zur Navigation springen

Pläne für den Zugverkehr : Von A nach B mit Wasserstoff?

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll informierte über die Nutzung CO2-armer Technologien beim Schienenverkehr.

von
erstellt am 12.Mär.2016 | 05:00 Uhr

„Wir müssen sehen, dass wir in die Puschen kommen!“ Mit diesen Worten mahnte Reinhard Christiansen, Geschäftsführer der Ellhöfter Grenzstrom Vindtved GmbH, Eile für die „Energiewende auf der Schiene“ an. Spätestens Ende nächsten Jahres könnten nach seinen Worten Züge im Nahverkehr mithilfe von CO2-armer Technologie von A nach B fahren und eine neue Zeit im Schienenverkehr einläuten.

Infrage dafür käme das Niebüller Verkehrsunternehmen Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (neg). In ihrem Neubau in der Rathausstraße fand in Zusammenarbeit mit der IHK Flensburg auch eine Info-Veranstaltung statt, zu der Hausherr Ingo Dewald mehr als 70 Gäste aus Wirtschaft, Verkehr und Politik begrüßte. Kern des Infoabends war ein Vortrag von Michael Ritter, Manager Geschäftsentwicklung beim Hersteller von Schienenfahrzeugen für den Nahverkehr „Alstom“. Er ging der Frage nach, wie ein alternativer Antrieb wie Wasserstoff zur Energiewende auf der Schiene beitragen kann.

„Alstom“ baut Fahrzeuge für den Fern- und Nahverkehr sowie U- und Straßenbahnen. Für kurze Distanzen hat der Hersteller auch den LINT entwickelt, einen „leichten innovativen Nahverkehrstriebwagen“. Ein Modell unter Glas war an dem Info-Abend zu sehen.

Zur Senkung der CO2-Emissionen bestehe weltweiter Konsens. Etliche Verkehrsträger seien bereits CO2-arm aktiv. Im ÖPNV werde der dieselbetriebene Bus vom E-Bus verdrängt, die Eisenbahnen sehen sich alternativ im Zugzwang. Es zeichne sich ein Technologiesprung von der Steinkohle über den Diesel zum Wasserstoff ab, der als Treibstoff interessant wird – allerdings unter bestimmten Bedingungen. Als Herausforderung muss zunächst eine wirtschaftliche Bereitstellung der Wasserstoff-Infrastruktur gesehen werden.

Hier kam der Ellhöfter Windmüller Reinhard Christiansen ins Spiel. Er ließ anklingen, dass man den benötigten Wasserstoff im Wege der Elektrolyse gewinnen könne – und zwar an Umspannstationen wie Gasthafen und Haurup „vorbei“ mithilfe im Netz nicht benötigten Stroms, den wir reichlich zur Verfügung haben.“ Der dort gewonnene flüssige Wasserstoff würde in Tanks abtransportiert und vor Ort unter Zugabe von Sauerstoff in gasförmiges H2 umgewandelt, das in der Brennstoffzelle der Lok für den Betrieb des Motors sorgt. Klingt zwar kompliziert, ist aber so zu verstehen. Die neuartigen Loks sind in der Entwicklung und könnten (Schätzung) Ende 2017 auf die Schiene. Für den Betrieb einer Lok könnte nach Rechnung Christiansens ein kleiner Windpark mit drei 3-MW-Anlagen ausreichen. Somit könnten mit H2 betriebene Loks auf den Strecken Niebüll-Tondern-Esbjerg, Niebüll-Dagebüll und eventuell Niebüll-Flensburg verkehren. Letztere war bekanntlich im Gespräch, weil sie die stark frequentierte Westküstenmagistrale Hamburg-Westerland entlasten würde (wir berichteten).

In vier Bundesländern sind sogenannte LoIs (Absichtserklärungen) für die neue und umweltfreundliche Betriebsart für über 50 Züge unterzeichnet worden: in Hessen, Niedersachsen, NRW und Baden-Württemberg. Schleswig-Holstein ist nicht dabei. Warum eigentlich nicht, fragt Reinhard Christiansen, „wo wir doch Strom im Überfluss erzeugen“. Ob es womöglich an den enormen Kosten liegt, verursacht durch eine Fülle von Gesetzen und Verordnungen? „Wir verkaufen den Strom für sechs Cent. Der Verbraucher zahlt bis zu 28 Cent für die Kilowattstunde.“ Jetzt sei die Politik gefordert, dieser neuen Entwicklung Beine zu machen, hieß nach Ende dieser ebenso interessanten wie nachdenklich machenden Veranstaltung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen