zur Navigation springen

Vor der Sparkassen-Fusion: Umbruch kostet Jobs

vom

Sozialplan für die Spar- und Leihkassse zu Bredstedt / Verschmelzung mit Nospa Thema im Kreistag

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Bredstedt | Der Geschäftsbetrieb läuft normal weiter. Aber für die Mitarbeiter der Spar- und Leihkasse zu Bredstedt am Marktplatz und in der Zweigstelle in Langenhorn ist nichts mehr wie es einmal war. Denn die meisten von ihnen verlieren mit der für den 1. Juli angepeilten Fusion des 1840 gegründeten Unternehmens mit der Nord-Ostsee-Sparkasse (Nospa) ihren Job.

Über die Vereinigung der kleinen angeschlagenen, ehemals privaten Sparkasse mit dem großen öffentlich-rechtlichen Institut beraten derzeit noch die Anteilseigner. Aber deren Zustimmung gilt als sicher unter der Voraussetzung, dass alle erwarteten und mögliche weitere Risiken abgeschirmt werden. Das ist nötig, zumal sich die Nospa - sie nimmt nach 2008 mit der Flensburger Sparkasse jetzt mit der Spar- und Leihkasse zu Bredstedt innerhalb weniger Jahre bereits den zweiten Sanierungsfall auf - selbst noch auf dem Weg der Konsolidierung befindet.

Das alte Husumer Stadtverordneten-Kollegium hat das Thema kurz vor Ablauf der Wahlperiode heute Nachmittag in einer außerordentlichen Sitzung auf seiner Tagesordnung, der nordfriesische Kreistag am Tag darauf. Am 18. Juni beschäftigt sich die Nospa-Zweckverbandsversammlung abschließend mit der Fusion.

Läuft alles wie geplant, dann haben die meisten der einst rund 100 Mitarbeiter am 28. Juni ihren letzten Arbeitstag in der Spar- und Leihkasse. Auf Anfrage mochte der Nospa-Verwaltungsrats vorsitzende, Landrat Dieter Harrsen, nicht zu Details der anstehenden Verschmelzung beider Unternehmen Stellung nehmen. "Aus meiner Sicht sind einvernehm liche Lösungen gefunden worden, auch für die Arbeitnehmer", erklärte er lediglich.

Dies wird durch andere Quellen bestätigt. So hatte es nach einem "einvernehmlich verlaufenden Personalauswahlverfahren" unter Fusionsvorbehalt insgesamt Zusagen für die Übernahme von 24,5 Stellen gegeben. Dadurch soll sichergestellt werden, dass es die Kunden auch in Zukunft überwiegend mit ihren vertrauten Ansprechpartnern, wie Firmenkunden- und Vermögensbetreuern oder Geschäftsstellen-Mitarbeitern, zu tun haben. Zudem können acht Nachwuchskräfte ihre Ausbildung abschließen.

Für die übrigen rund 50 Mitarbeiter - ein Teil hat sich bereits anderweitig orientiert oder abfinden lassen - ist mit dem Betriebsrat ein Sozialplan vereinbart worden. Sie werden mit Entlohnung für die Dauer eines Jahres überführt in eine Transfergesellschaft. In dieser Zeit laufen Qualifizierungen und es gibt die Chance, sich auf mögliche offene Stellen in der Nospa und der übrigen Sparkassen-Landschaft zu bewerben. Zunächst steht also niemand auf der Straße.

Der Abwicklungsprozess der alten "Spaleika" ist unterdessen in vollem Gange. Deren wirtschaftliche Entwicklung war bereits seit Jahren "unzureichend", wie es in der Beschlussvorlage für die Stadtvertretung und den Kreistag heißt. Wegen "Klumpenrisiken" im Kreditgeschäft, unterlassener organisatorischer und risiko begrenzender Maßnahmen und hoher Bewertungsaufwendungen musste sie 2011 von der Sparkassen-Finanzgruppe gestützt werden. Eine Beratungsgesellschaft hatte später festgestellt, dass "ohne umfangreiche externe Unterstützung eine Fortführung der Spar- und Leihkasse gefährdet bzw. nicht mehr möglich" sei.

Die jetzigen Fusionsverhandlungen sind nun auf der Zielgeraden, wie der neue Nospa-Chef Thomas Menke eben erst bei einer Kunden-Veranstaltung in Husum erklärt hatte (wir berichteten). Danach soll bereits in den nächsten zwei Wochen Vollzug gemeldet werden. Menkes Fazit: "Wir haben eine Fusion vor uns, die für beide Häuser eine gute Entscheidung ist." Gestern betonte der Vorstandsvorsitzende auf Anfrage: "Für das Team der Sparkasse Bredstedt wurde eine faire sozialverträgliche Lösung erarbeitet. Für mich ist besonders wichtig, dass die Kunden der Sparkasse Bredstedt weiterhin von den ihnen bekannten Mitarbeitern beraten werden. Dies ist zum Großteil sichergestellt. Deshalb sind die Voraussetzungen für einen nahtlosen Übergang gegeben. Wir freuen uns auf die neuen Kunden und Mitarbeiter."

Sowohl der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein als auch das Innenministerium als Sparkassenaufsicht haben signalisiert, dass sie die geplante Vereinigung befürworten, da sie "ein positiver Beitrag zur Lösung der Strukturprobleme der schleswig-holsteinischen Sparkassen darstellt".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen