zur Navigation springen

Rettungsplan für Klinikum : Wachsender Unmut über Klinik-Abbau

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bürgerinitiative will sich mit Aktionen für den Erhalt des Klinik-Standortes einsetzen / Hebammen kritisieren längere Fahrtwege für Schwangere

Notaufnahme nur noch bis 16 Uhr, Chirurgie nur noch von 10 bis 18 Uhr, keine stationären Aufnahmen mehr, Gynäkologie und Geburtshilfe werden abgeschafft – der mögliche Umbau des Klinikstandortes Niebüll löst bei vielen Südtonderanern mehr als nur Unbehagen aus. Seit dem Wochenende formiert sich nun Widerstand gegen das von einem externen Experten vorgelegten „Rettungskonzept“, über das am 11. Dezember im Kreistag beraten werden soll (wir berichteten).

„Wir wollen uns dafür stark machen, dass die umfassende medizinische Versorgung im Krankenhaus Niebüll erhalten bleibt“, sagt Norbert Golomb. Der 24-jährige Aktivist hat weder eine schwangere Frau, noch arbeitet er im Klinikum oder ist derzeit krank – der Neukirchener will den „medizinischen Kahlschlag“ vor seiner Haustür schlicht nicht hinnehmen. Seine Facebookgruppe „Gemeinsam füreinander!“ hat bereits drei Tage nach ihrer Gründung 4500 Mitglieder – Tendenz steigend. Die Gleichgesinnten planen jetzt eine Demonstration vor dem Kreishaus, Infostände und eine Podiumsdiskussion. Auch eine Petition zum Erhalt des 124-Betten-Standortes ist schon geschaltet. Bis gestern wurde sie von rund 2200 Personen unterzeichnet. „Die Schließung der Gynäkologie und die weiteren Einschränkungen werden nur der Anfang sein“, ist sich Norbert Golomb sicher, „am Ende wird die gesamte Klinik durch den Standort Husum ersetzt“. Am kommenden Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr, treffen sich die Aktivisten zu ihrem zweiten Organisationstreffen in der Jugendherberge Niebüll.

Auch innerhalb der Klinikmauern an der Gather Landstraße 75 rumort es. Hier sind es allem voran die Praktikerinnen aus der Geburtshilfe, die sich laut über die Sparpläne wundern. Insgesamt vier Beleghebammen und zwei Gynäkologen kümmern sich im Niebüller Kreißsaal um werdende Mütter. Rund 250 Kinder werden hier jährlich zur Welt gebracht. Nun drohen die anhaltenden Millionen-Verluste, mit denen sich das Klinikum Nordfriesland seit Jahren herumschlägt, auch dieses Angebot zu schlucken. Die Beleghebammen, die als Selbständige arbeiten, sind sich sicher, dass ein Wegfall der Geburtshilfe Schwangeren keine Vorteile bringen würde: „Für Frauen, die eine gesunde Schwangerschaft haben, kann der dann weitere Weg zum Risiko werden“, gibt etwa Hebamme Marie Kewitsch zu Bedenken. Und: Blieben nur die Alternativen Flensburg oder Husum, könnte das für mache Familie auch finanzielle Schwierigkeiten durch mehrfache Anreise und Unterbringung von Angehörigen mit sich bringen.

Als Hauptargument für eine Verlagerung der Geburtenstation nach Husum führt der Kreis Nordfriesland an, dass die größte Sicherheit für Mutter und Kind in größeren Abteilungen mit 600 bis 800 Geburten gegeben sei. Durch eine Ballung in Husum könne man so auch die Zahl der juristischen Auseinandersetzungen gering halten. Auch für die Hebammen in Niebüll hat die Sicherheit von Mutter und Kind Priorität – allerdings sehen die Praktikerinnen auch in Niebüll die nötige Qualität gegeben. „Trotz unser kleinen Geburtenzahlen leisten wir konstant gute Arbeit“, sagt Hebamme Hanne Nissen. „Wir haben ein Rundum-Labor, eine Intensivstation und Zugriff auf einen Anästhesisten.“ Die gute Ausbildung der Mitarbeiter, regelmäßige Fortbildungen, Spezialtraining für Notfälle sowie die umfangreiche Erfahrung der Hebammen machten die Niebüller Geburtenstation zu einer verlässlichen Alternative für gesunde Schwangere, sind sich die Fachfrauen sicher, die gemeinsam über 90 Jahre Berufserfahrung einbringen.

Unsicher dagegen ist, ob sich der Termin für die abschließende Beratung über den Expertenvorschlag zur Umstrukturierung im Husumer Kreishaus halten lässt. Bereits jetzt kündigte ein Kreissprecher an, dass sich die Aussprache auf den Januar oder Februar 2016 verschieben könnte. 

zur Startseite

von
erstellt am 10.Nov.2015 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen