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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 14:41 Uhr

Ausbildung : Verschlungene Wege ins Handwerk

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Dass es unterschiedliche Zugänge zum Lehrberuf gibt, zeigen die Arbeitsbiografien dreier junger Menschen, die in Südtondern ausgebildet wurden

Was tun nach der Schule? Diese Frage stellen sich Südtonderns Absolventen jedes Jahr aufs Neue. Die Statistik belegt, dass immer mehr junge Menschen das Abitur anstreben , um danach ein Studium zu beginnen. Dass es auch eine weitere, erfolgversprechende Alternative zum Hörsaal gibt, beweisen drei Leser, die in Südtondern ausgebildet wurden. Alle drei haben sich für einen Lehrberuf entschieden und bereuen ihren Weg ins Handwerk nicht.

Für Christian Stegkemper führte dieser Weg erst an die Universität und erst danach in die Lehre: Bevor der heute 28-Jährige das Bäckereihandwerk für sich entdeckte, studierte er Physik in Bielefeld. Warum aber tauschte er Naturwissenschaft gegen Rosinenbrot? „Der tödliche Unfall meiner Schwester vor drei Jahren ließ mich umdenken“, sagt der Ostwestfale heute. Der ehemalige Physikstudent nahm mit der Ausbildung zum Bäcker eine Familientradition wieder auf. Bereits sein Großvater stand in der Backstube. Auch der Erfolg stellte sich für Christian Stegkemper früh ein: Sein Ausbilder in der Bäckerei und Konditorei Jürgen Ingwersen motivierte ihn, an einem Rosinenbrotwettbewerb teilzunehmen. Der Lehrling schickte sein Rezept ein und gewann prompt den ersten Platz und eine Reise nach Kalifornien zur Rosinenernte. Künftig will Christian Stegkemper im elterlichen Betrieb in Lübbecke mitarbeiten: „Ich habe meine Entscheidung für den Beruf nicht bereut.“

Ähnlich glücklich mit ihrer Berufswahl ist heute Svenja Hansen. Auch sie hat erst über Umwege den richtigen Ausbildungsplatz gefunden. „Nach der Schule habe ich eine Kochlehre gemacht und schnell gemerkt, dass es das noch nicht ist.“ Svenja Hansen schloss die Ausbildung ab, nur um kurz darauf die nächste Lehre – diesmal im Malerhandwerk – zu beginnen. Mit Erfolg: Die 28-Jährige belegte 2015 im Landesleistungswettbewerb der Maler den zweiten Platz. Die gebürtige Flensburgerin ist sich sicher, dass sie nun den Traumberuf gefunden hat. „Als Frau habe ich in dem Job sicher einen Vorteil, was kreative Feinarbeiten angeht“, sagt sie.

Auch der dritte Handwerker im Bunde, Thomas Ingwersen, ist von seiner Berufswahl bis heute überzeugt. Während die meisten seiner Schulfreunde nach dem Abitur 2011 zum Studium in die Städte abwanderten, entschied sich der Klanxbüller für eine Ausbildung zum Zimmermann. „Ich habe vorher einige Sachen ausprobiert“, sagt der 23-Jährige. Doch der Alltag als Buchhalter im Büro lag dem jungen Mann gar nicht. „Ich muss körperlich aktiv sein und will das Ergebnis meiner Arbeit sehen können.“ Kurz nach Beginn seiner Lehre stellte auch er sich der Konkurrenz. 2014 wurde er Landessieger in seinem Fach und holte anschließend den 6. Platz im Bundeswettbewerb. Mittlerweile ist Thomas Ingwersen Zimmermannsmeister und steht mit beiden Beinen im Beruf. „Ich kann das Handwerk als Alternative nur empfehlen – zu mir passt es.“  

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