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25 Jahre „Haallicht“ : Von Musen und Schweinehunden

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Theater-Ensemble begeisterte sein Premierenpublikum mit einem pointenreichen Stück und hervorragendem Spiel.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 10:30 Uhr

Die vor 25 Jahren von Broder-Melf Ketelsen als Einrichtung der damaligen Abendvolkshochschule (heute: Volkshochschule) Leck gegründete Bühne „Haallicht“ führte anlässlich ihres Jubiläums die fantasievolle Komödie „Musenkuss und Schweinehund“ von Peter Schottke auf. Die Premiere fand – in Anwesenheit des eigens aus Brandenburg angereisten Autors und einer Reihe von Ehrengästen aus dem Raume Leck – im voll besetzten Leck-Huus statt.

Karl Werner, Leiter der VHS Leck, dankte vorab den Spielerinnen und Spielern sowie den hinter der Bühne mitwirkenden Mitgliedern der Theatergruppe für ihr ausdauerndes Engagement und die dadurch erreichten Erfolge. Namentlich hervor hob er dabei Rainer Schössler, der schon dem Gründungsensemble als Spieler angehörte, vier Jahre später die Leitung der Gruppe übernahm und dieser auch dann noch bis heute die Treue hielt, als es ihn beruflich in die Nähe von Schleswig verschlug. Stellvertretend für alle übrigen Spieler dankte er Joachim Wiebecke, der ebenfalls dem Ensemble seit 25 Jahren angehört.

Als der Vorhang sich geöffnet hatte, gab er den Blick auf das Arbeitszimmer des von Joachim Wiebecke gespielten Schriftstellers Roland Drabke (Künstlername: Roger van Draken) frei. Der Raum spiegelt den seelischen Konflikt des Schreibers von billigen Gruselromanen wider. Dem auf literarischen Eifer hinweisenden, elektronisch modern ausgestatteten Arbeitsplatz gegenüber räkeln sich – umgeben von leeren Bierdosen – der Autor und sein personifizierter innerer Schweinehund (Jörg Ingwersen) faul auf dem Sofa: ein Indiz für reichlich eingelegte Arbeitspausen.

Der Schweinehund blockiert seit langem den Drang des Autors, nicht nur seinen eingegangenen Pflichten nachzukommen, sondern darüber hinaus auch endlich mal einen literarisch hochwertigen Roman zu verfassen. Zur Aktivität angetrieben wird Roland Drabke von seinem spürbar gestressten Literaturagenten (Rainer Schössler), der ihm eine mehrteilige Fernsehserie in Aussicht stellt, dafür jedoch ständig neue Arbeitsergebnisse einfordert. Auch die stets umfassend informierte Reinigungsfachkraft (Simone Born), eine wahre Quasselstrippe, treibt den Autor ständig zur Aktivität an, solange der Schweinehund nicht auch sie gähnend ausbremst.

Neuen Schwung in die Geschichte bringt der Auftritt der sehr engagierten Muse (Silke Lehmann), die sich mit Erfolg bemüht, dem Schriftsteller durch zahlreiche leidenschaftliche Küsse zu neuen Ideen und Leistungsschüben zu verhelfen. Dabei beginnen die erdachten Figuren ein Eigenleben zu entwickeln, was das Theater auf den zwei Ebenen der Realität und Fantasie vervollkommnet. Da die echten und die nur erdachten Personen sich gegenseitig zwar hören, nicht aber sehen können, lösen ihre Gespräche häufige Missverständnisse und komische Pointen aus. Eingeblendete, zur jeweiligen Situation passende Musik gruseliger oder romantischer Art steigern die Effektivität der Dialoge.

Zunächst völlig in der Luft hängt die neue Liebe (Christina Mecke) des Schriftstellers, die sich eine ehrliche, aufrichtige Beziehung wünscht, selbst aber das Geheimnis mit sich herumträgt, als Domina gearbeitet zu haben. Dass es dennoch zum Happy End kommt, liegt unter anderem auch daran, dass die fiktiven Beeinflusser der Handlungsträger, Muse und Schweinehund, der Anregung folgen, das Gerangel um Aktivität oder Müßiggang zu beenden. Sie tun sich zusammen und gründen eine Firma, deren Arbeit darauf abzielt, „Beratung und Anleitung in allen künstlerischen Fragen“ zu leisten. Werbeslogan: „Finden Sie mit uns Ihre künstlerische Mitte!“. Der Glaube an den „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ wird am Ende belohnt. Wie dies geschieht, wird noch nicht verraten.

Alle Darstellerinnen und Darsteller füllten ihre Rollen ausnahmslos hervorragend aus, weshalb das Publikum ihnen lautstarken und lange anhaltenden Schlussapplaus spendete. Dieser galt auch der Souffleuse Karin Wiebecke, dem für die Bühnentechnik verantwortlichen Dirk Möller und der Maskenbildnerin und Visagistin Uxia Jessen. Allen an der Gestaltung des vergnüglichen Theaterabends Beteiligten überreichten Bürgermeister Rüdiger Langbehn im Namen der Gemeinde Leck und Carin Palm im Auftrage des gastgebenden Vereins Leck-Huus je einen Blumenstrauß.

Die nächsten Aufführungen erfolgen am 10.,12., 20. und 25. November im „Leck-Huus“ und am 27. November im Restaurant „Urspann“ in Schafflund.


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