Konzertabend : Vom Zauderer zum Zauberer

Er sagt von sich selbst, fernab von der Bühne sei er ein Zweifler: Im Leck-Huus präsentierte Jon Flemming Olsen jedoch andere Seiten.

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14. August 2018, 06:00 Uhr

Ein breites Lächeln lässt weißen Zähnen genügend Raum und fällt auf, denn ansonsten wirkt der in Jeansstoff gekleidete Mann eher unauffällig. Die offene Freundlichkeit von Jon Flemming Olsen greift förmlich über auf sein 70-köpfiges Publikum im Leck-Huus. Durch sein musikalisches Können, gepaart mit mitreißender Moderation, gewinnt der Liedermacher die Herzen seines Publikums.

Die Band „Texas Lightning“ ist vielen ein Begriff, die Kultserie „Dittsche“ ebenso. Preise und Auszeichnungen auf höchsten Ebenen gab es dafür auch für Jon Flemming Olsen: Er war mittendrin und tanzt als kreatives Multitalent auf mehreren Hochzeiten. Als Schauspieler und Grafikdesigner hat er sich einen Namen gemacht, seine Liebe aber gehört der Musik. Als Sänger, Songwriter und Gitarrist kommt er auf die Bühne des alten Geesthardenhofes.

„Das ist ein tolles Gebäude“, Jan Flemming Olsen, blickt in die Runde und nach oben an die Decke: „Die alten Balken haben schon viele Töne gehört und vertragen sicher noch einige mehr“. Stimmt – der Liedermacher singt in deutscher Sprache. Wenn er sich einiger großer Klassiker wie „Gentle on my mind“ mit Dean Martin bedient, verpasst er diesen Songs einen deutschen Text. Gleich beim nächsten Lied hat Olsen einen Hänger: „Weiß jemand, wie das anfängt?“ Die Zuhörer wissen es nicht, dafür die mitgereiste Freundin: „Dieser Ort….“ Und an diesem Ort, im Leck-Huus, und in ganz Deutschland „befinden wir uns auf der Insel der Glückseligkeit. Es geht uns gut“, führt der Songwriter vor Augen und spannt den Bogen zu „Kein gutes Gefühl“. Hass und Angst im Lande und auf der Welt, von denen er bis 2015 keine Vorstellung gehabt habe, hätten ihn zu diesem Song inspiriert, erzählt er.

Weitab der Bühne sei Olsen eher ein Zögerer, Zauderer und Zweifler, sagt er und startet einen musikalischen Aufruf an sich selber und alle anderen: „Wenn du wirklich willst, dann gib nicht auf!“ Rockig ist der Song á la Queen im Handtaschenformat – bumm, bumm, klatsch.
Der Musiker beeindruckt mit tiefsinnigen Texten, manchmal wollen sie beruhigen, dann wieder aufrütteln. Wieder andere Songs kommen mit textlich erschütternder Einfachheit daher – zumindest im Refrain, den die Zuhörer lauthals mitsingen: „Nee, neee, ja, jaa…“

Das freut den Künstler ebenso wie das rhythmische Mitklatschen. Dann benutzt er die Zuhörer als große lebendige Mundharmonika als Lokomotive bei einem Bahnlied: „Du, du, duuu…“. Schließlich widmet der Liedermacher den ganzen Großkotzen auf der Welt, voran Donald Trump, ein Everybody-Lied über „Karl-Heinz Schmidt“. Herrlich – und die Frauen schmelzen eben nicht dahin!

Jon Flemming Olsen serviert leichte wie auch schwere Kost und glänzt zwischendurch als feinsinniger Entertainer. Als musikalische Begleiter hat er zwei Gitarren, eine Ukulele, eine kleine, 90 Jahre alte Tenor-Gitarre und einen Rhythmus-Ring mitgebracht. Der kommt bei der Walzermelodie zum Einsatz. „Hier neben mir auf der Bühne ist noch Platz. Da könnt ihr eine geschmeidige Tanzsohle aufs Parkett legen“. Man begnügt sich mit einem Sitz-Walzer….

Es ist einer dieser feinen, leiseren Abende im Leck-Huus, fröhlich wie auch nachdenklich. „Es war schön bei Euch. Bleibt mir treu“, ruft der Musiker seinen Fans zu, gibt gern zwei Zugaben und verspricht: „Wenn Ihr mir nachstellt – ich gebe gern ein Autogramm“. Das lassen sich viele nicht zweimal sagen.

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