Klezmer-Klänge : Von ausgelassen bis tieftraurig

Die Gruppe Yxalag verbindet Klezmerklänge mit Modernem.
Die Gruppe Yxalag verbindet Klezmerklänge mit Modernem.

Das Ensemble „Yxalag“ bot hochvirtuose Musik gepaart mit ansteckender Spielfreude in der Niebüller Christuskirche.

shz.de von
17. Juli 2015, 10:00 Uhr

Ein mitreißendes, nachhaltig beeindruckendes Konzert bot die Gruppe „Yxalag“ in der Niebüller Christuskirche. Die Gruppe besteht aus jungen, hochvirtuosen Instrumentalisten, die sich ganz der Pflege und Weiterentwicklung des Klezmer verschrieben hat und sich selbst als „filfarbike Mishpokhe“ (bunte Familie) bezeichnet. Das Ensemble ist klassisch ausgebildet und auch in der Unterhaltungsbranche erfahren – was auch das Publikum in Niebüll erleben durfte.

Die dargebotene Musik basierte auf dem traditionellen Klezmer, jener osteuropäischen, „jiddischen“ Volksmusik, wie sie früher zur Begleitung von Hochzeiten und Festen unterschiedlichster Art gespielt wurde und alle Stimmungen – von ausgelassenster Freude und wilder Ekstase bis zu tiefster Traurigkeit – zum Ausdruck bringen kann. Yxalag, „der „Kranich, der nirgendwo halt macht“, ließ es aber nicht bei den überlieferten Klangmustern bewenden, sondern ergänzte sie durch stilistische Besonderheiten, die in origineller Weise Elemente der Klassik, des Jazz, der Barockmusik und der modernen Kunstmusik umfassten. Auffällig war der ausgeprägte Hang der Instrumentalisten zum – zumeist swingenden – Improvisieren, das alle Akteure spieltechnisch und musikalisch perfekt beherrschen.

Häufige Tonartwechsel, genüsslich zelebrierte Glissandi und abrupte oder gleitende Sprünge von einer Stimmung in eine andere ereigneten sich nicht selten, sogar innerhalb einer einzigen Komposition. Das besonders frisch aufspielende Ensemble erstaunte seine Zuhörer auch durch ein Stück mit dem Titel „Koloswag“, in dem „krauseste“ Taktarten, abenteuerlich vermischt, auftraten und dennoch den Eindruck der Zusammengehörigkeit vermittelten, als handele sich um einen leichtfüßigen Tanz.

Alle Musiker nutzten ihre häufigen Solopassagen, ihr Können überzeugend zu präsentieren. Letzteres gilt nicht nur für die Spieler der üblichen Melodie-Instrumente, sondern auch für die Posaune und den Kontrabass. Die gesanglichen Darbietungen reichten vom Solo bis zum a cappella durchgeführten Chorsatz. Beim melancholischen Lied „Donna Donna“ und dem fröhlich interpretierten Satz „Hopp-hopp-hopp“ wurde auch das Publikum ins musikalische Geschehen einbezogen.

Als besonders interessant erwies die eingestreute Komposition „Some Bach“, bei der die Bassklarinette und der Kontrabass in barocker Manier über einem als Orgelton wirkenden Bordun ein nachdenklich stimmendes Duett gestalteten. Völlig anders wirkten der musikalische Einblick in eine ausgelassen-fröhlich gefeierte Goldene Hochzeit. „Türkis“, eine Hommage an das mediterane Leben, und „Louis“, ein alle musikalischen Grenzen überschreitender Folksong für improvisierende Bassklarinette, zählten zu weiteren „Rosinen“ im Programm. Am Ende der regulären Darbietungen kam der alte russische Schlager „Schwarze Augen“ noch auf verschiedene musikalische Weisen zu seinem Recht.

Das Publikum bedankte sich mit viel Beifall für die erlebte musikalische Vielfalt und Spielfreude. Der lautstarke Applaus veranlasste das Ensemble Yxalag, noch mit zwei Zugaben aufzuwarten, bevor es – mit dem Lied „Hevenu Shalom Alechem“ auf den Lippen – langsamen Schrittes aus dem Kirchenschiff auszog.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen