Ehrenamtsauszeichnung : Verdienstkreuz für Günther Barten

Günther Barten wurde gestern von Ministerpräsident Daniel Günther geehrt.

Günther Barten wurde gestern von Ministerpräsident Daniel Günther geehrt.

Pensionierter Pastor aus Ladelund wurde gestern unter anderem für Engagement in der deutsch-dänischen Kirchenarbeit ausgezeichnet.

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14. März 2018, 10:19 Uhr

Ladelund | „Spannend, äußerst anregend und einfach angenehm“: so beschreibt Günther Barten sein Zusammentreffen mit Frank-Walter Steinmeier vor wenigen Wochen im Schloss Bellevue. Denn: der Pastor im Ruhestand, der seit gut zehn Jahren in Ladelund lebt, war aufgrund seines ehrenamtlichen Engagements zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten eingeladen. Eigentlich also nur konsequent, dass Günther Barten jetzt für ebendieses Engagement vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde. Die Ehrung wurde ihm gestern von Ministerpräsident Daniel Günther in Kiel überreicht.

„Christlich motivierte Versöhnungsarbeit“ zwischen der Nordkirche und der dänischen Kirche, oder auch „vertrauensbildende Maßnahmen“ – so beschreibt der Geehrte selbst sein langjähriges Engagement für ein Miteinander im Grenzland. 27 Jahre lang war Günther Barten Pastor der Nordschleswigschen Kirchengemeinde im dänischen Bülderup-Bau, von 1993 bis 2007 sogar Senior, das heißt Leiter der Nordschleswigschen Gemeinde. Seit Jahrzehnten wirkt der 1944 in Schlesien Geborene maßgeblich daran mit, dass aus einem anfänglichen Gegeneinander ein Miteinander wurde. „Jetzt hoffe ich noch, dass sich daraus ein Füreinander entwickeln wird.“

Vorurteile abbauen, Vertreter der Kirchen der dänischen und deutschen Minderheit, der Nordkirche und der dänischen Kirche an einen Tisch bringen – wer sich mit dem Pastor im Ruhestand unterhält, merkt schnell: der Prozess des Brückenschlags zwischen den unterschiedlichen Kirchenhäusern war nicht immer leicht und hat viele, viele Gespräche erfordert. „Möglicher Türöffner war vielleicht auch der Einsatz von meisterhafter Marzipan-Nuss-Torte“, sagt Barten augenzwinkernd in Anspielung auf die als Kulturgut anerkannte Vorliebe der Dänen für ausgedehnte Kaffeetafeln.

Reden ist gut, mit Greifbarem überzeugen ist besser – nach dieser Devise hat sich Günther Barten auch bei der Begegnung mit dem Bundespräsidenten gerichtet. Einen Satz lang hatte er dem Protokollführer zufolge Zeit, sich Steinmeier zu präsentieren. „Ich habe ihm einfach den neuen Ausstellungskatalog der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte in die Hand gedrückt“, berichtet Barten, der sich auch ehrenamtlich in der Gedenkstätten-Arbeit in Ladelund und dem Freundeskreis der Kirchengemeinde Karlum einsetzt. „Haben Sie nicht auch etwas mit Kirche zu tun?“, habe ihn Steinmeier daraufhin interessiert gefragt – und damit goldrichtig gelegen. „Die Versöhnung oder besser gesagt Normalisierung unter den Kirchen ist der Schwerpunkt meines Engagements.“

Über die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande freut sich Barten, sieht sie jedoch nicht nur als Ehrung seiner Person, sondern als Würdigung eines ganzen Teams. Damit ist ein Personenkreis von ranghohen deutschen und dänischen Kirchenvertretern gemeint, denen es gelungen ist, die grenzübergreifende Kooperation gedeihen zu lassen.

Ein deutsch-dänisches Gesprächsforum und deutsch-dänische Pastorenkonvente sind nur zwei Ergebnisse der jahrzehntelangen Annäherung. Ein weiteres Resultat ist die Freundschaft Günther Bartens zu seinem dänischen Mitstreiter, dem Flensburger Propst Viggo Jacobsen (Dansk Kirke i Sydslesvig), der ihn gestern auch zur Verleihung in Kiel begleitete.

Auch wenn schon viel erreicht wurde – es ginge noch besser, findet Günther Barten: „Erst wenn ein deutschsprachiger Pastor für seinen dänischen Kollegen oder umgekehrt Urlaubsvertretung machen kann, am besten noch in der jeweiligen Muttersprache, dann haben wir das Ziel erreicht.“



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