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Nordfriesland Tageblatt

12. Dezember 2017 | 08:13 Uhr

Von Sturmfluten und Geldmangel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Albert Panten referierte im Rathaus über den Gotteskoog, dessen Vorgeschichte mehr als 5000 Jahre zurückreicht

von
erstellt am 08.Jun.2016 | 10:04 Uhr

450 Jahre Gotteskoog: Unter diesem Motto bat der „Frasche Feriin for Naibel-Deesbel än trinambai“ – kurz Niebüll-Deezbüller Friesenverein – zu einem Vortragsabend in den Sitzungssaal des Rathauses. Dort schlug der Heimatforscher und Vorsitzende des Friesenvereins, Albert Panten, das virtuelle Geschichtsbuch der Nahregion auf und berichtete über den Gotteskoog und seine Entstehungsgeschichte.

Vor ihm hatten Chronisten wie Dankwerth und Mejer aufgeschrieben, was sie zusammentragen konnten. Petreus (1730) und Ludwig Andresen (1880-1940) folgten ihnen. 1991 war es die Niebüller Realschullehrerin Malene Gottburgsen mit ihrem Buch „Der Gotteskoog – Landschaft und Bewohner im Wandel der Jahrhunderte“. Sie wuchs im Gotteskoog auf.

Mitglieder des Friesenvereins, geschichtlich interessierte Niebüller und Bewohner des Gotteskoogs sorgten für einen gutbesuchten Vortragsabend.

Die Vorgeschichte des Koogs reicht 5000 Jahre zurück – in eine Zeit, als der Meeresspiegel noch sechs Meter unter dem heutigen Niveau lag. Das Regenwasser von der Geest konnte rasch abfließen. Es wuchsen Eichenwälder. Menschen der jüngeren Steinzeit siedelten sich an.

Der Anstieg des Meeresspiegels führte zur Bildung der Alten Marsch (Wiedingharde) und erschwerte den Abfluss des Regenwassers. Vor dem Geestrand starb der Eichenwald ab. Es bildeten sich Moore. Erneut ansteigender Meeresspiegel hatte eine Versalzung der Moore zur Folge. Um 1200 wurde Salztorf abgebaut. Entlang der Priele entstanden Höfe und wurden Kirchen gebaut wie die in „Langsumtoft“, die aber Opfer von Fluten wurden, und überlebende Menschen auf die Geest vertrieben.

Der Gotteskoog, Koog „im Namen Gottes“, wurde 1562 begonnen und 1566 fertiggestellt. Zuvor war das Koogsgebiet zwischen 1362 und 1532 dreimal durch Sturmfluten heimgesucht worden. Lediglich einige wenige höhergelegene Bereiche ließen eine landwirtschaftliche Nutzung zu.

Zurzeit des Herzogs Hans des Älteren wurde gedeicht. Zuerst (1554) entstanden der Kleine Emmelsbüller Koog und der Kleine Kohldammer Koog. Danach (bis 1555) folgten der Hoyerkoog und der Alte Karrharder Koog von Hoyer über Rutebüll und Legan bis Grellsbüll und 1562 die Deichlinie von Süd-Niebüll bis zum Kleinen Emmelsbüller Koog und schließlich 1566 der Deich zwischen Neukirchen und Rutebüll mit einer Überdämmung zahlreicher Tiefs und der Wiedau. Der von Herzog Hans geplante Deich von Südwesthörn über Dagebüll und Fahretoft nach Waygaard wurde nicht mehr fertig, weil das Geld fehlte und der Herzog starb.

Zwischen all diesen Stationen schilderte Albert Panten Details und Begebenheiten, die sich zu einem Mosaik fügten, über das sich Historiker, Bodenkundler und Chronisten hermachten.

Mit der Schilderung der Vorgeschichte dieses merkwürdigen Kooges, seiner Eindeichung und Besiedlung hat Albert Panten nach eigenem Bekunden „etwas für die Region“ getan. Seine Zuhörer dankten es ihm mit anerkennendem Applaus.

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