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Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 20:48 Uhr

Pro Musica : Von Glasunow bis Beethoven

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Hochschulorchester Flensburg bildete den Auftakt in die neue Saison des Vereins „Pro Musica“

Das 65 Instrumentalisten umfassende Hochschulorchester Flensburg unter der Leitung von Dr. Theo Saye hat in der Niebüller Stadthalle das diesjährige Konzertprogramm des Vereins „Pro Musica Niebüll“ eröffnet. Als Solist des Abends trat Karsten Dalsgaard Madsen (Violine), ein Schüler des berühmten Geigers Christian Ferras, virtuos in Erscheinung. Er gehört als „alternierender erster Konzertmeister“ dem Sønderjyllands Symfoniorkester an. Als Vorsitzender des gastgebenden Vereins begrüßte Volker Scheibe Mitwirkende und Zuhörer zu einem „klangvollen Musikgenuss“.

In seiner bekanntermaßen informativen, zugleich aber auch mit viel Humor gespickten Weise führte Dr. Saye selbst durch das Programm. Dieses begann mit der „Ouverture solonnelle op. 73“ von Alexander Glasunow (1865 – 1936).
Die klar strukturierte Festouvertüre weist viele Züge einer an der Folklore orientierten Musik auf, wie das „Mächtige Häuflein“ um Mussorgski und Borodin sie pflegte, zeigt sich andererseits aber auch den damaligen westlichen Strömungen in der russischen Musik durchaus aufgeschlossen. Des Weiteren wurde beim Hören des Werkes deutlich, weshalb Glasunow von Experten als „exzellenter Anwender des Kontrapunktes“ und überaus einfallsreich instrumentierender Künstler gewürdigt wird. Streicher und Bläser bildeten gut besetzte, ausgewogen agierende Klangregister. All dies machte die Aufführung des selten zu hörenden Werkes zu einem freudigen Erlebnis.

Es folgte das „Violinkonzert op. 33“ des international bekanntesten klassischen Komponisten Dänemarks, Carl Nielsen (1865 - 1931). Die mit der Spätromantik liebäugelnde Komposition, die aber dennoch immer wieder mal durch experimentelle Überraschungen harmonischer oder melodiöser Art verblüfft, wies zum Beispiel in Form des eingeschobenen Themas „B-A-C-H“ auch eine Hommage für Johann Sebastian Bach auf. Das klangschöne, leicht eingängige Werk bot dem Solisten viele Möglichkeiten, beim Publikum in nachhaltig guter Erinnerung zu bleiben. Dazu zählen die zu Herzen gehend melancholisch anmutenden Passagen der beiden langsamen Sätze, die wie Vorspiele zu den unmittelbar folgenden schnellen Kompositionen wirken. Ganz besonders aber auch zwei extrem rasante, spieltechnisch ungemein schwierige Solokadenzen, die ein schon geradezu zirzensisches Können des Violonisten erfordern. Karsten Dalsgaard Madsen meisterte seine anspruchsvollen Aufgaben ausnahmslos mit Bravour und wurde dafür am Ende zu Recht gebührend bejubelt.

Den Abschluss des Konzertes bildete die in den Jahren 1803/1804 entstandene „Sinfonie Es-Dur op. 55“ von Ludwig van Beethoven, genannt „Eroica“. Sie stellt einen historischen Wendepunkt in Beethovens sinfonischem Schaffen und zugleich ein Paradebeispiel für den Einzug heroischer Themen in die Musik der Klassik dar. Dass sich das Leben und militärische Wirken des Napoleon Bonaparte auf die Gedanken des Komponisten maßgeblich auswirkte, dürfte als gesichert gelten. Dass Beethoven dagegen vor Wut das Titelblatt der Sinfonie zerriss, als er von dessen selbst inszenierter Krönung zum Kaiser erfuhr, darf durchaus angezweifelt werden. Beethoven setzte die Bausteine seiner Themen auf immer neue Weise wieder zusammen, sorgte aber auch für reizvolle Dialoge zischen den Streichern und Bläsern. Besonders die Fraktion der Holzbläser wurde mit vielen brillanten Passagen bedacht. Als besonders eindrucksvoll erwies sich der mit „Marcia funebre“ („Trauermarsch“) bezeichnete zweite Satz, dessen melancholisches Thema am Ende auf seltsame Art zerbröselt.

Ein zeitgenössischer Kritiker wertete eine im Jahre 1805 erfolgte Aufführung der Eroica als „sehr weit ausgeführte, kühne und wilde Phantasie.“ Dem ist noch heute beizupflichten.

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