Vortrag: Landwirtschaft im Spannungsfeld

Redner Professor Folkhard Isermeyer.
Redner Professor Folkhard Isermeyer.

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29. Januar 2015, 12:01 Uhr

Die deutsche Agrarwirtschaft hat sich in der Produktion und deren Mengen kräftig und erfolgreich entwickelt und ist auch im Multimilliardenbereich aktiv in den internationalen Handel mit Ex- und Import eingebunden. Das erklärte der Agrarökonom Prof. Dr. Folkhard Isermeyer auf einer Landwirtschaftsveranstaltung der Nord-Ostseesparkasse (Nospa) im Stedesander „Deichgrafen“ vor Landwirten aus dem Einzugsbereich der Niebüller Bankfiliale.

Isermeyer ist Präsident des Braunschweiger Johann-Heinrich-Thüne-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. In seinem Stedesander Referat beleuchtete der 57-jährige Wissenschaftler die „Perspektiven für die Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Weltmarkt und kritischer Bevölkerung.“ Er listete Trends auf und stellte Vergleiche an. In den vergangenen vier Jahrzehnten sei die Anbaufläche für Getreide zwar konstant geblieben. Die Erträge hingegen hätten sich verdoppelt. Das gelte auch für das klimatisch begünstigte Deutschland. Während in Europa die pflanzliche Erzeugung gleichbleibend hoch blieb, habe sich die in Asien rasant gesteigert.

In der tierischen Erzeugung habe eine ähnliche Entwicklung stattgefunden: eine noch hohe Spitze in Europa (mit leicht sinkender Produktion) – steigende Zahlen bei Fleisch und Aquakulturen in Asien. Nach dem Resümee Isermeyers bleibt die Landwirtschaft expansiv – in Europa weniger, in der übrigen Welt mehr und in Deutschland stark. Das Gefüge der Weltagrarpreise bleibe zwar vorerst noch vom Öl abhängig, müsse sich aber einmal an der Nachfrage nach Lebensmitteln orientieren.

Das Image der Landwirtschaft stimme. Doch stehe die Höhe der Tierbestände unter dem Stichwort „Massentierhaltung“ stark im Kreuzfeuer der Kritik. Soll und Ist weichen stark voneinander ab. International wird die Diskrepanz „Factory Farming“ genannt – wobei die Milch freilich noch verschont bleibt. Indizien für das Dilemma seien unter anderem, dass kaum noch Schweine- und Geflügelställe gebaut werden und eine fleischreduzierte Kost zunimmt. Professor Isermeyer sieht zudem den technischen Fortschritt auf dem Vormarsch. „Da ist noch eine Menge Musik drin“, lenkte er die Blicke auf PC-gesteuerte Maschinen in der (noch) visionären Landwirtschaft – oder das Abferkeln in einer Art Wanne, die (hygienisch isoliert) im Stall hin und her geschoben wird. Es gebe weitere Möglichkeiten fürs Tierwohl – und nicht nur schärfere Gesetze. Isermeyer: „Was der Bauer unmittelbar macht, ist authentisch. “ Kritik übte er am „unkoordinierten Nebeneinander“ der Politik ohne klare Positionen und den daraus resultierenden „kommunikativen Katastrophen“. Licht am Horizont hingegen sieht er im aktiven Dialog mit der Gesellschaft – etwa darüber, wie mit dem Nutztier umzugehen ist, ob die Agrarförderung umgebaut werden soll und wie Zukunftsbilder zu schärfen sind. „Wenn weder das eine noch das andere politische Mehrheiten findet, dann geht es eben weiter wie bisher“, rundete Prof. Dr. Folkhard Isermeyer seinen Vortrag ab.

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