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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 03:22 Uhr

„Verschwiegenheit ist Pflicht“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Gemeinde Achtrup sucht einen „Gemeindekümmerer“ und ruft engagierte Einwohner dazu auf, sich für den besonderen Posten zu bewerben

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 12:20 Uhr

Damit sich auch die älteren, hilfsbedürftigen Einwohner im Dorf wohlfühlen – dazu soll in der Gemeinde Achtrup baldmöglichst ein „Gemeindekümmerer“ beitragen. „Wir haben den demografischen Wandel, das Thema beschäftigt uns schon länger. Jetzt möchten wir es einfach mal ausprobieren“, sagt Bürgermeister Uwe Matthiesen. Die nötigen Ausgaben sind im Haushalt verankert – fehlt nur die richtige Frau oder der richtige Mann aus Achtrup für diese besondere Aufgabe.

Die Verantwortlichen haben dazu eine Stellenbeschreibung formuliert: „Aufgabe eines Kümmerers ist, Hilfsbedürftigen aller Altersgruppen in der Gemeinde auf kurzem Wege Hilfe zukommen zu lassen, sei es durch Vermittlung einer Haushaltshilfe, Unterstützung bei Behördengängen oder bei Arztbesuchen“, heißt es in der Beschreibung. Einkaufsfahrten jedoch seien nicht vorgesehen. „Gerne sollte der Kümmerer oder die Kümmerin auch bereit sein, Zeit für die Pflege sozialer Kontakte zur Verfügung zu stellen, sei es als Begleiter bei Spaziergängen, einem Klönschnack bei einer Tasse Kaffee oder beim Anhören persönlicher Sorgen und Nöte“, beschreibt der Bürgermeister weiter und betont: „Absolute Verschwiegenheit ist Pflicht.“

Zudem sei ein eigenes Fahrzeug erforderlich. Für die Tätigkeit erfolge eine Entlohnung auf 450-Euro-Basis unter Beachtung des Mindestlohnes sowie eine Entschädigung für dienstlich gefahrene Kilometer. Der ideale Kandidat sollte in eigener Regie auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen eingehen.

Vorbild ist laut Matthiesen die Gemeinde Stedesand. Dort ist Margrit Lützen seit knapp zwei Jahren als Kümmerin im Einsatz. Einen Aufruf zum Bewerben wie in Achtrup habe es damals nicht gegeben: „In den Beratungen ist irgendwann mein Name gefallen, und als mir von dem Projekt berichtet wurde, habe ich offenbar interessiert zugehört“, berichtet Stedesands Kümmerin lächelnd.

Endlich einmal etwas für sich tun – das war eigentlich das Ziel, als Margrit Lützen ihren Job als Zahnarzthelferin vor einigen Jahren aufgab und sich mit Engagement ihrer Aufgabe als Bezirksdame im DRK-Ortsverein widmete. Als dann Bürgermeister und DRK-Vorsitzende ihr eröffneten, sie die Wunschkandidatin für den Posten, hat sie schließlich zugesagt – und es nicht bereut. „Man bekommt unendlich viel Dankbarkeit, bis zur Gänsehaut und Hochachtung für das, was man tut“, sagt die Stedesanderin. In der Anfangszeit hätten die Kontakte geholfen, die sie als Bezirksdame bereits geknüpft hatte; „außerdem habe ich mir Visitenkarten mit Bild drucken lassen und verteilt.“ Endgültig überzeugt hat sie dann persönlich: „Die erste Dame, die ich unterstützt habe, hat ordentlich Werbung für mich gemacht, so nach dem Motto: ,Die ist gut, die kannst du ruhig mal anrufen.‘“

Derzeit kümmert sich Margrit Lützen um zehn ältere Damen und Herren, begleitet sie zum Arzt, unterstützt, wo es machbar ist und vermittelt weiter, wo sie selbst nicht helfen kann und trägt so dazu bei, dass die älteren Einwohner der Gemeinde so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Besuche bei denen, die alleine sind, beschreibt sie als ihre Hauptaufgabe. „Oft sitze ich einfach eine Stunde da und schnacke mit den Damen und Herren. Oft ergibt sich im Gespräch dann etwas, bei dem ich unterstützen kann.“

Freundlich und flexibel sein, gut zuhören können, Zeit haben – diese Kriterien erachtet Stedesands Gemeindekümmerin als hilfreich bei der Ausübung ihrer Aufgabe. Wie Uwe Matthiesen ist auch für Margrit Lützen Verschwiegenheit die Basis für einen vertrauensvollen Umgang mit den Damen und Herren. Das stößt auch Wertschätzung: „Gut, dass es dich gibt. Noch brauche ich dich nicht, aber ich freue mich darauf, dass ich dich anrufen kann, wenn es soweit ist.“ Sätze wie diesen hat die Gemeindekümmerin schon häufiger gehört.

Für erstrebenswert erachtet Margrit Lützen einen Austausch mit den anderen Gemeindekümmerern, wie es sie in Galmsbüll, Neukirchen und Bordelum gibt, und das wünschen sich offenbar auch andere: Im März gebe es ein erstes Treffen der Gemeindekümmerer auf Initiative der Aktivregion-Nordfriesland Nord. Und wer weiß, vielleicht ist beim zweiten Treffen schon der oder die Neue aus Achtrup mit dabei.


Interessenten für den Posten des Achtruper Gemeindekümmeres werden gebeten, sich bis zum 15. März an Bürgermeister Uwe Matthiesen (Gärtnerstraße 3, 25917 Achtrup, Tel.: 04662/2779) zu wenden, gerne kann der Bewerbung ein Konzept für das angestrebte Betätigungsfeld beigefügt sein.

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