Frühjahrsputz : Vom Fahrrad bis zur Wasserpfeife

Viele besondere Dinge: Die Niebüller Müllsammler präsentieren ihre Fundstücke.
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Viele besondere Dinge: Die Niebüller Müllsammler präsentieren ihre Fundstücke.

Zahlreiche besondere Funde erbrachte am Wochenende der Frühjahrsputz in vielen Gemeinden Südtonderns

shz.de von
26. März 2017, 14:58 Uhr

Das milde Wetter mit Sonne und Wolken war ideal und lockte am Wochenende in Südtondern hunderte Freiwillige nach Draußen, um ihren Ort von frei herum liegendem Unrat zu befreien. Rechtzeitig, bevor Büsche, Hecken und Bäume ausschlagen, wurden die Gemeinden und die Stadt Niebüll dadurch noch ein wenig schöner und lebenswerter.

In Leck waren dazu weit mehr als 200 junge und ältere Bürger im Einsatz. Bereits am Freitag zogen die Mädchen und Jungen der Gemeinschaftsschule und der dänischen Schule mit Müllbeutel durch den Ort. Am Sonnabend traten dann um 10 Uhr 160 freiwillige Müllsammler an – darunter auch Bürgervorsteherin Sabine Detert und Bürgermeister Andreas Deidert, der rund um das Lecker Rathaus Müll von den Wegen und Grünflächen sammelte.

„Der Ort war schon relativ sauber, aber nun sieht er natürlich noch schöner aus“, sagte die Bürgervorsteherin, die mit Mitgliedern des Bürgerfestvereins im Augarten Müll einsammelte. Sie bedankte sich bei allen beteiligten Vereinen für das freiwillige Engagement – vom Verschönerungsverein bis zur Jugendfeuerwehr. „Besonders gefreut hat mich, dass auch eine Gruppe Flüchtlinge dabei war. So hatte die Aktion auch noch einen Integrationseffekt“, sagt Sabine Detert. Auch für andere Neubürger seien Aktionen wie der Frühjahrsputz die beste Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen.

Der größte Fund in Leck war ein altes Fahrrad, das an der Au gefunden wurde. Ein Ärgernis waren die zum Teil zu Scherben zerschlagenen kleinen Schnapsflaschen, die im Sand eines Spielplatzes vorsichtig eingesammelt wurden. „Man kann abends ja gerne ein wenig feiern, sollte seinen Müll dann aber doch bitte wieder mitnehmen und entsorgen“, betonte Sabine Detert.

Gegen Mittag gab es für alle freiwilligen Müllsammler eine Stärkung – das DRK stand mit Erbsen- und Spargelsuppe bereit. „Eine gelungene Aktion, die das Gemeinschaftsgefühl gestärkt hat. Dafür möchte ich mich auch im Namen des Bürgermeisters bei allen bedanken,“ sagte Sabine Detert.

In Niebüll gibt es keinen Frühjahrsputz ohne Überraschungen. In der 10  000-Einwohner-Stadt werden es in diesem Jahr weit über 200 große und kleine Niebüller sein, die die Straßen- und Wegesränder nach Dingen absuchen, die von gedankenlosen Mitbürgern auf unzulässige Weise entsorgt wurden. Alles in allem aber ist die Müllmenge nicht größer, sondern nur anders geworden. Die Flachmänner von einst sind größer geworden, die Fundstücke exklusiver und viele Dinge seltsamer. Doch bitte der Reihe nach und vor deren Aufzählung und Beschreibung diese durchaus erfreuliche Feststellung: die Beteiligung am Frühjahrsputz hat steigende Tendenz. Zur „Hauptsammlung“ am Sonnabend unter dem Kommando vom Umweltausschuss-Vorsitzenden Peter Schumann kamen über 80 Sammler. In Langstoft treten Jagdgenossen und Brandschützer in der Woche an. Aus der FPS haben sich zwei Klassen auf den Weg gemacht, und die Deezbüller treten ebenfalls noch zum Sammeln an. Stadtmanagenr Holger Heinke rechnet bei der diesjährigen Kampagne mit zusammen 200 bis 250 Sammlern.

Den Niebüller Stadtbereich hatte Bauhofchef Jochen Johannsen in Bezirke aufgeteilt, in die sich Kleingruppen mit blauem Müllsack und mit „Op-Tickern“ auf den Weg machten. Ihre Beute fand allgemeine Bewunderung. Pastorin Sylvia Kilian-Heins fand eine Gabel und Grete Hoiningen-Huene eine „Shisha“, wie man eine orientalische Wasserpfeife auch nennt.

Jan Boysen präsentierte ein Päckchen Geflügel in Sauce, gepriesen als „Qualität aus Deutschland vom Wiesenhof“ und mit Haltbarkeitsdatum 17. November 2016. Ein Feuerlöscher, ein CD-Player, zwei Ohrstöpsel, etliche Farb-Spraydosen, Hundekotbeutel mit und ohne Inhalt und eine kleine Schwimminsel für den Pool bildeten ein buntes Sammelsurium, das teils Heiterkeit, teils aber auch Nachdenklichkeit erregte. Verwunderung löste ein gefundener 20-Euro-Schein aus, der der Aktion „Niebüller helfen“ zugeführt wird. Die Wasserpfeife erhielt per Abstimmung den Siegerpreis. Zum Abschluss des Müllsammelns spendierte die Stadt einen Imbiss. Und es war auch Gelegenheit zu Erfahrungsaustausch und allgemeinen Betrachtungen, die mit dem Fazit endeten: Niebüll ist trotz des Sammelergebnisses eine alles in allem saubere Stadt, der viele das stumme Versprechen gaben: Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei.

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