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Aus dem Amtsgericht Niebüll : Untreue: Hausverwalter räumte ab

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ehemaliger Hausverwalter veruntreute rund 165 000 Euro / Geschädigte sind mehrere Sylter Wohnungseigentümergemeinschaften

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 05:00 Uhr

Der Gang zur Bank gehörte für Paul H.* über Jahre zum Alltag. An manchen Tagen ließ er sich am Geldautomaten bis zu 2000 Euro auszahlen. Nur waren es nicht seine Konten, die der heute 57-Jährige als Geldquelle nutzte: Der Hausverwalter bediente sich an dem Vermögen, das er für mehrere Sylter Wohnungseigentümergemeinschaften betreuen sollte. Vor dem Amtsgericht Niebüll musste sich Paul H. nun für den Vorwurf der Untreue in 151 Fällen und einen Schaden von rund 165  000 Euro verantworten. Allein die Verlesung der Anklageschrift dauerte 25 Minuten.

Es waren nicht nur die regelmäßigen Barabhebungen, sondern auch Überweisungen, die der bestellte Hausverwalter seit 2010 illegal tätigte. In mehreren Fällen transferierte der Angeklagte hohe Summen – in einem Fall 18  000 Euro – auf eigene Konten. Um die Straftaten zu tarnen, versah er die Überweisungen mit erfundenen Verwendungszwecken. Wenn auf einem Wohnungseigentümergemeinschafts–Konto ein Loch klaffte, verschob er Summen, um einen glaubwürdigen Saldo zu schaffen. Danach floss das Geld wieder ab. Über vier Jahre täuschte der Geschäftsmann mit artistischem Aufwand und seriöser Fassade seine Auftraggeber. Betroffen sind Privatleute mit Wohnungsbesitz in Tinnum, Hörnum, Keitum und Wenningstedt.

Im Sommer 2014 keimte dann ein erster Verdacht bei den Immobilienbesitzern. Die Unregelmäßigkeiten wurden unübersehbar. Es wurde Anzeige gegen Paul H. erstattet, die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf und durchsuchte schließlich im Juni 2014 seine Wohnung. Was die Beamten vorfanden, war allerdings kein Penthouse mit luxuriöser Ausstattung – stattdessen sei die Einrichtung eher karg gewesen, berichtete der vorsitzende Richter während der Verhandlung von den Ermittlungsergebnissen.

Vor Gericht räumte der ehemalige Hausverwalter alle ihm zur Last gelegten Vorwürfe ein. Wofür er das Geld gebraucht habe, wollte der Vorsitzende wissen – immerhin habe sich der 57-Jährige jährlich rund 40  000 Euro abgezweigt. „Ich habe das Geld nicht im Casino verspielt oder für Reisen ausgegeben – so einer bin ich nicht“, sagte der Angeklagte. Er habe mit den Beträgen eigene Schulden beim Finanzamt, die ihm auch aus seiner Scheidung entstanden waren, getilgt. „Regelmäßig stand jemand vor meiner Tür, der Geld haben wollte.“

Die Staatsanwaltschaft forderte in Anbetracht der Fülle der Taten und einer Vorstrafe aus dem Jahr 2007 – das Amtsgericht hatte Paul H. bereits damals wegen Untreue in fünf Fällen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Erschwerend zu werten sei auch, dass der Geschäftsmann sich über ein Urteil aus dem Jahr 2013 hinweggesetzt hatte, das ihm eine Tätigkeit als Hausvewalter verboten hatte. Die Verteidigung lobte dagegen die rückhaltlose Zusammenarbeit des Angeklagten mit Gericht und Ermittlern und plädierte für zwei Jahre auf Bewährung. Schließlich verhängte das Schöffengericht ein Urteil von zwei Jahren und sechs Monaten Haft ohne Bewährung. Die Verteidigung von Paul H. kündigte Berufung an.

* Name von der Redaktion geändert

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