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Fundstücke in Nordfriesland : Video: Die Straße der Feiglinge

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

An der Straße Norder Maade in Nordfriesland haben Anwohner aus kleinen Schnapsflaschen vom Wegesrand ein Mahnmal geschaffen.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Wer die Straße Norder Maade aus Klintum (Kreis Nordfriesland) kommend entlangfährt, dem begegnet bald ein Stillleben am Wegesrand. Grüne Flaschen sind um einen Zaunpfahl drapiert, „Müller Thurgau“ ist auf einem verwitterten Etikett gerade noch zu erkennen. Die schmale Straße schlängelt sich weiter durch Felder, bis plötzlich ein weiteres Kunstwerk auftaucht. Von einem Stillleben kann man hier nicht sprechen, denn 125 Schnapsfläschchen, vornehmlich der Sorte „Kleiner Feigling“, bewegen sich an einem etwa zehn Meter langen Seil gegeneinander klingend im seichten Wind.

Auch wenn der ungewöhnliche Schmuck im Buschwerk auf den ersten Blick eine bizarre Schönheit ausstrahlt, ist die schwebende Flaschen-Parade tatsächlich ein gut sichtbarer Ausdruck des Ärgers: „Ihr heimlichen Säufer! Wir haben euren Müll so satt!!!“, ist an mehreren Stellen in großen Lettern auf weißem Grund zu lesen. Unterzeichnet sind die laminierten Unmutsäußerungen mit „genervte Oster-Schnatebüller“. Auf das Problem aufmerksam gemacht hat Ute Petersen, die zu einem Leser-Foto gleich Titelinspirationen mitgeliefert hat: „Leck’s Spritweg Norder Maade“ oder „Norder Maade – Straße der Feiglinge“, sind Ideen der Oster-Schnatebüllerin.

Rüdiger Skule Langbehn ist als Bürgermeister zuständig für die Gemeindestraße. Seine Gemeindearbeiter sind regelmäßig unterwegs, um die Kommune sauber zu halten. „Es gibt aber noch viel mehr Schmuddelecken in Leck“, sagt er. „Die alle zu reinigen, da kommen meine Mitarbeiter allein nicht hinterher.“

Skule Langbehn appelliert daher an den Gemeinschaftssinn seiner Bürger. „Jeder sollte mithelfen, solche Schandflecken zu beseitigen.“ Er erinnert an den 28. März, an dem wieder die Aktion „Sauberes Schleswig-Holstein“ stattfinden wird. „Je mehr Menschen dort auch mitmachen, desto mehr Straßen und Flächen können wir ablaufen.“ Für ihn geht von den Flaschen auch eine Gefahr aus, denn wenn die Sonne erst einmal steige, könnten die vielen Flaschen im Gras Brände verursachen.

Bürgermeister Langbehn vermutet, dass die Flaschen am Straßenrand von einer Einzelperson mit einem Alkoholproblem entsorgt werden. „Vielleicht ist das auch nur ein armer Mensch, der Opfer seiner Krankheit ist und gar nicht weiß, was er mit seinen Schnapsflaschen anrichtet. Es wäre wichtig, ihm zu helfen.“

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