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Manfred Degen in Galmsbüll : Von Cabriofahrern und Kröpfen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

110 Gäste aus den Kögen erlebten im Landjugendheim den scharfzüngigen Kabarettisten Manfred Degen in Höchstform.

Manfred Degen, Komiker, Kabarettist und Bürger der „Goldstaubinsel“, wie er seine Wahlheimat Sylt seit 1971 nennt, ließ es wieder einmal krachen. Dieses Mal in der Weite der Koogslandschaft nahe St. Gallus, der kleinen aber feinen Kirche mit dem spitzen Turm. Dorthin hatte ihn Carola Körner, Chefin des Kulturausschusses der Gemeinde, mithilfe des Niebüllers Ronald Steiner gelockt. Das sollte sich lohnen, nicht nur weil 110 neugierige Kooger für ein ausverkauftes Landjugendheim sorgten, sondern weil der Degen Teile seines Programms mit etlichen Aktualitäten aufgemotzt hatte, wie Insider schnell entdeckten.

Man weiß, dass dem Mitsechziger nichts entgeht und dass die Insel immer etwas zu bieten hat. Degen ist, wie seine Karriere verrät, ein guter Beobachter. Er hat Mutterwitz, weiß eloquent zu formulieren und seine „Botschaften an das Volk“ mit Kalauern zu würzen. Allgegenwärtige Themen spielen sich immer wieder bei der Bahn ab, der Degen beruflich als Schalterbeamter entstammt und bekannt ist für seine unterhaltsame Kommunikation mit der Warteschlange vor seinem Fahrkartenschalter, an dem sich übrigens auch sein humoristisches Talent offenbarte.

Doch zurück zur Gegenwart, in der sich „ein neuer Verkehrsträger mit Namen RDC in das Nadelöhr zwischen Westerland und Niebüll hineindrängt und von dem man längst sagt, er sei überflüssig wie ein Kropf“. Degen beobachtete einen „Cabriolisten“, der auf dem Oberdeck des Autozugs ungeachtet nordfriesischen Wetters oben ohne fuhr und dafür feucht bestraft wurde. Als nervig schilderte der Kabarettist die Auto-Warteschlange vor dem Bahnhof Westerland, die zurück bis vor seine Haustür reichte – und an der Passagiere klingelten, die entweder dringend einmal auf die Toilette mussten, das Handy aufladen wollten oder um Wasser für den Hund baten. Aus dem nahen Königreich besang Degen dessen Rote Grütze, outete sich als einziger Friese, der sich mit Dolly Buster duzte und gab Kostproben seiner internationalen Sprachkenntnisse.

„Allemallachen“, sagt der arabische Fotograf vorm Gruppenbild, „kankaumkauen“, die betagte chinesische Oma oder „ der is lam“, ein Araber, der einen Rollator-Fahrer sieht. Zuweilen taucht Degen auch mal unter die Gürtellinie ab, um sich danach dem Segen und Fluch des Wetters zu widmen oder von einer seiner Kreuzfahrten in Fernost zu erzählen, um schnell wieder auf seiner geliebten Insel zu sein, auf der die Häuser von Friesenwällen umgeben sind, „die Panzersperren in der Ukraine ähneln“.

Schnellschüsse waren den Morsumern gewidmet, die Degen gerne auf die Schippe nimmt, auch Mitbürgern mit einem Porzellansyndrom (die nicht alle Tassen im Schrank haben) oder gar Typen, die Leuten ähneln wie „Körperwelten auf Betriebsausflug“. Mit der Schilderung, was in einer Samstagnacht alles passieren kann, mit Erinnerungen an die Jugend und Zeit der Entdeckung des Weibes sowie einer Hymne auf den Grünkohl rundete Manfred Degen einen unterhaltsamen Abend ab, wie ihn die Koogsgemeinde Galmsbüll nicht alle Tage erlebt.

„Er kommt bald wieder“, kündigte Carola Körner an – zwischen dem Oktoberfest und dem 1. Advent.

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erstellt am 14.Mär.2016 | 05:45 Uhr

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