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Klassische Musik : Von anrührend bis geheimnisvoll

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Seine Freude an der Musik und besondere Vorliebe für den Gesang teilte das Vokalensemble „Consonare“ mit seinem Ladelunder Publikum

„Wenn der Abend länger wird,“ so lautete das Generalthema eines ohne Instrumentalbegleitung gesungen Chorkonzertes. Dargeboten wurde es von „Consonare“ (Zusammenklingen), einem in Dresden beheimateten Vokalensemble, in der Ladelunder St. Petri-Kirche. Die von Annette Borck geleitete Gesangsgruppe besteht aus sieben Sängerinnen (einschließlich der Dirigentin) und vier Sängern und ist Mitglied im „Verband deutscher Konzertchöre“.

Nach dem Einzug der Vokalisten ins Kirchenschiff eröffneten sie ihr Programm mit dem von Heinrich Schütz geschriebenen Chorsatz „Freut euch des Herrn“, dessen Text sich stark an den Psalm 33 anlehnt. Sodann hieß Pastor Hans-Joachim Stuck die Gäste und deren Zuhörer willkommen. Letzteren teilte er mit, „Consonare“ sei ein vor knapp 25 Jahren gegründetes, international erfahrenes Ensemble, in dem sich „Menschen zusammenfinden, die Freude an der Musik und eine besondere Vorliebe für den Gesang haben.“

Die fachkundige Moderation des abwechslungsreichen Programms übernahm sodann die Dirigentin selbst. Dabei erläuterte Annette Borck zunächst den ersten Block der Darbietungen. Er bestand aus drei Chorsätzen, die im 20. Jahrhundert entstanden: „Dich, Schöpfer, lobt die ganze Welt“ von Johannes Petzold, „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser“, eine Motette von Hugo Distler, und „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, ein von Dietrich Bonhoeffer verfasstes und von Otto Abel vertontes Gebet. Beim Hören der anspruchsvollen Sätze fiel auf, das „Consonare“ sie gesangstechnisch in einer Weise interpretierte, die sich von der eines „normalen“ Kirchenchores deutlich unterschied. Wurden doch die gesungenen Texte ihrem Sprachrhythmus entsprechend diesem extrem genau angepasst, was ihrer sprachlichen Verständlichkeit zugute kam, andererseits aber den Tonfluss ein wenig ausbremste. Diese Singweise geht auf die Zeit der Renaissance zurück, als die Chöre in großen Kirchen die Akkorde rhythmisch akzentuierten, um sie sich im Hall der Raumakustik voll entfalten zu lassen. Letzteres war in der Ladelunder Kirche mit ihrer knochentrockenen Akustik nicht möglich.

Eine Folge von Sätzen mit „Alter Musik“ begann mit dem fröhlichen Madrigal „Kommt, ihr G’spielen“, gefolgt von einer Aufforderung an die Damen, sich tänzerisch angemessen fortzubilden und dem frühbarocken Volkslied „Nun laube, Lindlein, laube“. Bei letzterem lag die Leitstimme im Tenor, der vom Sopran und Bass begleitet wurde. Als eine besondere Glanzleistung erwies sich der Vortrag der „Aria di Giovannini“ von Johann Sebastian Bach, in anrührender Weise gesungen von Annette Borck und ergänzt durch drei Männerstimmen, die den cantus firmus mit swingenden Tonsilben begleiteten. Mit drei Volksliedern, bearbeitet von Max Reger, wurde das Programm romantisch fortgesetzt: „Gruß“, „Hochzeitslied“ und „Untreue“. Nach dem fröhlich-beschwingten Lied über „Schefelhölzle“ wartete der Chor mit dem harmonisch komplizierten Kanon „Wenn der Schwergedrückte klagt“ von Arnold Schönberg auf, dem „Wanderers Nachtlied“, ein von Christian Lahusen vertontes Gedicht von Goethe, folgte. Mit Sonderbeifall bedacht wurde der von Paul Cadow geheimnisvoll gestaltete Chorsatz „Im Dunklen ist gut munkeln“. Nach Danksagungen des Pastors für das vielschichtige Konzert und der Chorleiterin für aufmerksames Zuhören beendete „Consonare“ seine Darbietungen mit dem englischen Madrigal „Rest, sweet Nymphs“ als „Ständchen zur guten Nacht“.

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erstellt am 02.Sep.2015 | 05:00 Uhr

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