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Nordfriesland Tageblatt

18. Oktober 2017 | 11:43 Uhr

Offener Brief : Verlust ohne Ersatz

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ein offener Brief des Ärztevereins Südtondern zum Klinik-Abbau

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Wir wenden uns heute an Sie als die Sie betreuenden Ärztinnen und Ärzte in Ihrer Nähe. Wir sind ein Zusammenschluss von Klinikärzten und niedergelassenen Ärzten. Wir haben den Auftrag, Ihre medizinische Versorgung dauerhaft sicherzustellen. Diese Versorgung ist durch die in Rede stehenden Maßnahmen extrem gefährdet. Seit Jahren müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die medizinische Kompetenz der Klinik Niebüll durch die Geschäftsführung bis heute in entscheidenem Maße eingeschränkt wird. Bis 2006 hat das Klinikum Nordfriesland jährlich einen Überschuss erwirtschaftet. Seit mehr als zehn Jahren wird eine Verlagerung von wichtigen medizinischen Leistungen an die Klinik Husum vorgenommen. Dazu gehören unter anderem die Verlagerung der Bauchchirurgie, des Isotopenlabors und die Umwandlung der gynäkologischen Abteilung in eine Belegabteilung. Neben weiteren Umstrukturierungen wie die Zentralisierung der Küche in Husum und der Verlagerung der Schwesternschule sind der Klinik Niebüll immer weiter Kompetenzen genommen worden.

Mit der Wegnahme der – in Niebüll seit mehr als 35 Jahren angesiedelten – berufsgenossenschaftlichen Versorgung und der gleichzeitigen Ansiedlung in Husum, ohne die notwendigen personellen und strukturellen Voraussetzungen vorher geschaffen zu haben, wurde der Weg freigemacht für die Umwandlung unseres Hauses der Regel- und Notfallversorgung in eine Portalklinik.

Das alles ist schon geschehen. Jetzt sollen auch die Intensivstation, die Gynäkologie mit Geburtshilfe und die HNO geschlossen werden!

Dazu kommt die Umwandlung der stationären Chirurgie in eine Art chirurgische Praxis. All dies mündet in der Absicht, auch in den Abend- und Nachtstunden und an den Wochenenden die Notaufnahme des Krankenhauses zu schließen. Hierdurch kommt es zum Verlust der medizinischen Notfallkompetenz für die gesamte Region. Die niedergelassenen Ärzte können diesen Verlust niemals kompensieren. Man braucht nur wenig geografische und logistische Kenntnisse, um sich die tatsächlichen Folgen der geplanten Schließorgie vorzustellen.

Wie kann es sein, dass ein Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland gegen jede ärztliche Expertise, gegen jeden massiven Widerstand der Beschäftigten und gegen jede politische Vernunft das einzige funktionierende Krankenhaus in einer derart großen Region wie Südtondern in wenigen Jahren aktiv ruinieren kann?

Warum wurde sein Arbeitsvertrag verlängert, als klar wurde, dass er nicht in der Lage ist, ein Entwicklungskonzept für die medizinische Versorgung in Nordfriesland zu liefern und mit den Beteiligten und Politikern zu diskutieren?

Wie konnten die politischen Kontrollgremien und der Aufsichtsrat des Klinikums Nordfriesland es zulassen, dass in einer insolvenznahen Situation ein Prestige-Hubschrauberlandeplatz an der Husumer Klinik für mehrere Millionen Euro eingerichtet werden soll, für den keine medizinische Notwendigkeit besteht?

Gleichzeitig muss der defizitäre Kreis Nordfriesland das Kapital des Klinikums Nordfriesland um eben diese Summe aufstocken und noch eine Bürgschaft über 8,5 Millionen Euro übernehmen, die er selbst auch nicht hat.

Wie zynisch müssen Menschen sein, die ebendiese Zerstörung dann als „flächendeckende, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung“ bezeichnen?

Wir – die Mitglieder des Ärztevereins Südtondern – fordern die Kreispolitiker auf, ihrer Verantwortung für die Daseinsvorsorge gegenüber allen Bürgern Nordfrieslands gerecht zu werden, und die Menschen in Eiderstedt, Südtondern, den Inseln und Halligen nicht ohne medizinische Grundversorgung ihrem Schicksal zu überlassen.

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