Marathonläufer aus Niebüll : Von Niebüll nach New York

Eine Herausforderung: die 70-Meter Steigung der 1964 eingeweihten Verrazano-Narrows-Bridge.
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Eine Herausforderung: die 70-Meter Steigung der 1964 eingeweihten Verrazano-Narrows-Bridge.

Der Läufer André Spaude startete für den TSV Rotweiß Niebüll beim City-Marathon

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09. Dezember 2014, 05:00 Uhr

November in der Weltmetropole New York: Die Bedingungen sind alles andere als ideal. Sechs Grad Celsius, dazu ein starker Wind, der mit 31 Meilen, in Böen mit 45 Meilen pro Stunde unterwegs ist. Und dennoch: 50 860 Läufer warten ungeduldig am Start des New York City-Marathon auf das „Go“. 50 530 von ihnen werden schließlich das Ziel erreichen. Unter den 1309 aus Deutschland startenden Männern ist auch André Spaude (35) aus Niebüll. Er geht für den TSV Rotweiß an den Start – aber auf eigene Rechnung. Gebucht hat er seinen Platz über einen Reiseveranstalter in Süddeutschland, der über ein Kontingent von 300 begehrten Plätzen verfügt. Einen sichert sich André Spaude. „Ich habe Glück gehabt“, sagt er. Einzelstarter müssen als Qualifikation eine Zeit von 2 Stunden 55 Minuten vorweisen können. „Sie wollen nur die Besten haben.“ Es ist sein erster Aufenthalt in den Vereinigten Staaten. André Spaude reist fünf Tage vorher an, nimmt an einer Infoveranstaltung teil. Doch er lässt sich auch viel Zeit für eine Sightseeing-Tour: Freiheitsstatue, Empire State-Building, Times Square, Ground Zero. „Das hat mich am meisten bewegt und beeindruckt“, gesteht er.

Dann ist es soweit. Der Kanonenschuss zur 28. Auflage des New York City-Marathon, abgegeben durch Bürgermeister Bill de Blasio, fällt. Gestartet wird zu Frank Sinatras „New York, New Your“, in fünf Wellen. Die Läufer sind, je nach ihrem Leistungsvermögen in verschiedene Gruppen und nach Farben unterteilt. „Den Anfang machen die Handbiker sowie die Elite-Frauen und -Männer.“ Um 10.05 Uhr ist André Spaude an der Reihe. 42,195 Kilometer durch fünf Stadtteile liegen vor ihm. Die Kulisse ist gewaltig. „Etwa 1,5 Millionen Zuschauer säumen die Laufstrecke“, berichtet er. Der heftige Wind und die Kälte machen den Läufern zu schaffen. Einige setzen sich zwischendurch auf den Boden, eingehüllt in Regenponchos, die sie zuvor bekommen haben. Unterstellmöglichkeiten sind nicht vorgesehen. André Spaude läuft weiter. Die ersten 13 Kilometer sprintet er. „Um aus dem Wind zu kommen“, sagt er. Als er die Verrazano-Narrows-Bridge, Länge 4176 Meter, in Staten Island erreicht, ist sie – zuvor wegen des Windes gesperrt – schon wieder freigegeben.

„Die bis auf 70 Meter ansteigende Strecke ist die größte Herausforderung. Vielen der Läufer macht auch der ’Abstieg’ zu schaffen. Das geht auf die Gelenke.“ André Spaude ist durchtrainiert und hat Erfahrungen gesammelt. „Ich laufe drei Mal wöchentlich meine sieben bis zehn Kilometer und einmal im Monat 30 Kilometer.“ Angefangen hat alles vor 20 Jahren. 1996 nimmt er erstmals an dem Stadtlauf in Niebüll teil. Damals beträgt die Strecke noch 3,2 Kilometer. 1998 wird er Kreismeister in der Sparte männliche Jugend A. Seit 2008 läuft er für den TSV Rotweiß Niebüll. 2010, 2011 und 2012 startet er beim Marathon in Hamburg, es folgen Palma, Berlin und Kopenhagen. Inzwischen füllen seine Startnummern und Urkunden die Seiten eines dicken Ordners.

Und nun ist New York City an der Reihe. Kraft schöpft der Niebüller aus kleinen Riegeln. Seine Wegzehrung besteht aus den Energie- und Power-Bars. Sie enthalten unter anderem Koffein und Mineralien. Er hält sie in den Händen, nimmt zwischendurch an den Verpflegungsstationen hin und wieder eine Banane und Wasser mit. Um sich nicht zu verschlucken, geht er beim Trinken ein paar Schritte. Besonders beeindruckt ihn Brooklyn. „Alle 90 Meter läuft man über eine Kreuzung.“ An der gesamten Laufstrecke herrscht Volksfeststimmung mit viel Musik und Zuschauer-Massen. „Sie stehen überall – mit Ausnahme auf den Brücken natürlich, haben uns angefeuert wie Stars, mitgefiebert. Kinder strecken ihre Hände nach den Läufern aus, nirgendwo sieht man soviele Nationen vereint.“ Weiter geht es durch die Bronx und Queens.

Nach 4 Stunden, 6 Minuten und 23 Sekunden ist es geschafft. André Spaude passiert die Ziellinie. Zielfotos, Medaillen-Empfang – und dann will der unterkühlte Läufer nur noch ausruhen. „Nach so einer Strapaze ist man sichtlich kaputt.“ Und doch hat es sich gelohnt. „Für mich ist ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen.“ Sein Ziel für die Zukunft? „Das Erlebnis steht für mich im Vordergrund, nicht die Bestzeit. Ich achte auf meine Gesundheit, möchte gerne bis ins hohe Alter laufen und mich nicht schon jetzt verausgaben.“

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