Braukunst in Südtondern : Vom Archäologen zum Bierbrauer

Regionalität auf den ersten Blick: Die Biere von Niels und Ester Herzinger (links Carsten Jepsen) tragen friesische Namen.
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Regionalität auf den ersten Blick: Die Biere von Niels und Ester Herzinger (links Carsten Jepsen) tragen friesische Namen.

In Ebbüll werden seit kurzem Warftbiere mit friesischen Namen gebraut – Donnerstag findet der erste Werksverkauf statt.

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15. Mai 2018, 06:30 Uhr

Emmelsbüll-Horsbüll | Einer Schnapsidee ist es zu verdanken, dass zwei studierte Archäologen ihr Glück als Bierbrauer gefunden haben. Und das an einem besonderen, verwunschenen, fast verzauberten Ort. Auf der geschichtsträchtigen Ebbüll Warft – hinterm Deich bei Emmelsbüll-Horsbüll, nahe der Nordsee, deren frische Brise sich derzeit mit dem Duft der blühenden Rapsfelder mischt.

Auf der Warft – umgeben von mächtigen Bäumen – steht nur ein altes Hofgebäude, an dem ein Haus für Jugendfreizeiten angebaut wurde. „An sich wollten wir niemals Herbergseltern sein“, sagt Niels Herzinger. „Doch in dieses Haus auf der Ebbüll Warft haben wir uns sofort verliebt“, schwärmt Ehefrau Ester Gütschow-Herzinger. Beide sind Archäologen. Doch das sei ein Beruf, mit dem sich nur schwerlich ein gemeinsamer Lebensmittelpunkt, ein Zuhause finden lässt. „Ich bin in Niebüll aufgewachsen und mag dieses Region sehr. Daher haben wir vor drei Jahren beschlossen, nach 13 Jahren in meine Heimat zurückzukehren“, berichtet Nils Herzinger, der zudem seit vielen Jahren ein passionierter Hobby-Bierbrauer ist. Die Nachfragen, sein Bier auch zu kaufen, kamen immer häufiger. Da traf es sich gut, dass im Erdgeschoss ein größerer Raum bisher keinen Zweck hatte, umgeben von mächtigem Mauerwerk, mit kleinen, halbrunden Stallfenstern und dem Eingang zum kühlen Norden hin. „Also Ideal zum Bierbrauen“, sagt der Nordfriese.

Heute gleicht der Raum, der höchste Hygienestandards erfüllt, einem Labor. Moderne Brau-Technik ist dort eingebaut worden. Nach Erfüllung aller Auflagen wird dort schon seit Anfang des Jahres gebraut. Zusammen mit einem anderen erfahrenen Braumeister – Carsten Jepsen mit seiner Branta-Brauerei. „Wir können uns gegenseitig unterstützen, Erfahrungen austauschen und die Technik gemeinsam nutzen“, sagen beide. Am Donnerstag, 17. Mai, laden beide erstmals von 17 bis 20 Uhr zur Verkostung und einem Werksverkauftag ein. Den soll es im Ebbüller Brauhaus künftig häufiger geben, wie auch Kurse, in denen das Bierbrauen erlernt werden kann. Wilde Hefen und saueres, obergäriges Bier mit Weizen zählen zu den Spezialitäten des Bierbrauers Carsten Jepsen. „Ich probiere gerne auch mal Außergewöhnliches aus“, sagt der Niebüller.

Für die Verbundenheit zur Region steht vor allem die Braukunst von Niels Herzinger. Das Etikett aller Flaschen ziert eine alte Karte von 1652, auf der die Warft verzeichnet ist. Die Sorten seiner in Flaschen und Fässern reifenden Biere tragen zudem alle friesische Namen – wie frische Brise für ein Pils aus besonderen Hopfen, der zum Teil selbst angebaut wird, oder Brauner Schlamm für ein Braunbier mit Röstmalz. 16 verschiedene Sorten umfasst allein das Angebot von Niels Herzinger. Und für diese Produktpalette gibt es bereits prominente Anfragen – unter anderem von er Kupferkanne und dem ehemaligen La Grande Plage in Kampen auf Sylt. Aber auch im Kiosk am Klanxbüller Bahnhof wird das Warftbier demnächst zu haben sein.

Für Ester und Niels Herzinger hat sich auf der Ebbüll Warft alles zum Gewünschten gefügt: Nach vielen Stunden Arbeit steht nun die Brauerei, und auch der Familiennachwuchs ist da. Bereuen sie den großen Schnitt in ihrem Leben? „Nein, und es gibt sogar eine Verbindung zwischen unseren beiden Leben“, sagt der gebürtige Nordfriese. Denn schon in der Jungsteinzeit wurden Bier ähnliche Getränke gebraut – und sogar alte Brau-Rezepte aus Ägypten sollen demnächst hinter dem Deich ausprobiert werden.

Infos: www.ebbueller.de

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