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Nordfriesland Tageblatt

23. September 2017 | 23:38 Uhr

„Triologue“ : Verblüffende Klanglandschaften

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Ensemble „Triologue“ überraschte sein Publikum im Lecker Rathaus: Durch Collagen aus Musik und Geräuschen entstanden ständig neue Klanglandschaften skurriler, surrealistischer Art.

von
erstellt am 16.Apr.2014 | 11:45 Uhr

Die Macher im „Verein der Musikfreunde in Leck und Umgebung“ hatten es zutreffend vorhergesagt: „Irgendwie anders“ klang die Musik beim jüngsten Rathauskonzert in Leck. Sie fügte sich ganz und gar nicht in den konventionellen Rahmen der bisherigen Kammerkonzerte ein. Auch die Vorsitzende Heidi Specht-Christel räumte ein, die vom Ensemble „Triologue“ gestalteten Konzert-Beiträge „nicht so richtig einordnen“ zu können.

Drei Musiker in musikalischem Dialog: Das vollzogen Ninon Gloger (Klavier, Synthesizer und Melodika), Olaf Koep (Schlagzeug, Percussions, Schlauchharmonika und „Daumenklavier“ sowie der der E-Bassist Oliver Brüning, der den Kontrabassisten Johannes Huth souverän vertrat. Häufig wurden Tonbandaufnahmen in ihr Spiel eingeblendet, die Naturgeräusche (Wind, Kuh-Muhen, menschliche Dialogfetzen in süddeutschem Dialekt und sogar einem barocken Passionschoral umfassten. Durch diese Collagen aus Musik und Geräuschen entstanden ständig neue Klanglandschaften skurriler, surrealistischer Art, die verblüfften.

Die meisten Titel stammten aus eigener Feder und waren, wie verlautete, zumeist aus Improvisationen entstanden, die nachträglich in bearbeiteter Form festgeschrieben wurden. Viele von ihnen sind auf der neuesten Triologue-CD („Der dritte Dan“) zu hören.

Nach einer fantasievollen Einstimmungsmusik erklang „Philodendron“, eine Komposition von Olaf Koep. Sie wurde eingeleitet durch an- und abschwellende Akkorde auf der Harmonika und mündete ein in eine melodiöse Ballade von Ninon Gloger, wobei der Klavierpart vom E-Bass und Schlagzeug begleitet und zugleich dynamisch gesteigert wurde: Kammermusik vom Feinsten.

In krassem Kontrast dazu erinnerte wenig später eine Darbietung stilistisch an Dave Brubeck. Unter dem Thema „Alpenglühen“ intonierte das Trio – zu per Tonband eingespielten Naturgeräuschen – eine virtuose, auf vielen verschiedenen Percussions zelebrierte Improvisation. Die dabei zum Einsatz gelangten Klangschalen, Tablas, Holzblock- und Indischen Königstrommeln, Rasseln und Röhrenresonatoren übertrafen den Umfang eines kompletten Orff’schen Schulinstrumentariums bei weitem.

Kurz darauf erwies sich Ninon Gloger als virtuose Pianistin und kompetente Expertin für avantgardistische Musik, indem sie das von George Crumb verfasste „Processional“ meisterlich interpretierte. Vom Publikum besonders bejubelt wurde die stimmungsvolle Wiedergabe des Titels „Spain“ von Chick Corea, in welchem das berühmte „Adagio“ von Joaquín Rodrigo aus dem „Concierto de Aranjuez“ zunächst zitiert und anschließend mit viel Temperament und Groove improvisatorisch verarbeitet wurde.

 



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