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Nordfriesland Tageblatt

18. Dezember 2017 | 04:57 Uhr

Musik : Vom Warten auf das Sterben

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die „Nordfriesische Compagney“ widmete sich aus Anlass des 350. Geburtstages von Nicolaus Bruhns den Werken des Komponisten

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2015 | 05:00 Uhr

Anlässlich des 350. Geburtstags des einst in Husum tätig gewesenen Komponisten und Kirchenmusikers Nicolaus Bruhns gab die vom Lecker Kantor Thomas Hansen geleitete „Nordfriesische Compagney“ in der St. Willehadkirche ein nachhaltig beeindruckendes Konzert unter dem Thema „Herr, wie lange?“. Das ganz auf das Warten auf das Sterben und die letzten Dinge ausgerichtete Programm umfasste zwei Kantaten des einzigen in Schleswig-Holstein beheimateten Komponisten von europäischer Bedeutung aus der Zeit des Frühbarocks, denen Werkbeispiele seiner Lehrer und Vorbilder gegenübergestellt wurden. Dem Publikum wurden in mündlicher und schriftlicher Form wichtige Hörperspektiven an die Hand gegeben, die ihnen das mitdenkende Zuhören erleichterten.

Zunächst ließen die – ausnahmslos auf barocken Streich-, Blas- oder Tasteninstrumenten musizierenden und untadelig intonierenden – Instrumentalisten zwei Tänze aus der Epoche der Renaissance erklingen: eine feierliche Pavane und eine ausgelassen-fröhliche Galliarde von William Brade (1560-1630). Diesen folgte eine „Sonata“ von Georg Piscatorius (1610-1652), im Verlaufe derer sich die Instrumentengruppen nach Art von Dialogen gegenseitig die musikalischen „Bälle“ zuwarfen. Bei den nachfolgenden zwei Werken von Heinrich Schütz nutzten die sich einander vorzüglich ergänzenden Sängerinnen und Sänger die Gelegenheit, in unterschiedlichsten Besetzungen ihr solides Können zu demonstrieren. Carola Jäckel und Angela Karde (Sopran), Angie Henschen (Alt), Michael Schwarz (Tenor), Michael Busse (Bariton) und Thomas Hansen (Bass) agierten mal gemeinsam als A-cappella-Chor, der himmlische Klänge verströmte, mal solistisch oder in kleinen Besetzungen zu der vom Generalbass (der Truhenorgel) oder vom Orchester gestalteten Begleitung. Dies geschah teils bei motettenartig durchkomponierten Sätzen wie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ oder bei opernähnlich konzipierten Beiträgen wie: „Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen?“. Aus allen Darbietungen klang das teils sehnsüchtige, teils trotzige Warten auf Erlösung heraus, am Ende aber auch stets die unbändige, von Gottvertrauen zeugende Freude auf die Erfüllung der Wünsche, die in grenzenlosen Jubel einmündet.

Zwei Kantaten von Nicolaus Bruhns schlossen sich an: „Die Zeit meines Abschieds ist gekommen“ und „Ich liege und schlafe“. Beide Werke zeugten von der unerschütterbaren Ruhe eines Sterbenden, der seinen letzten Weg gelassen antritt, weil er sich darauf verlassen kann, dass Gott ihn gnädig aufnehmen wird. Mit einer speziellen, besonders anrührenden Fassung des Gebetes der Maria („Magnificat“) – geschrieben von Thomas Selle, der rund 100 Jahre vor Nicolaus Bruhns lebte und in Schleswig kirchenmusikalisch tätig war – klang das voller Andacht vorgetragene Konzert aus.

Die Zuhörer spendeten – nach einer kurzen Pause – stehend lautstarken Beifall, der nicht nur den – bereits namentlich genannten – Sängerinnen und Sängern sowie ihrem souveränen Leiter (Thomas Hansen) galt, sondern auch allen Instrumentalisten, die ihre Aufgaben mit spürbarer Leidenschaft und solidem Können erfüllt hatten: Kent Pegler von Thun und Elke Holm (Blockföten), Cornelia Kempf und Markus Pertiet (Violinen), Susanne Horn und Thomas Petersen Anraad (Gamben) sowie Thomas Rink (Fagott) und Hartmut Friedel (Truhenorgel).

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