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Kirchenschließung : Unsichere Zukunft für St. Josef

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Katholische Kirchengemeinde in Leck vor dem Aus – der Pfarrer selbst hat um Auflösung gebeten / Bürgermeister Langbehn setzt sich für Erhalt ein

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2015 | 05:00 Uhr

Die Kirchengemeinde der katholischen Kirche „St. Josef“ in Leck soll geschlossen werden – damit will sich Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn nicht einfach abfinden: „Die Menschen in unserer Gemeinde nehmen mit Betroffenheit die beabsichtigte Schließung zur Kenntnis“, sagt der Gemeindechef. Seine Argumente für den Erhalt der katholischen Kirche hat er in einem Brief an den Erzbischof des Bistums Hamburg, Dr. Stefan Heße, zusammengefasst.

Rund 2700 Mitglieder hat die Pfarrgemeinde St. Gertrud, die von Pfarrer Gerard Rzaniecki betreut wird. Neben dem Bereich Leck gehören auch Niebüll sowie Föhr und Amrum mit je eigenen Gotteshäusern dazu. Für den Raum Leck zählt der Pfarrer rund 350 Katholiken, die im Fall der Schließung in Niebüll die nächste Kirche fänden. Rzaniecki selbst hat nach reiflicher Überlegung in Abstimmung mit Kirchenvorstand und Pfarrgemeinde den Erzbischof um die Aufgabe des Gotteshauses in der Anackerstraße gebeten.

„Das ist eine schwere Entscheidung“, sagt der Pfarrer. Jedoch: „Das Gebäude ist renovierungsbedürftig, und der Erhalt im Verhältnis dazu zu teuer, dass die Gottesdienste nur spärlich wahrgenommen werden.“ Die Küsterwohnung müsse komplett renoviert werden, hinzu kämen Reparaturen an Fundamenten, Wänden und Dach der Kirche. „Das wären mindestens 100  000 Euro“, mutmaßt Rzaniecki. Der Faktor Geld würde eine kleinere Rolle spielen, wären es mehr als die höchstens 30 Menschen, die die Gottesdienste besuchten, so der Pfarrer. „Wir geben nur das Gebäude Kirche auf, nicht die Institution“, versichert er. „Wir lassen die Gläubigen auf keinen Fall im Stich.“

Bürgermeister Langbehn geht in seiner Argumentation für den Erhalt von St. Josef ganz zum Anfang des Gotteshauses zurück. „Ein Blick in die Entstehungsgeschichte verdeutlicht, mit welcher Mühe und vor welchem Hintergrund in den 50-er Jahren der Aufbau hier vor Ort umgesetzt worden ist“, sagt er. Tatsächlich wurden erst ab 1945 durch den Flüchtlingsstrom katholische Bürger im Raum Leck ansässig, durch zusätzlichen Soldaten-Zuzug musste die Kirche erweitert werden, weil die Plätze nicht reichten (siehe auch Infokasten).

Langbehn gibt zu: „Es mag heute den Anschein haben, dass die katholische Kirche in Leck leerer geworden ist und viele Gläubige nicht dem regelmäßigen Gottesdienst beiwohnen.“ Allerdings stünde die Region erneut vor einem gesellschaftlichen Umbruch: „Wieder sind es Menschen, die nach einer Flucht oder Vertreibung aus anderen Kulturen auch in Leck Schutz und damit ein neues Zuhause suchen und auch finden werden. Menschen mit unterschiedlichem Glauben – und wenn denn christlich, dann nach meiner Einschätzung eher katholisch“, sagt Langbehn.

Auch in der Entwicklung des Stadumer Bundeswehr-Standortes und der Entwicklung eines Gewerbegebietes auf dem ehemaligen Flugplatz sieht Lecks Gemeindechef reelle Chancen für Zuzüge, auch von jungen Familien. Die Aussicht, dass Gläubige zukünftig zum Gottesdienst nach Niebüll fahren müssten, bereite ihm Sorge, weil diese Verlagerung hohe Barrieren für die Menschen berge, die über eine eingeschränkte Mobilität verfügten. „Dort, wo die Menschen sind, müssen auch die Kirchen vor Ort sein, auch die Katholische Kirche als Vertreter einer unserer Großkirchen“, ist seine Meinung.

„Toll und ehrlich“ nennt Pfarrer Gerard Rzaniecki das Engagement des Bürgermeisters. „Damit hätte ich nicht gerechnet, das bewegt mich in meinem Innersten“, sagt er. Eine Entscheidung des Erzbischofs in Abstimmung mit dem Priesterrat über die Zukunft von St. Josef in Leck werde im September fallen. „Der Erzbischof wird in seinem Herzen eine Antwort suchen“, ist Pfarrer Rzaniecki überzeugt. Was passiert, wenn die Entscheidung gegen St. Josef fällt? „Wir werden daran arbeiten, einen Fahrdienst nach Niebüll zu den Gottesdienstes zu organisieren“, verspricht der Pfarrer. Auch Heilige Messen bei Gläubigen zu Hause seien denkbar. „Und auch die lebendige Ökomene in Leck bietet vielleicht Möglichkeiten.“ Die Kirche in der Anackerstraße würde profaniert, das heißt entweiht, danach könnte verkauft werden. „Eine Vorstellung, die mich sehr traurig macht. Aber vielleicht hat der liebe Herrgott Überraschungen parat, von denen wir jetzt noch nichts wissen“, sagt der Pfarrer.

Bürgermeister Langbehn jedenfalls hat auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung mitgeteilt, er werde sich für die katholische Kirchengemeinde in Leck stark machen. Er habe den Bischof für ein Gespräch nach Leck eingeladen, fahre aber auch nach Hamburg – auch in Begleitung weiterer Unterstützer.

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