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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 02:43 Uhr

Von Pakistan über Rumänien nach Leck

vom

Sehar Abbas ist die erste Schülerin aus Südostasien, die am internationalen Sommerkurs an der Nordsee Akademie teilnimmt

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Leck | Die junge Frau sitzt zusammengekauert auf dem Stuhl: Ihr ist kalt. Sehar Abbas kann sich schwer an die für sie kühlen Temperaturen gewöhnen. In ihrem Heimatland Pakistan werden in der Küstenregion gerade um die 40 Grad gemessen. Trotzdem genießt sie den Aufenthalt in der Nordsee Akademie und zeigt sich begeistert über die grüne Landschaft und die Freundlichkeit der Leute.

Zahlreiche Nationen waren bisher bei dem Internationalen Sommerkurs in der Nordsee Akademie vertreten, doch aus der pakistanischen Republik nahm bis jetzt noch keiner daran teil. Sehar Abbas hat die weiteste Anreise auf sich genommen und erhielt dafür vom Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn die Chronik über den Marktort Leck. Nun legte die Pakistanerin die Strecke von Südostasien bis in den hohen Norden Deutschlands aber nicht in einem Rutsch zurück. Sie packte in Rumänien ihre Koffer für Leck. Seit elf Monaten studiert sie durch das Austauschprogramm "Erasmus" in Hermannstadt und macht ihren Master im Fach "Metallurgie". Den Bachelor-Titel errang sie zuvor nach vier Studienjahren in Karachi. Die Stadt liegt am arabischen Meer und ist anderthalb Flugstunden von der Hauptstadt Islamabad entfernt. Als jüngste von insgesamt vier Schwestern wurde Sehar Abbas hier geboren. Der Vater arbeitet in einem Pass-Büro, die Mutter ist Kosmetikerin und führt einen Schönheitssalon. In dem Land, in dem keine allgemeine Schul- und Bildungspflicht besteht und rund 50 Prozent der Einwohner zu den Analphabeten zählen, absolvierten die Abbas-Mädchen hochqualifizierte Schulausbildungen. Sehars Schwestern sind inzwischen alle verheiratet, eine lebt mit einem Franzosen in Madagaskar und Frankreich, eine andere wohnt in England.

"Schon in der 3. Klasse war mir klar, dass ich Ingenieurin werden will und ins Ausland möchte", ging Sehar Abbas mit großer Unterstützung ihrer Mutter ihren Weg. Nach dem Studium in Pakistan jobbte sie in der weltweit vertretenen Firma "Velosi Industries" als Teamleiterin für Ingenieurwesen, bevor das nächste Ziel Rumänien hieß. Dort erfuhr sie von dem Kurs in der Nordsee Akademie: "Meine Lehrerin war vor vier Jahren hier und schwärmte von der Zeit in Leck." Das wollte die Pakistanerin auch. Neben der Nationalsprache Urdu beherrscht sie die Amtssprache Englisch, nun lernte sie in zwei Kursen deutsch. Um diese Sprache zu intensivieren, will die junge Frau im Oktober in Deutschland ihren Master beenden. "Es ist wichtig, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen", radebrecht sie in einer Mischung aus zwei Sprachen: "Deutsch ist eine sehr schwere Sprache."

"Leck is beautiful", bewundert sie das Grün überall herum. Schnell zieht sie Vergleiche zu ihrer Heimat, ist angetan von der sauberen Umwelt und dem Bemühen um alternative Energien: "Es ist alles so perfekt hier." Die Disziplin und Pünktlichkeit der Deutschen beeindruckt Sehar Abbas. Auch den Sommerkurs lobt sie in den höchsten Tönen: "Ich kann mich über die europäische wie auch deutsche Kultur informieren, über Politik, über den Lebensstil." Das Zusammenleben mit den anderen Teilnehmern aus verschiedenen Nationen bereichert sie. In der Nordsee Akademie fühlt sich die Asiatin sehr wohl: "Es ist wie in einem Fünf-Sterne-Hotel." Das Essen schmeckt ihr ausgezeichnet, auch wenn es nicht so stark gewürzt wie in ihrer Heimat ist. "Ich werde wohl ein wenig Gewicht zunehmen", schmunzelt Sehar Abbas.

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