zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

16. August 2017 | 23:50 Uhr

Von Birkenbier und Hexenbesen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Birke ist der Baum des Erstfrühlings – warum ihr weißer Stamm sie schützt und wie Saft, Rinde und Blätter Menschen von Nutzen sein können

Der Frühlingsbaum schlechthin ist die Birke. Sie wird in vielen Kulturen als ein Symbol der Jugend gesehen. Die weiße Farbe der Rinde und der frühe Blattaustrieb galten als Zeichen der jungfräulichen Göttin und so wurden in vielen Gegenden im Frühling junge Birkenzweige an die Türen von Häusern gesteckt in denen jugendliche Mädchen wohnten.

Aber warum ist der Birkenstamm eigentlich weiß? Die weiße Farbe ist schlicht und ergreifend ein natürlicher Frostschutzanstrich, der genau den gleichen Zweck erfüllt wie der Kalkanstrich, den man an jüngeren Obstbäumen verwendet, um im Frühling Frostrisse zu vermeiden. Wenn es nachts noch kalt ist, die Sonne tagsüber aber schon viel Kraft hat, kann es passieren, dass der Temperaturunterschied zwischen im Schatten liegenden und dadurch gefrorenen Stammteilen und solchen, die von der Sonne bereits auf Plustemperaturen erwärmt wurden, zu tiefen Rissen in der Rinde führt. Wie wir wissen, erwärmen sich weiße Oberflächen in der Sonne nicht so stark wie dunkle, also wird der Temperaturunterschied durch einen weißen Anstrich oder eben die natürliche weiße Rindenfarbe verkleinert und somit das Platzen der Rinde verhindert.

Da die Birke zu den Frühstartern unter den Bäume gehört und bereits mit der Saftproduktion beginnt, sobald es tagsüber wenige Grad über Null ist, wäre die Spannung in ihrer Rinde besonders groß. Diese frühe Saftproduktion kann man, wenn man eine eigene Birke besitzt, nutzen um das gesunde Birkenwasser abzuzapfen. Dazu schneidet man einen ungefähr fingerdicken Zweig im unteren Bereich des Baumes mit der Rosenschere ab und bindet einen Plastikbeutel darüber, so dass der austretende Saft aufgefangen wird. Am besten geschieht das, wenn es nachts friert und tagsüber die Sonne scheint und die Temperatur dadurch deutlich in den Plusbereich steigt, dann ist der Saftfluss am stärksten. Die Birke hat aber noch viele weitere Qualitäten. Der weiße Rindenfarbstoff wirkt bakterientötend und wundheilend, die jungen Blätter lassen sich zu Tee, Spinat, Birkenbier und Gelee verarbeiten. Leider ist der Birkenpollen stark allergieauslösend und man sollte sich sicher sein, Birkenpollen wirklich zu vertragen, bevor man sich den hübschen Baum in den Garten holt.

An den Boden ist die Birke recht anspruchslos, nassen verdichteten Kleiboden mag sie allerdings nicht gerne und sollte in der Marsch deswegen auf leicht erhöhte, mit Sand verbesserte Standorte gepflanzt werden. Sie hat einen breiten, nicht besonders tiefgehenden Wurzelteller, der reichlich Platz zum Ausbreiten braucht wenn man möchte, dass der Baum später sturmfest steht. Der flache Wurzelteller führt dazu, dass der Boden im Bereich unter den Bäumen ziemlich ausgelaugt wird und nicht gerade der ideale Standort für Blumen- oder Gemüsebeete ist. Mitten auf einer großzügigen Rasenfläche ist eine einzelne Hängebirke aber ein schöner duftender Schattenspender, dessen Laub auch im Sommer so licht ist, dass man problemlos halbschattenverträgliche Pflanzen in Terrakottakübeln darunter platzieren kann. Für kleine Gärten ist die Birke allerdings eher nicht geeignet.
Wegen ihres frühen Saftflusses sollten nötige Schnittarbeiten an Birken besser im Spätsommer geschehen, um den Baum nicht durch größere Saftverluste zu schwächen. Regelmäßiger Schnitt wird allerdings nicht vertragen!

Aus Birkenschnittgut kann man übrigens gut Besen binden. Apropos Besen: In manchen Birken sieht man die sogenannten „Hexenbesen“, dichte „Puschel“ aus hunderten kleiner Zweige. Die Ursache davon ist keineswegs Magie, sondern ein Virus, das dazu führt, dass an einer Stelle alle schlafenden Augen gleichzeitig austreiben. Da es ansteckend ist, findet man oft an mehreren Birken eines Standortes Hexenbesen in den Kronen. Der Befall schadet den Bäumen allerdings nicht ernsthaft. Die „Puschel“ sollen übrigens Glück bringen.



zur Startseite

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 13:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen