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Schwarzgefahren oder nicht? : Vater ärgert sich über Schaffner

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Sein Sohn stieg ohne Fahrschein in einen Zug – nun streitet Jörg Carstensen mit der Nord-Ostsee-Bahn, weil er 60 Euro zahlen soll

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2016 | 09:15 Uhr

Jörg Carstensens Sohn ist ein Schwarzfahrer, behauptet die Nord-Ostsee-Bahn (NOB). Carstensen bezeichnet den Vorwurf als Lüge.

Der Vater aus Klockries (Risum-Lindholm) fuhr seinen 17-jährigen Sohn Thies am 3. März morgens zum Bahnhof Niebüll. „Wir wollten am Ticket-Automaten der NOB eine Fahrkarte nach Bredstedt kaufen. „Es war aber so voll, dass ich zu meinem Sohn gesagt habe: ,Steig hinten in den Zug, such den Schaffner, und kauf die Karte bei ihm‘“, erzählt Carstensen. Im Zug sei kein Schaffner zu sehen gewesen. Deswegen habe sich sein Sohn auf einen Platz gesetzt. Als schließlich ein Schaffner ins Abteil kam, sei Thies auf diesen zugegangen, um eine Fahrkarte zu kaufen. Der Schaffner habe um einen Moment Geduld gebeten. Dann habe er die Personalien des Jugendlichen aufgenommen und gesagt: „Sie bekommen Post von uns.“

Einige Tage später lag ein Schreiben im Briefkasten der Carstensens. Darin stand: „Ihr Kind Thies wurde ohne gültigen Fahrschein angetroffen. Gemäß unserer Beförderungsbedingungen wird ein erhöhtes Beförderungsentgelt fällig. Unsere Forderung beträgt zurzeit 60 Euro.“ Seitdem streitet sich Jörg Carstensen mit der NOB.

Der Zug sei schon in Bredstedt eingefahren, als sein Sohn kontrolliert wurde, sagt Carstensen. „Wenn Thies wirklich hätte Schwarzfahren wollen, wäre er in dem Moment einfach weggegangen und ausgestiegen.“ Thies habe erst gedacht, der Schaffner wolle seine Personalien, um sein Alter zu überprüfen.

Die NOB teilt zu dem Fall mit, das Anliegen von Herrn Carstensen sei eingehend geprüft worden. An der Forderung der NOB hat diese Prüfung nichts geändert: „Der betreffende Kundenbetreuer hatte den Sohn von Herrn Carstensen ohne gültiges Ticket auf einem Platz sitzend angetroffen, als die Fahrkartenkontrolle durchgeführt wurde.“ Daher müsse ein „erhöhtes Beförderungsentgelt“ gezahlt werden.

Carstensen sagt, Bekannte seines Sohnes könnten bezeugen, dass sein Sohn auf den Kontrolleur zugegangen sei. Die NOB teilt dazu mit: „Wir vertrauen als Arbeitgeber unserem Fahrpersonal und dessen persönlicher Einschätzung der jeweiligen Situation.“ Die NOB verlässt sich auf die Aussage ihres Mitarbeiters. Carstensen vertraut der Schilderung seines Sohnes.

Er wisse nicht, wer der Schaffner war, sagt Carstensen. Sein Sohn habe keinen Beleg bekommen. Normalerweise besitze sein Junge eine Monatskarte. Im strittigen Fall habe sich das aber aufgrund eines Urlaubs nicht gelohnt. Deswegen sollte sich Thies ein Tagesticket kaufen, um zu seiner Ausbildungsstelle in Bredstedt zu fahren. „Mein Sohn ist wahrscheinlich kein Engel, aber in der Richtung haben wir noch nie Ärger mit ihm gehabt“, sagt der Vater, dessen Einsprüche von der NOB allesamt abgelehnt wurden. „Jedes Mal kam die Antwort von einem anderen Sachbearbeiter. Auf meine Argumente wurde gar nicht eingegangen. Am Telefon meinte ein Herr vom Kundenservice sogar zu mir, wir sollten aufhören zu telefonieren, weil mich das ja nur mein Geld kosten würde.“

Ums Geld geht es ihm nicht, sondern ums Prinzip, sagt Carstensen. Der Schriftwechsel mit der NOB, der dem Nordfriesland Tageblatt vorliegt, habe mehr Aufwand verursacht, als 60 Euro wert seien. Er fahre selbst gelegentlich mit der Bahn und sei ein solches Verhalten nicht gewohnt: „Das ärgert mich echt die Pest, so geht man einfach nicht mit Kunden um.“ Außerdem käme es aus seiner Sicht einem Schuldeingeständnis gleich, wenn er das Geld überweisen würde.

Die NOB teilt auf Nachfrage mit, die Kundenbetreuer des Unternehmens würden regelmäßig geschult. Quoten oder Bonus-Zahlungen für das Erwischen von Schwarzfahrern gebe es nicht. Die NOB beharrt auf ihrer Forderung: Sollte Carstensen nicht zahlen, werde eine weitere schriftliche Zahlungsaufforderung, inklusive eines Bearbeitungsentgelts von 15 Euro, fällig. „Danach wird ein gängiges Mahnverfahren mit Inkasso eingeleitet.“

Carstensen sagt, er wolle sich nun informieren, wie die Chancen bei einem Gerichtsprozess stünden. Ein Verlierer steht aus seiner Sicht allerdings schon jetzt fest: „Nach dem Vorfall ist mein Sohn im März und April lieber mit dem Motorrad zur Arbeit gefahren.“ Die NOB habe einen Stammkunden verloren.

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