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Nordfriesland Tageblatt

13. Dezember 2017 | 20:27 Uhr

Ladelund : Versöhnungsarbeit der Gedenkstätte

vom

Seit 2006 besteht im Wechsel zwischen den Orten Putten und Ladelund ein Jugendaustausch - derzeit sind 30 Niederländer hier vor Ort zu Gast.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 08:23 Uhr

Ladelund | Einmal im Jahr treffen Jugendliche aus Ladelund und der Stadt Putten zusammen - jeweils im Wechsel in Nordfriesland oder Holland. Bereits zum achten Mal hat diese besondere Form der Begegnung stattgefunden - dieses Jahr wieder in Ladelund. Ins Leben gerufen wurde die Jugendbegegnung von Gudrun Jessen-Hansen und Pastor Joachim Stuck. Die Jugendlichen verbringen dabei nicht nur gemeinsam Zeit mit einander, sondern setzen sich vor allem mit Themen wie dem zweiten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus auseinander. Dadurch soll zum einen der Nachwuchs für die Gedenkstättenarbeit gewonnen werden, zum anderen aber auch eine Versöhnung stattfinden.

Einer von den diesjährigen Besuchern aus Putten ist Jorian van Emous. Der Neffe seines Großvaters ist im KZ in Ladelund umgekommen. "Mein Opa hat mir als Kind viel vom Krieg und von den Deutschen erzählt, und das war natürlich nicht positiv", berichtet der 18-Jährige. Obwohl er mit diesem Bild über das Nachbarland aufwuchs, war er neugierig auf den Jugendaustausch. Als erster seiner Familie kam er 2007 an den Ort des Geschehens. "Ich habe gesehen, dass die Leute hier im Grunde genauso sind wie wir in Holland", berichtet er. Ihm sei klar geworden, dass dies nicht mehr die Menschen sind, die die Verbrechen von damals begangen oder zu verantworten haben. Und auch, dass die Menschen in Südtondern nichts in Vergessenheit geraten lassen, fiel dem jungen Holländer positiv auf. Er habe aber an die Trauer und den Schmerz seines Großvaters denken müssen.

Durch seinen Besuch bei der Jugendbegegnung in Ladelund hat sich etwas in seiner Familie verändert, berichtet Jorian van Emous weiter. Zwei Jahre später, beim nächsten Besuch, begleitete ihn zunächst sein Vater und zwei weitere Jahre später kam sogar sein Großvater selbst mit hierher. Er blieb sogar zwei Nächte im Ort. "Das wäre früher undenkbar gewesen", sagt der 18-Jährige. Die Familie sei sich dadurch näher gekommen, und der Besuch in Ladelund habe seinen Großvater verändert. Er habe plötzlich angefangen, mit anderen Betroffenen über die Geschehnisse von damals zu sprechen. Und er leistete von da ab auch den Jugendlichen aus Deutschland Gesellschaft, die zum Grillen zur Familie kamen. Juri ist bereits das vierte Mal mit in Ladelund und hat hier viele Freundschaften geschlossen.

Ganz andere Gründe in die Gemeinde zu reisen hatte die 19-jährige Neelcje Meijler. Ihre Familie hat keine Angehörigen im zweiten Weltkrieg verloren, wodurch sich bei ihr nie ein negatives Bild von den Deutschen entwickelt hatte. Im Gegenteil: Schon als kleines Kind war ihre beste Freundin eine Deutsche. Da die 19-Jährige allerdings sehr geschichtsinteressiert ist, wollte sie ebenfalls mit der Jugendbegegnung nach Ladelund kommen. "Ich dachte anfangs, ich muss bestimmt ellenlange Berichte und Vorträge anhören", sagt sie. Zwar gäbe es auch in der Tat viele davon, aber die seien jedes Mal sehr spannend, und sie würde immer wieder etwas Neues dazulernen. Auch Neelcje Meijler ist bereits zum vierten Mal nach Nordfriesland gekommen.

Die Mischung aus Geschichte sowie Spiel und Spaß für die Jugendlichen mache den Erfolg der Jugendbegegnung aus, sagt Gudrun Jessen-Hansen, die sich über die stetig wachsenden Zahlen der teilnehmenden Jugendlichen freut. Während es im ersten Jahr noch zwölf Jugendliche waren, nahmen in diesem Jahr bereits 30 Jungen und Mädchen teil.

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