrarup und Hamburg produziert.

Überdies sei der Agrarhandel von einem überaus harten Wettbewerb geprägt, erklärte Torsten Jensen. Der Weltmarkt setze andere Maßstäbe. Globale Konstrukte sind lukrativ, kleine heimische bringen deutlich weniger Ertrag. Die Branche sei gezwungen, in anderen Dimensionen zu denken. Jensen: „Wir wollen eine für den Agrarhandel notwendige Struktur nachhaltig sicherstellen.“

Konkret sieht es vor Ort so aus: Die Standorte Süderlügum, Risum-Lindholm und Struckum werden für zehn Jahre an die HaGe Nord verpachtet, desgleichen die Standorte Langenhorn, Sprakebüll, Klixbüll und Joldelund, jedoch für unterschiedliche Zeiten. Die Standorte/Läger Hesbüll, Niebüll-Süderende, Lübke-Koog, Fahretoft und Emmelsbüll werden verkauft.

Die landwirtschaftlichen Kunden sind über diese Änderungen informiert worden. Wolfgang Stapelfeldt (Kreisbauernverband Südtondern): „Wir sehen den Agrarhandel weiterhin sichergestellt. Für uns ändert sich nichts. Es war abzusehen, dass auch in unserer Branche global gehandelt werden muss.“ Hauptgesellschafter der HaGe Nord sind die dänischen und schwedischen aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft „Dansk Landbrugs Grovvareselskab (dlg)“ und „Lantmännen“.


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