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Bundeswehrgelände in Bramstedtlund : Wald oder nicht Wald?

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eine Firma möchte das ehemalige Sanitätsdepot so bald wie möglich nutzen – doch die Bauplanung ist komplex.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2017 | 12:06 Uhr

Was ist Wald, was ist Heide? Ist Gewerbelärm zu erwarten? Und wie wird man Brand- und Naturschutz gleichzeitig gerecht? Diese und viele andere Fragen gilt es zu beantworten. Erst dann kann eine international erfolgreiche Firma auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Bramstedtlund durchstarten. Wenn es nach Bürgermeisterin Rosemarie Lorenzen und der Gemeindevertretung des 200-Einwohner-Ortes geht, könnte die Fjord Hütten GmbH sofort komplett auf dem 18 Hektar großen Areal einziehen. Auch Fjord-Hütten-Geschäftsführer Christian Naber hatte gehofft, noch 2017 mit seinem gesamten Betrieb in den Nachbarkreis Nordfriesland umzusiedeln. Doch zunächst muss für die zivile Nutzung des ehemaligen Bundeswehrgeländes geltendes Baurecht geschaffen werden. Und das kann dauern.

Zur Erinnerung: Das Unternehmen aus Wanderup (Schleswig-Flensburg), das mit seinen Markthütten Veranstaltungen aller Art ausstattet, hat das ehemalige Sanitätsdepot gekauft und will Firmensitz sowie Produktion nach Bramstedtlund verlegen. „Bebauungsplan Nr. 8 (Nachnutzung Sani-Depot)“ lautet der amtliche Name des Prozesses schlicht – doch das Planverfahren ist umfangreich und komplex, wie die Präsentation der beauftragten Planer auf der Sitzung der Gemeindevertretung am Dienstagabend in Bramstedtlund deutlich machte.

Bereits seit Monaten arbeiten Sönke Groth vom Planungsbüro „Grzwo“ und Alke Buck von „Naturaconcept“ an einem Vorentwurf des B-Plans, der frühzeitig ein Stimmungsbild der Behörden liefern soll, die im entscheidenden Verfahren „ihren Senf dazugeben werden“. Besonders habe sich die „Waldthematik“ gezogen, zu der Alke Buck Auskunft gab und das Ergebnis der Biotypenkartierung präsentierte: „Eigentlich ist alles bis auf die Gebäude Biotop“, sagte sie.

Nadel- und Laubwald, Heideflächen, Trockenrasen und artenreiches Dauergrün – all das ist mehr oder weniger reichlich auf dem Gelände vorhanden, und alles ist gesetzlich schützenswert. In einigen Gebäuden haben sich zudem Fledermäuse angesiedelt. Kompliziert wird es tatsächlich bei besagter Waldthematik, denn hier schlägt der Brandschutz die Natur. Die Gebäude sind „gut eingegrünt“, wie es Alke Buck nannte – die Baubehörde des Kreises besteht allerdings auf einen Waldabstand von mindestens 30 Metern. „Zur Brandverhütung muss der Wald also teilweise gerodet werden.“ Und nicht nur das: Wenn ein Wald eine bestimmte Größe unterschreite, sei er juristisch kein Wald mehr, sondern nur noch ein Feldgehölz.

Wald oder nicht Wald? Am Ende der verwirrenden Rechnung ist zumindest eines sicher: Es müssen Bäume gefällt und Waldausgleichsflächen geschaffen werden – und das hat seinen Preis. Faktisch sollen 1,9 Hektar Wald weichen, die aber im Verhältnis 1:2 ausgeglichen werden müssen. Die 3,6-Hektar-Aufforstung kann auf Gemeindegrund entstehen oder auch durch den Erwerb von Punkten auf sogenannten Ökokonten. „Da kostet ein Hektar Wald rund 30  000 Euro“, gab die Planerin als Größenordnung an. Die Rodung müsse aber nicht auf einmal geschehen, sondern könne je nach Baufortschritt nachgezogen werden, ergänzte Planer Sönke Groth. „Zudem wird ringsum das Gelände die Begrünung erhalten, besonders die Bäume, die der Anlage einen parkähnlichen Charakter geben.“

Ferner wird laut Groth ein Emmissionsschutzgutachten in Bezug auf Gewerbelärm wie An- und Abfahrten von Lastwagen in Auftrag gegeben: „Das dürfte die Anwohner interessieren.“ Bürgermeisterin Rosemarie Lorenzen jedenfalls geht nicht davon aus, dass der neue Betrieb im Ort zur Lärmbelästigung wird und blickt auch sonst der gemeinsamen Zukunft von Fjord Hütten und der Gemeinde Bramstedtlund äußerst positiv entgegen: „Wir sind sehr, sehr froh darüber, die Gebäude werden optimal genutzt.“ Auch Geschäftsführer Christian Naber schwärmt: „Das Gelände ist für uns einfach traumhaft.“

Die Gebäude seien noch gut in Schuss, die Lage ideal. Insgesamt 20 Hallen stehen auf dem Areal, von denen Fjord Hütten bereits seit Anfang des Jahres einige als Lagerhallen nutzt. Wenn der B-Plan aufgestellt ist, sollen möglichst rasch auch Firmensitz, Verwaltung und Produktion in Bramstedtlund gebündelt werden. Dann könnten alle Hütten an einem Ort hergestellt, gelagert und renoviert werden, und es bleibe noch Platz, um zu wachsen und die Firma weiterzuentwickeln, so Naber. Angesichts der aktuellen Planungserkenntnisse müssen sich alle Beteiligten aber noch etwas länger gedulden. „Wir werden wohl nicht vor 2018 komplett in Bramstedtlund loslegen können“, sagt Naber.
 

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