Braderup : Vorreiter des Fortschritts

Die Versammlung stellte das Konzept für den neuen Windpark mit Stromspeicher vor.  Foto: kon
Die Versammlung stellte das Konzept für den neuen Windpark mit Stromspeicher vor. Foto: kon

Erster Bürgerwindpark mit Batterie als Stromspeicher geplant.

Avatar_shz von
18. Februar 2013, 08:52 Uhr

Braderup | Die 700-Seelengemeinde Braderup und die 200-Seelengemeinde Tinningstedt schreiben Geschichte: Sie sind Vorreiter für Deutschlands ersten Bürgerwindpark, in dem eine Batterie als Stromspeicher getestet wird. Nach dreijähriger Vorarbeit, vielen Besuchen in Stuttgart und noch mehr Gesprächen ist es dem "Bürgerwindpark BWP Braderup-Tinningstedt" gelungen, das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen Robert Bosch GmbH ins Boot zu holen. Daraufhin wurde am 4. Februar ein gemeinsames Unternehmen, die Gesellschaft "Energiespeicher Nord GmbH & Co KG" gegründet.

Die neue Gesellschaft baut und betreibt die riesige Batterie. Bosch entwickelt die Steuerungselektronik, übernimmt die Systemintegration und testet in Braderup verschiedene Betriebsvarianten, unter anderem auch den Stromhandel an der Strombörse. Die Tests sollen Hinweise für neue Projekte liefern. Stromspeicher werden künftig eine zentrale Rolle spielen, damit die Stromversorgung auch an wind- und sonnenarmen Tagen gesichert ist.

Im Braderuper Gemeindehaus trafen sich jetzt der Beirat und die Geschäftsführer Jan Martin Hansen, Peter Lorenzen, Markus Pudschun und Peter Markus Petersen des bereits bestehenden Bürgerwindparks (BWP) Braderup-Tinningstedt mit der Projektleiterin Cordelia Thielitz und dem Entwickler Dr. Johannes Kostka der Firma Robert Bosch, um das Projekt vorzustellen. Dabei waren die Diplom-Ingenieurin Carina Carl von der Schleswig-Holstein Netz AG und Vertreter aus Bundes-, Landes- und Kreispolitik, vom Amt Südtondern, der VR Bank Niebüll und Gemeindevertreter.

Für Jan Martin Hansen, neben Cordelia Thielitz zweiter Geschäftsführer der Gesellschaft, "rückt eine Vision in greifbare Nähe". Wie er ausführte, "haben 200 Bürger aus Braderup und Tinningstedt der Geschäftsführung des neuen Windparks ihr Eigenkapital anvertraut für ein Projekt, das für uns alle Zukunft bedeutet".

Die Firma"Vestas" wird die geplanten sechs Windkraftanlagen (vier in Braderup, zwei in Tinningstedt mit jeweils 3,3 Megawatt) aufstellen. Angeschlossen werden sie an das Stromnetz der Schleswig-Holstein Netz AG. Die Betreiber hoffen, dass der neue Windpark samt Batterie bis Ende des Jahres steht.

Die Batterie mit einer Grundfläche von 600 Quadratmetern und einer Höhe von acht Metern wird in einer Halle auf Braderuper Boden errichtet. Sie kann vier Stunden lang eine Leistung von einem Megawatt abgeben, hat also eine Kapazität von vier Megawattstunden. Damit können rechnerisch rund 400 Einfamilienhäuser einen Tag lang mit Strom versorgt werden. Sollten die Stromnetze an der Küste überlastet sein und die Elektrizität nicht weitergeleitet werden können, kann der erzeugte Strom gespeichert werden und verpufft nicht ungenutzt.

"Das Projekt ist ein Meilenstein auf dem Weg zur künftigen Stromversorgung mit erneuerbaren Energien", sagte Cordelia Thielitz. "Wir erwarten viele neue Erkenntnisse darüber, wie Speicher die Stromnetze stabilisieren". Jan Martin Hansen fügte hinzu: "Wenn die Batterie installiert ist, können wir regenerative Energien auch dann anbieten, wenn der Wind nicht weht". Damit löse der Bürgerwindpark ein wichtiges Problem.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen