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Expedition ins eis : Unterwegs in eine verlorene Welt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Arved Fuchs berichtete in der Nordsee Akademie vor einem ausverkauften Saal über zwei seiner Expeditionen.

von
erstellt am 15.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Wenn Polarforscher und Buchautor Arved Fuchs (60) erzählt, dann schweigen die Zuhörer im Saal. Geschliffen, ohne Pausen oder gar Verhaspler, aber mit viel Betonung und voller Spannung berichtet er, was sein Team in Grönland und zur See bei den Lofoten erlebt hat. Manchmal sachlich, dann wieder mit viel Humor erzählt der Abenteurer über „Zwei Reisen am Ende des Lichts“. Die erste führt im Sommer 2009 in einen entlegenen Teil im Nordwesten Grönlands, die schwer zugängliche Region Avanersuaq, zu einem Volksstamm, der lange Zeit bis in die 1950-er Jahre völlig isoliert gelebt hat. Bis schließlich Amerikaner die Thule Air Base errichteten.

Die Zuhörer bekommen an diesem Abend schöne Bilder, tolle Erlebnisberichte aus erster Hand und vor allen Dingen viele Hintergrund-Informationen über eine Region, die die meisten von ihnen nie zu Gesicht bekommen werden – und die es auch so bald nicht mehr geben wird. Grund: der dramatische Klimawandel. Daher machte sich das Team um Arved Fuchs auch mit zwei Hunde-Gespannen von Qaanaaq aus auf einen 800 Kilometer langen Weg nordwärts entlang der Küste und wieder zurück, um zu sehen, zu vermessen und zu dokumentieren.

Fuchs erzählt über das Leben der in dem Volksstamm lebenden Menschen, den Einheimischen Iku, der eigentlich Japaner ist, ihren Stolz, ihre ausgeprägte menschliche Herzlichkeit, ihr Leben und ihre Fähigkeit, sich bei Temperaturen von manchmal minus 35 Grad mit der Natur zu arrangieren und sich ohne Hilfsmittel in ihr zurechtzufinden. „Sie arbeiten mit stets mit durchgedrückten Knien, manchmal bis zu 20 Minuten lang. Hinknien – das tut ein Grönländer nicht, das gehört sich nicht.“

Mit den Einheimischen machte Fuchs seinerzeit einen „Deal“: Das Team bezahlte Material und Arbeitslohn für die zwei jeweils vier Meter langen Schlitten, die Einheimischen bauten ihnen die Gefährte, inklusive Wartung und Feintuning, und erhielten sie nach Abschluss der Expedition als Geschenke. „So konnten wir sicher sein, dass die Arbeit auch gut war“, berichtet der Polarforscher. „Die Schlitten sind nicht geschraubt oder genagelt, sondern gebunden.“

Auch die 21 Schlittenhunde kaufte das Expeditionsteam, um sie nach Abschluss, obwohl sie allen ans Herz gewachsen waren, zurückzuschenken. „Die Hunde sind Rudeltiere, gehören einfach hier hin“, erklärt Arved Fuchs. Mit Augenzwinkern berichtet er, wie schwierig es war, den 21 Schlittenhunden für die Dauer der Reise Namen zu geben. „Sie sehen sich alle so ähnlich, dass wir sie nach Äußerlichkeiten und Charakteren genannt haben.“ So erhält einer von ihnen den Namen Schlappi, weil er ein Knickohr hat, ängstlich, faul und tollpatschig ist.

Während des ersten Teils erleben die Zuhörer in Wort und Bild, wie schwer es ist, die jeweils mit Gepäck vierhundert Kilogramm schweren Schlitten über Gletscherspalten zu bewegen, wie schön und bei einem Sturm gleichzeitig hart die Landschaft mit ihren Bewohnern umspringt, entdecken Reste einer verlassenen Siedlung und treffen auf Eisbären. Und in allem schwingt die Mahnung mit, dass dies durch die Schmelze bald der Vergangenheit angehören wird.

In Teil zwei der Dokumentation begeben sich die Zuhörer mit Fuchs und dem Team an Bord des ehemaligen Haifängers „Dagmar Aaen“ auf die Spuren des norwegischen Schriftstellers Johan Bojer und seines 1921 erschienen Romans „Die Lofotfischer“. Sie erfahren mehr über das harte Leben, den Idealismus, mit dem sie ihrer Arbeit heute noch nachgehen – der Jagd auf den begehrten Skrei – erleben Polarlichter und Stürme.

Schnacken, Bücher signieren – alles das ist im Anschluss im Foyer kein Problem für den Forscher– und das I-Tüpfelchen auf einem besonderen Abend.

 

Mehr im Internet: über Arved Fuchs unter www.arved-fuchs.de, über den Veranstalter des Abends unter www.gofi-bredstedt.de.

 

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