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Nordfriesland Tageblatt

18. Dezember 2017 | 12:34 Uhr

Vorreiterrolle in Sachen Windenergie

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ministerpräsident Torsten Albig versprach bei der feierlichen Eröffnung des Bürgerwindparks Süderlügum ein Festhalten an dem Erfolgsmodell

von
erstellt am 25.Okt.2015 | 13:49 Uhr

Ministerpräsident Torsten Albig hat den Bürgerwindpark (BWP) Süderlügum während einer Feier vor mehr als 450 Kommanditisten sowie Gästen aus Politik und Wirtschaft offiziell eingeweiht. „Hier ist die Wiege der Veränderung einer kompletten Volkswirtschaft, die nachhaltig ist“, lobte er in seiner Festansprache die Vorreiterrolle der Region zu den Erneuerbaren Energien. „Bürgerwindparks wie in Süderlügum helfen weg zu kommen von Kohle sowie Atomstrom und sind die Voraussetzung, dass Deutschland als Industriegesellschaft Zukunft hat.“ Der Regierungschef betonte, dass kein anderes Bundesland so interessiert daran sei, die Ziele des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) zu erreichen, wie Schleswig-Holstein.

Albig ging auch auf die derzeitige Veränderungssperre auf Grund des Urteils vom Oberverwaltungsgericht Schleswig ein und betonte, dass Windkraft aus Schleswig-Holstein weiter ein Schwerpunktthema der Landesregierung bleiben werde. Der Ministerpräsident versprach, den Bürgerwillen vor Ort zu respektieren. „An dem Erfolgsmodell Bürgerwindpark wollen wir festhalten. Solche Parks wie hier in Süderlügum müssen und werden trotz künftiger Ausschreibungspflicht weiterhin möglich sein.“ Er werde sich gemeinsam mit den anderen Küsten-Ländern bei der Bundesregierung dafür einsetzen, die notwendigen Rahmenbedingungen für Windenergie zu stärken.

„Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Windenergie bundesweit ausgebaut wird“, so Torsten Albig. Er kritisiert dabei insbesondere die Verantwortlichen in Bayern, die „den Netzausbau Richtung Süden blockieren“. Insgesamt werden für die Stromaufnahme mehr Netze benötigt, denn das Ziel in Schleswig-Holstein sind 6000 Mühlen, die zwar das Landschaftsbild verändern, aber dann genau so viel sauberen Strom erzeugen wie drei Atomkraftwerke. Auf das Know-How im eigenen Land bezogen meinte der Ministerpräsident: „Wir brauchen keine Brüsseler Unterstützung, die uns alles kaputt macht!“

BWP-Aufsichtsratsvorsitzender Mark Böckenholt erklärte, dass von namentlich genannten „Motoren“ vor sechseinhalb Jahren der Plan zur Gründung einer BWP-Gesellschaft gefasst wurde und man sich mit Reinhard Christiansen, Peter Steffens und Horst Leithoff drei „professionelle“ Geschäftsführer holte.

Die zwölf aufgestellten getriebelosen Siemens-Mühlen mit einer Nabenhöhe bis zu 94 Metern und einer installierten Leistung von 36 MW stehen nördlich des Ortskerns und sind bereits seit dem Sommer am Netz. Der BWP liefert die Energie über die windparkeigene 30kV-Trasse zum Umspannwerk Weesby in einen eigenen aufgestellten 30 kV Transformator und von dort weiter in die 110kV-Sammelschiene an die Eon Netz AG. Die Investition betrug 54,5 Millionen Euro, wovon die 492 einheimischen Kommanditisten ein Eigenkapital von zwölf Millionen Euro einbrachten. Die Investition wurde zusammen mit der VR Bank e.G. Niebüll finanziert. „Die Planungskosten wurden nur um 1,69 Prozent überschritten, da sollen sich Politik und Wirtschaft mal ein Beispiel nehmen“, sagte Peter Steffens. Beim BWP handelt es sich um ein reines Bürgerenergieprojekt, dass den Süderlügumer Anteilseignern gehört. Der BWP erwartet einen Umsatz von rund 9,5 Millionen Euro im Jahr, was eine voraussichtliche Gewerbesteuereinnahme für die Gemeinde Süderlügum von 350  000 Euro jährlich bringen wird und den Kommanditisten eine attraktive Rendite sichert.

Reinhard Christiansen, gleichzeitig Landesvorsitzender des Bundesverbandes WindEnergie (BWE), appellierte ebenfalls daran, die Netze weiter auszubauen. Er bezeichnete die heimische Region als Hochburg des EEG. Der stellvertretende BWE Geschäftsführer Carlo Reeker ging auf die Anfänge der Erneuerbaren Energien vor 25 Jahren ein, „die damals von den großen Konzernen belächelt wurden“. Heute betrage der Anteil aus den EEG bereits 30 Prozent und bis zum Jahre 2050 will man als Ziel die 100 Prozent schaffen.

Klaus Sievers, Vorstandsvorsitzender der VR Bank an Ministerpräsident Albig gerichtet: „Wir brauchen wesentlich mehr Klarheit zur zukünftigen Entwicklung der Windenergie.“ Auch MdB Matthias Ilgen (SPD) mahnte, den Ausbau der EEG „auf Tempo zu halten“ sowie Bürgerwindparks die gleichen Chancen im Bieterrecht einzuräumen, wie den „Grossen“. MdB Ingbert Liebing (CDU) erklärte, er hoffe auf weitere solche vorbildliche BWP-Projekte.

Den unterhaltsamen Teil des Abends gestaltete Bauchredner Jörg Jara mit seiner „Socke“, „Herrn Jensen“ und Vogel „Olga“. Nach einem „Italienischen Büffet mit norddeutschen Anklängen“ gab es Musik von den „Tonados“.

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