Musikfreunde Leck : Vlach-Quartett: Gefühlvolles Musikereignis

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16. März 2013, 08:46 Uhr

Leck | Ein beeindruckendes Wiedersehen und -hören mit dem "Vlach-Quartet" aus Prag feierten 120 Mitglieder und Gäste des Vereins der Musikfreunde in Leck und Umgebung. Es war das 212. Konzert in der 20. Veranstaltungssaison.

Jana Vlachova (1. Violine), Karel Stadtherr (2. Violine) und Mikael Ericsson (Violoncello) zählen schon seit langem zu den Ehrenmitgliedern des gastgebenden Vereins. Jiri Kabat (Viola) ist für den plötzlich verstorbenen Bratschisten Georg Haag in das Ensemble nachgerückt.

Im ersten Teil wartete das Streichquartett mit Werken stilistisch eigenwilliger Komponisten seiner Heimat auf, wobei zunächst Josef Suk (1874-1935), Schwiegersohn des Antonin Dvorak, musikalisch zu Worte kam. Von ihm erklang eine gefühlvolle, keineswegs aber in abwertendem Sinne sentimentale Meditation über den alttschechischen Choral "Heiliger Wenzeslaus" (op. 35a). Dessen erste Melodiezeile wurde von der Viola mit warmem, kräftigem Ton solistisch vorgetragen, bevor die übrigen Instrumente das Kirchenlied gemeinsam auf unterschiedlichste Weise fortspannen. Stilistisch könnte man das unmittelbar ins Ohr gehende Werk als romantisch, mit impressionistischen Anklängen charakterisieren.

Als vergleichsweise modern und die Zuhörer entsprechend herausfordernd erwies sich die nachfolgende Komposition "Intime Briefe" (Streichquartett Nr. 2) von Leos Janacek (1854 - 1928), einem nicht nur in musikalischer Hinsicht unbequemen Zeitgenossen seiner Generation. Er setzte sich beim Komponieren über viele von seinen Kollegen als verbindlich geltende Leitsätze hinweg. Seine in vier Sätzen gestalteten "Briefe" richten sich in leidenschaftlicher Manier als innig empfundene Liebesbeweise an seine 38 Jahre jüngere Geliebte und spiegeln das Auf und Ab der Beziehung auf unkonventionelle Weise wider.

Zu interprätatorischer Höchstform lief das spieltechnisch perfekt agierende Vlach-Quartett beim abschließenden Beitrag des regulären Programms auf: "Der Tod und das Mädchen" (Streichquartett d-moll D810) von Franz Schubert. Schlüssel zu den den vier Sätzen des Werkes und zugleich deren musikalische Klammer ist der zweite Satz, in welchem Schubert den Gesangs- und Klavierpart des von ihm selbst - auf einen Text von Matthias Claudius - geschriebenen Liedes gleicher Überschrift tongetreu auf das Streicherensemble überträgt und es mehrfach variiert. Das angesichts der Knochenmannes erschrockene und sich mit Hinweis auf sein geringes Lebensalter heftig wehrende Mädchen wird vom Tod als Mittler der jenseitigen Welt - im Sinne der romantischen Vorstellung vom Tod als "Schlafes Bruder" - beruhigt und liebevoll in den Arm genommen. Musikalisch kommt der Stimmungswechsel durch den Umschwung der Harmonik vom düsteren Moll in erlösend helle Dur-Akkorde klar zum Ausdruck. Der Wechsel von Todesangst zur Todessehnsucht zieht sich hörbar durch alle Sätze.

Nach dem tiefen Ernst des Dialogs zwischen dem Tod und dem Mädchen wirkten die beiden vom Publikum ausdauernd erklatschen Zugaben wegen ihrer abrupt aufgezeigten Gegensätzlichkeit ein wenig ernüchternd: "Poèm" von Kurt Fiebig und "Humoreske" von Antonin Dvorak.

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