Vor 50 Jahren in die Sache des Glaubens verliebt

Schreibt am liebsten für Kinder: Pastor  Peter Spangenberg. Foto: jok
Schreibt am liebsten für Kinder: Pastor Peter Spangenberg. Foto: jok

Pastor Peter Spangenberg feiert sein Jubiläum mit einem Gottesdienst

shz.de von
20. Dezember 2012, 08:01 Uhr

Achtrup | "Pastor bleibt man ein Leben lang, das endet nicht mit dem Ruhestand." Peter Spangenberg (78) lebt seine Aussage. Von 1979 bis 1996 besetzte er die dritte Pfarrstelle der evangelischen Kirchengemeinde Leck und ist immer noch seelsorgerisch unterwegs. Seine Ordination jährt sich am vierten Adventssonntag zum 50. Mal. Das Jubiläum gestaltet der Theologe selbst mit einem Gottesdienst ab 10 Uhr in der St. Willehad-Kirche.

NFT: Herr Spangenberg, was hat Sie als jungen Menschen bewogen, Theologie zu studieren?

Peter Spangenberg: Ich stamme aus einer alten Pastorenfamilie, seit Luthers Zeiten ununterbrochen. Deshalb wollte ich nicht diesen Beruf ergreifen. Der Dichter Hermann Hesse stimmte mich um: Um zu wissen, was ich nicht will, zog ich ins Studium. Da habe ich mich in die Sache des Glaubens und der Theologie verliebt.

Ein halbes Jahrhundert sind Sie Pastor. Was für Empfindungen, Erinnerungen löst das bei Ihnen aus?

Die Zeit war geprägt durch Herausforderung, Bereicherung, Erfüllung, Anstrengung und viel Scheitern - aber immer in der Gemeinschaft der Kirche.

Nebenher sind Sie auch Schriftsteller. 81 Publikationen sind von Ihnen erschienen. Was bedeutet es für Sie, zu schreiben?

Schreiben ist für mich wie eine zweite Kanzel und ein Medium der Sprache. Was ich schreibe, ist ein Versuch, den Inhalt zu den Menschen zu transportieren: unverbogen, gradlinig, bildhaft und zielorientiert. Am liebsten schreibe ich für Kinder, aber nicht in der Kindersprache, sondern in der Sprache für Kinder. Ich muss schreiben, sonst platze ich.

Gehen Ihnen die Ideen, die Themen nicht aus?

Im Gegenteil. Die Ideen fliegen mir zu, sie kommen von vorn. Manchmal sind es so viele, dass ich ausweichen muss, um nicht getroffen zu werden.

In vielen kirchlichen Gesangbüchern, auch in Ungarn, Österreich und der Schweiz, stehen Lieder von Ihnen. In zahllosen Gemeinden singt man Ihre Texte. Was bedeutet die Kirchenmusik für Sie?

Kirchenmusik ist für mich der zweite Brennpunkt in einer Ellipse. Sie steht gleichrangig neben der Verkündigung. Der Kirchenvater Augustin hat geschrieben: "Es betet doppelt, wer singt." Im Kirchenlied verbirgt sich für mich die Mischung von Leid und Trost, von Angst und Mut, von Temperament und Hoffnung, kurzum: das ganze Leben.

Als Ombudsmann haben Sie sich 20 Jahre lang für Kinder in Südtondern eingesetzt. Warum?

Von jeher liegt mir das Wohl der Kinder am Herzen. Deshalb habe ich das ehrenamtliche Amt des Kirchenkreises angenommen. Ich habe mich engagiert für geschlagene, traumatisierte, einsame, hilflose, sprachlose und hoffnungslose Kinder. Meine Hilfe bestand lediglich im Dasein, Zuhören, Begleiten, Beraten, Spielen, Singen und Tränen trocknen.

Herr Spangenberg, Sie sind verheiratet, haben drei Kinder und acht Enkel. Wie schaut es mit Hobbys aus?

Da sind Singen und Tanzen, den Blues erleben, Schach, Theaterspielen, Kochen, Backen, Malen, Basteln, Garten, Blumen und Bäume. Und mein großer Hund. Vor allem aber Menschen, Gespräche, die Sprache, und an der Spitze meine Familie mit den Enkeln. Das Leben ist ein Wunder.

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