zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 00:32 Uhr

Von der Mergelkuhle zum Naturbad

vom

Wo einst Naturdünger abgebaut wurde, tummeln sich heute zahlreiche badewillige Urlaubsgäste und Einheimische

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 03:09 Uhr

LADELUND | Das "Naturbad Ladelund", das nicht zuletzt auch durch seine idyllische Lage alljährlich Tausende von Schwimm- und Badefreunden anlockt, verdankt seine Existenz in letzter Konsequenz der Kargheit des Heidebodens, der sein Areal und dessen Umgebung einst bedeckte. Denn um dessen Fruchtbarkeit zu verbessern, wurden nördlich des "Ladelunder Berges" (31,6 Meter über dem Meeresspiegel) in den Jahren vom 1906 bis 1927 insgesamt 750 000 Kubikmeter Mergel gegraben und als natürliches Düngemittel auf dem Schienenwege per Loren auf verschiedene Heideflächen der Schleswigschen Geest verbracht. Durch die Mergel-Förderung entstanden drei riesige Schächte, die sich mit Wasser füllten und somit Seen bildeten, deren Wasser sich durch unterirdische Quellen und Abflüsse ständig erneuert.

Da Kinder gerne im Freien baden, suchten sie schon damals gerne den östlichsten der drei Seen auf, wobei sie den Gefahren der ungesicherten Badestelle ausgesetzt waren. "Eltern konnten deshalb ihren Kindern nur mit schlechtem Gewissen erlauben, sich am und im Badesee zu tummeln. Davon wusste Altbürgermeister Andreas Oechsle, Amtsvorgänger seines Sohnes Manfred, zu berichten, als 1968 die Klasse R9 des "Aufbauzuges" der damaligen Dörfergemeinschaftsschule Ladelund ihn aufsuchte und dessen Auskünfte auf Tonband festhielt. Aus dem noch gut erhaltenen Tonträger geht hervor, dass bereits 1927, als das neue Schulgebäude eingeweiht wurde, der dringende Wunsch bestand, am Mergelsee eine sichere Bademöglichkeit einzurichten. Vermutlich aus finanziellen Gründen zerschlug sich das Vorhaben jedoch.

Um das Jahr 1936 wollte man die in Ladelund untergebrachten Männer des Reichsarbeitsdienstes zum Bau eines Freibades einsetzen. Dies aber wurde durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges verhindert. Nach dem Krieg, im Jahre 1947, wollte der Turn- und Sportverein Ladelund für die Ladelunder Einwohner in Eigenleistung eine Badeanstalt mit Türmen und Startrampen aus Holz errichten. Er scheiterte jedoch daran, dass die Besatzungsmacht ihm den erforderlichen Holzschein verweigerte. Erfolgreich war erst der vierte Anlauf, gestartet im Rahmen des "Programms Nord". Schon im Verlaufe der ersten Sitzung der Teilnehmer fassten diese den Beschluss, für die Ladelunder Einwohner ein modernes Schwimmbad mit allem erforderlichem Zubehör zu schaffen. Nachdem der Plan unverzüglich aufgegriffen worden war, konnte der leitende Architekt A. Johannsen (Leck) im Jahre 1960 dem damaligen Bürgermeister C. Ebsen den Schlüssel zur fertig gestellten Anlage überreichen.

Der Chronik des Sportvereins ist zu entnehmen, dass dies Ereignis im gesamten Landesteil Schleswig Aufsehen erregte und die Kieler Nachrichten meldeten: "Das Schwimmbad Ladelund ist ein typisches Beispiel dafür, was eine Handvoll Männer vermag, die sich ein Herz für die Jugend bewahrt hat." Zu der angesprochenen Gruppe zählte auch der Konrektor und Vorsitzende des TSV Ladelund, Heinrich Eichhorn, der in allen Bereichen des örtlichen Dorflebens markante Spuren hinterlassen hat.

Die Festlegung auf den Namen "Naturbad Ladelund" erfolgte auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Andreas Oechsle.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen