Naturwissenschaft : Vom Chitin zur "Zauber-Substanz"

Noch sind die Krabben in der Lösung unbehandelt.Fotos: Dieter Wrege
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Noch sind die Krabben in der Lösung unbehandelt.Fotos: Dieter Wrege

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11. Juni 2008, 08:38 Uhr

Niebüll | Wer den Schülern des 13. Jahrganges am Beruflichen Gymnasium Niebüll im naturwissenschaftlichen "Hörsaal" zuhörte und zuschaute, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die angehenden Abiturienten demonstrierten, dass man die Nordseekrabbe und andere Schalentiere nicht nur wegen ihres köstlichen Inhalts schätzen, sondern sich auch ihrer Schale annehmen sollte.
Lebensqualität
In dieser verbirgt sich ein wertvoller Grundstoff für die Herstellung einer Vielzahl von Kosmetika, Pharmaka, Folien und der Gesundheit dienenden Produkten. Wie man sich derlei "Lebensqualität aus dem Meer" zu Nutze machen kann, damit befassen sich Chemiekurse des 13. Jahrganges am Beruflichen Gymnasium Niebüll seit dem Schuljahr 2005/06. Im vergangenen Jahr erregten sie mit der Demonstration ihrer Projektergebnisse im Kieler Landeshaus große öffentliche Aufmerksamkeit.

Auf den Dreh, dieses Thema pädagogisch anzugehen, kamen zwei Niebüller Chemielehrer: Studienrätin Ose Carstensen in ihrer Examensarbeit und Oberstudienrat Gerd Thielmann am Institut für praktische Naturwissenschaften (IPT) an der Uni Kiel. Bei der praktischen Umsetzung ihrer ebenso pfiffigen wie "waghalsigen" Idee halfen ihnen Büsumer und Wesselburener Wissenschaftler aus dem dortigen Seehof-Labor - und vor Ort die Danisco Deutschland GmbH.
Chitin
Mit dem Rohstoff Chitin fängt alles an. Chitin ist die griechische Bezeichnung für Hülle oder Panzer, wie er bei Krusten- und Schalentieren vorkommt und sich nach Entnahme deren fleischigen Inhalts alljährlich megatonnenweise auftürmt und durch Müllberge und Biotopzerstörung zu einem Umweltproblem wird. Um diesen Rohstoff nutzen zu können, muss aus dem Chitin das Abbauprodukt Chitosan gewonnen werden. Das kann sowohl auf chemischem als auf fermentativem (biologischem) Weg geschehen. Weil die "chemische Tour" durch den Einsatz von Säuren, Laugen und Wasser wenig umweltfreundlich ist, ist der biotechnologische Weg möglich. Den demonstrierten die Niebüller Gymnasiasten und erläuterten, wie Chitin "demineralisiert" und "deproteinisiert" wird anhand von Versuchen.
Fit für den europäischen Arbeitsmarkt
Das Berufliche Gymnasium Niebüll verfolgt mit diesem ebenso interessanten wie faszinierenden Unterrichtsangebot nicht nur pädagogische Ziele. Weil die Nachfrage nach naturwissenschaftlich gebildetem akademischem Nachwuchs auf dem hoch spezialisierten deutschen und europäischen Arbeitsmarkt ungebrochen ist, ergebe sich für das Berufliche Gymnasium im strukturschwachen Raum die Notwendigkeit einer naturwissenschaftlichen Profilbildung, heißt es von der Schulleitung. "Wir wollen unsere Schüler in die Lage versetzen, zukunftsweisende Berufe zu erlernen", ließ Oberstudiendirektor Bernhard Puschmann anklingen.

Praktisch sieht es am BG Niebüll so aus, dass die Schüler in Projekten lernen. Der aktuelle 13. Jahrgang unterzog sich dieser Aufgabe wenige Wochen vor dem Abitur - und erntete dafür ein Sonderlob von der Schulleitung.

Der nächste Jahrgang hat auch schon Tuchfühlung zu dieser Thematik aufgenommen. Steffen Schmidt (13.) übergab Thoma Albrecht (12. Jahrgang) ein Bündel Infos für ein Teilthema, das einen weiteren Weg vom Chitin zur "Zaubersubtanz" Chitosan aufzeigen soll.

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