Bürgerinitiative : Vom Schutzgebiet zur Strom-Autobahn?

Die geplante Leitung sorgt in Humptrup für große Diskussionen.
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Die geplante Leitung sorgt in Humptrup für große Diskussionen.

Die Humptruper Bürgerinitiative konnte zahlreiche Unterschriften gegen die geplante Trasse sammeln. Doch wie geht es für die Gemeinde weiter?

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13. Juni 2018, 06:19 Uhr

Humptrup | Aufbruchstimmung am Montagabend im Gemeindehaus Humptrup: Gut 50 Bürger hatten sich auf Einladung der Bürgerinitiative „Keine 380-Kilovolt-Trasse“ getroffen, um Maßnahmen gegen die vom Bund geplante Westküstenleitung durch das nahe gelegene Landschaftsschutzgebiet Wiedingharde und Gotteskoog zu ergreifen.

Die Ironie des Schicksals: Das Gebiet war erst im März 2018 erneut rechtlich abgesichert worden. Doch nun plant der Betreiber Tennet die umstrittene „Stromautobahn“ bis 2021 von Klixbüll westlich von Humptrup durch das Schutzgebiet bis ins dänische Endrup laufen zu lassen. Alternativ könnte die Leitung ebenso östlich von der B 5 verlaufen – doch auch hier gibt es Hindernisse. Insgesamt geben die Tennet-Planer drei Korridore vor.

Die Varianten der Stromtrassen-Führung hatten das Kieler Energiewendeministerium, die Deutsche Umwelthilfe und Tennet vor vier Wochen in Humptrup vorgestellt. Erstes Ziel der spontan gegründeten Initiative war es, Protest-Unterschriften zu sammeln. „Wir sind sehr zufrieden“, so Initiativen-Sprecher Manfred Probstmeyer, „Wir haben binnen einer Woche über 410 Unterschriften gesammelt: 90 Prozent der Humptruper haben unterschrieben.“ Alles wird genau vom Bürgermeister Erich Johannsen überprüft. Er selbst ist insgesamt verhalten optimistisch, was man erreichen kann. „Ich fürchte, der Weg der Trasse durch das Landschaftsschutzgebiet ist für den Betreiber Tennet am einfachsten.“

Die Bürger fordern hingegen, dass die 15 Kilometer lange Leitung mit ihren 60 Meter hohen Masten weiter östlich der B 5 verläuft. Die Trasse würde dort durch vorhandene Windparks führen. „Wir müssen jetzt als Bürger etwas tun, uns auch mit den Dänen zusammentun“, betonte Anwohnerin Edith Lund. „Die nächste Generation der jungen Familien muss damit leben.“ Zudem werde durch die Trasse der Wert der Anwesen und Häuser gemindert. Auch auf dänischer Seite ist noch unklar, wo die Trasse genau entlanggeht.

In der Diskussion wurden mehrere Standpunkte vertreten. Während ein Landwirt eine Erdleitung ablehnte, stimmten andere für eine Leitung im Boden. Diese Forderung habe sich auch anderswo durchgesetzt. Einig war man sich letztlich im Widerstand.

Gemeindevertreter Asmus Thomsen berichtete, dass das Gemeindegremium bereits eine Protestnote nach Kiel geschickt habe, jedoch noch auf Antwort warte. Schwerere Geschütze fuhren die Grundeigentümer auf. „Wir waren bereits in Hamburg, um uns juristisch beraten zu lassen“, teilte ein Sprecher mit. Zunächst wolle man jedoch die Entscheidung beziehungsweise den Beginn des Planfeststellungsverfahren abwarten. „Das Verfahren beginnt erst 2019“, teilte Manfred Probstmeyer mit. „Zuvor wird am 29. August, 18 Uhr, in Niebüll in der Stadthalle der Vorhang gelüftet, welcher Korridor benutzt werden soll.“

Alle Unterschriften werden bis zum Ende der Einwendungsfrist am 15. Juni an das Ministerium für Energiewende in Kiel geschickt. Laut dem Sprecher der Gruppe habe die Tennet Verständnis und wolle den Dialog suchen. Passiert sei allerdings noch nichts. „Menschen, Tiere und Pflanzen brauchen Freiräume“, sagte Heidrun Thomsen. „Eine Stromtrasse durch den charakteristischen Landschaftsraum und nahe am Dorf ist eine Ungeheuerlichkeit.“

Interessierte können sich an Initiativen-Sprecher Manfred Probstmeyer unter 04663/188682 wenden.


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