zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 22:08 Uhr

Unterwegs in unberührter Natur

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Fotograf Klaus Wernicke aus Dagebüll dokumentierte über Jahre viele Deichbauarbeiten / Dem Beltringharder Koog ist er treu geblieben

Naturfotograf Klaus Wernicke aus Dagebüll gehört zu denen, die sich mit der Vielfalt des Naturschutzgebietes Beltringharder Koog bestens auskennen. Im Jahr 1987 wurde die Vordeichung um die Nordstrander Bucht nach fünfjähriger Bauzeit geschlossen und damit vom Rhythmus von Ebbe und Flut abgeschnitten. Fotograf Wernicke dokumentierte neben anderen Deichbauprojekten auch diese Bauarbeiten. Heute füllen etwa 10  000 Fotos das private Deichbau-Archiv des akribischen Sammlers.

Vier Jahre später wurde das 3350 Hektar große Areal offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt und ist seither das größte Schutzgebiet des schleswig-holsteinischen Festlandes. Etwa 60 Vogelarten haben hier einen sicheren Rückzugsraum gefunden – ein wahres Mekka für den 75-jährigen Klaus Wernicke. Der Dagebüller hat sich in den letzten Jahrzehnten einen deutschlandweiten Ruf als exzellenter Tierfotograf mit dem Spezialgebiet für Wasser- und Wattvögel erarbeitet. „Natürlich hat mich das Gebiet auch nach dem Deichschluss weiterhin sehr interessiert.“

Mit dem Naturschutzgebiet, das den Namen des mittelalterlichen Verwaltungsbezirkes Beltringharde trägt, verbindet Wernicke auch so manche Grenzerfahrung, die man sonst eher von Expeditionen in entlegene Gebiete dieser Welt erwartet. Regelmäßig steigt der Fotograf durch das Naturschutzgebiet und lichtet von festgelegten Messpunkten die Landschaft ab.

Besonders im Sommer ist das kein einfacher Job: „Eines Tages habe ich im Koog einen Hitzeschlag bekommen und bin ohnmächtig geworden.“ Danach habe er zwei Liter Wasser trinken müssen, erinnert sich der Fotograf. Ein anderes Mal sei er im hohen, kaum durchdringbaren Schilf von einer Bremse gestochen worden und konnte sein Bein danach lange nicht mehr richtig bewegen. „Damals hatte ich eine schwere Blutvergiftung.“ Neben Brennnesseln und Disteln drohen Besuchern aber auch schwerwiegende Gegner: „Es gab einen Ornithologen, der wurde im Koog von einem 1,2 Tonnen schweren Deckbullen verfolgt und ist vor Angst in den Sielzug gesprungen“, sagt Wernicke.

Der Beltringharder Koog gliedert sich in drei unterschiedliche Lebensräume: das Feuchtgrünland im Norden, die Salzwasserlagune und die sogenannte „Wildniszone“ im Süden des Areals. Jeder Bereich habe seine Reize, weiß Klaus Wernicke von ausgedehnten Erkundungstouren. So gibt es in der Lagune Eiderenten, Alpenstrandläufer, Seeregenpfeifer oder Austernfischer zu sehen. Das Feuchtgrünland dient dagegen besonders als Brutgebiet für Wiesenvögel. Aber auch das Nagetier Bisam oder der Moorfrosch sind hier anzutreffen. Die Wildniszone entwickelt sich derweil ohne jegliche Einflussnahme des Menschen.

Auch zukünftig möchte der 76-jährige Tier- und Naturfotograf aus Dagebüll das Leben in dem Naturschutzgebiet dokumentieren helfen. „Ich genieße es unheimlich, dass ich allein in dem Gebiet sein kann – das ist für mich ein echtes Privileg.“  

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen