Konzert : Virtuoser Abend mit Rollentausch

Verdienter und anhaltender Applaus für Helga Weckwerth, Chantéll Berkhahn, Delia Berkhahn, Katharina Lemken und Yevgeny Xaviereff.
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Verdienter und anhaltender Applaus für Helga Weckwerth, Chantéll Berkhahn, Delia Berkhahn, Katharina Lemken und Yevgeny Xaviereff.

Kurzfristige Absagen, ein gebrochener Fingerknochen: Das Konzert im Weckwerth-Museum begeisterte allen Hindernissen zum Trotz.

shz.de von
18. August 2014, 09:00 Uhr

Je mehr Künstler für die Gestaltung einer kulturellen Veranstaltung verpflichtet werden, desto stärker wächst die Gefahr, dass missliche Umstände das Programm beeinflussen. Diese Erfahrung machte am Sonnabend auch Helga Weckwerth, Leiterin des im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog ansässigen „Werner Weckwerth Museums“, das zu einem – in jeglicher Hinsicht – vielseitigen Konzert eingeladen hatte.

Bei ihrer Begrüßung der knapp 80 erschienenen Musikfreunde musste sie diesen mit Bedauern mitteilen, sehr kurzfristig zwei Absagen erhalten zu haben: Die neunjährige Cellistin Jette Kramp aus Hamburg, die Kompositionen von Alexander Gretchaninoff und Pamela Wedgwood hatte vortragen wollen, und der 15-jährige Trompeter Piet Jonas Prieß aus Flensburg, der für die Darbietung eines Satzes aus dem Trompetenkonzert Es-Dur von Josef Haydn vorgesehen war, konnten ihre Mitwirkung nicht realisieren. Zudem hatte sich Delia Berkhahn aus Uphusum, Mitglied des seit vielen Jahren bei Wettbewerben von „Jugend musiziert“ erfolgreichen Klavierduos, in dem sie zusammen mit ihrer Schwester Chantéll spielt, bei einem Reitunfall einen Fingerknochen angebrochen. Diese biss aber die Zähne zusammen und absolvierte ihren Part in engagierter Weise.

Das übrige Programm wurde von der jungen Husumer Pianistin Katharina Lemken und dem von Helga Weckwerth am Klavier souverän begleiteten, international renommierten Cellisten Yevgeny Xaviereff mit vorbildlichem Einsatz geleistet. Xaviereff, übrigens Professor der Musikakademie und Universität Sarajevo, eröffnete das Konzert, indem er für den ausgefallenen Trompeter einsprang und den für diesen vorgesehen Satz von Joseph Haydn auf seinem vor 200 Jahren vom italienischen Geigenbauer Nicolas Bertholini hergestellten Violoncello darbot.

Die Ankündigung dieses Rollentausches löste beim Publikum zunächst ein wenig Heiterkeit aus, die sich jedoch als unbegründet erwies. Denn das lyrische „Andante“ wurde so komponiert, dass der Trompeter die gesanglichen Möglichkeiten seines Blasinstrumentes eindrucksvoll demonstrieren kann. Und für cantabile interpretierte Melodien ist das Cello geradezu prädestiniert. Xaviereff ließ sein Instrument „singen“, dass es eine Freude war. Katharina Lemken wartete als Pianosolistin mit dem Satz „Juni“ aus den „Jahreszeiten“ von Peter Tschaikowsky auf, einer Folge von zwölf nach den Monaten des Jahres benannten Charakterstücken. Ihr gelang es, bei ihrer einfühlsamen Wiedergabe dieser gefühlvollen Komposition mit einem temperamentvolleren Mittelteil bis zum Ende die Spannung zu halten und ihre Zuhörer zu begeistern.

Letzteres gilt auch für den virtuosen Konzertbeitrag des Klavierduos Chantéll und Delia Berkhahn: „Danse macabre, op. 40“ von Camille Saint-Saens. Es zeichnete den legendären Totentanz – spieltechnisch vorbildlich – nach Art einer teils gespenstischen, teils mitreißenden Programmmusik eindrucksvoll nach: von den zwölf Glockenschlägen um Mitternacht über den Tanz mit den Verstorbenen bis zum Wiedereintritt der Ruhe auf dem Friedhof.

Die Hauptlast des Abends lag auf den Schultern des Cellisten Yevgeny Xaviereff und der Pianistin Helga Weckwerth. Letztere übernahm bei zwei anspruchsvollen Werken den spieltechnisch jeweils sehr schwierigen Orchesterpart und meisterte diesen, ohne sich die geringste Aufregung anmerken zu lassen: die Sonate g-moll für Klavier und Violoncello, op. 65 von Frédéric Chopin und die „Variationen über ein Rokoko-Thema, op. 33 von Peter Tschaikowsky, in Nordfriesland erstmals dargeboten in ihrer Urfassung.

Bei beiden unmittelbar ins Ohr gehenden Kompositionen agierten Klavier und Cello auf künstlerischer Augenhöhe. Mal führten sie musikalische Dialoge, mal ergänzte das eine Instrument den Klang des anderen. Dabei konnte sich das Cello klanglich durchaus gegen den Steinway-Flügel durchsetzen: vom satten Bass bis zum zartesten Flageolett in extremer Tonhöhe. Für den lautstarken und lange anhaltenden Schlussapplaus bedankte sich das virtuose Duo noch mit einem von Werner Weckwerth komponierten „Wiegenlied“ als Zugabe.

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