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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 07:17 Uhr

Vernissage : Universelle Schlick-Impressionen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Dominant und dynamisch: Das Niebüller Richard-Haizmann-Museum präsentiert Werke der Bredstedter Künstlerin Inge Wilkens.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2017 | 14:12 Uhr

Der Kunstverein Niebüll riskierte mit der Inge Wilkens-Ausstellung das Wagnis, eine regionale Künstlerin zu präsentieren – und gewann damit. Die Prophetin im eigenen Lande erschien höchstpersönlich, davon überzeugten sich viele Kunstfreunde.

Die Begeisterung über die von Natur und Universum geprägten Bilder war groß. „Damit kann ich etwas anfangen“, hieß es. Und manchmal klang es wie eine seltsame Erleichterung: Endlich mal kein „moderner Kram“. Dabei ist Inge Wilkens hochmodern. Ihre Arbeiten überzeugen durch kompositorische Dichte bei großer Freiheit in der Gestaltung. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Wilfried Bockholt und die Vereinsvorsitzende Erika Spaude kam Hausherr Dr. Uwe Haupenthal zu Wort.

„Die Künstlerin setzt Akzente, reagiert auf deren Erscheinungsbild, lässt bestimmte Strukturen zu oder übermalt diese.“

Inge Wilkens beschränke sich auf Schwarz-Weiß-Grautöne, setze dezent Gelb oder Rosa ein. „In anderen Arbeiten bringt sie ein ebenso dynamisch wie aggressiv oder dominant gesetztes rotes Lineament ein.“ Laut Haupenthal hat Inge Wilkens ein „Höchstmaß an Wirklichkeit“ erreicht. Sie habe nach langem Vorlauf eine Bildform gefunden, die von Kraft und Wahrhaftigkeit getragen werde. Was heißt das? Der Betrachter kann sich frei von Vorgaben selbst ein eigenes Bild machen. Die Formensprache lässt dies zu. Der Museumsdirektor sieht „Flecken, die sich auf eigenartige Weise jedweder Vereinnahmung entziehen, da ihnen die eindeutige Begrenzung fehlt.“

Die farbigen Linien verweisen seiner Meinung nach auf die Kraft oder den emotionalen Furor der Künstlerin. „Doch auch sie sind nicht greifbar, geben sich sperrig und sind in ihrem Verlauf unvorhersehbar.“ Dr. Uwe Haupenthal schöpft wie immer aus dem Vollen: „Wir empfinden eine unbändige Lust, uns auf das einzulassen, was wir auf den Bildern von Inge Wilken sehen.“

Die Zuhörer folgten dem Museumsdirektor auf's Wort, schauten sich die Bilder genauestens an, gerieten in Diskussionen. Während die eine Kunstfreundin sich über die eingearbeitete Asche freuen konnte, zeigte sich die nächste von der roten Farbigkeit der neueren Arbeiten animiert.

Die kleineren Formate entzückten eine zugereiste Hamburgerin, während andere sich über eine langgezogene, mehrteilige Welle begeisterten. So viel Zuspruch tat auch Erika Spaude gut, denn sie hatte Inge Wilkens schon vor Jahren entdeckt. Die Künstlerin selbst war besonders von der großzügigen Präsentation in den Räumlichkeiten des Museums angetan. „Es ist natürlich eine Ehre für mich, hier ausgestellt zu werden. Ich freue mich sehr darüber. Zugleich kann ich meinen Bildern hier einmal ganz neu begegnen.“

Aufgewachsen am Elbdeich und nach mehrjähriger Inselerfahrung hat sie immer den Blick auf das Wasser geschätzt, in ihren Arbeiten riskiert sie den Blick auf das Universum, ist inspiriert vom universellen Geist. Ihre freie und ungebundene Bildauffassung hat die „Erfahrung von Landschaft in ein freies Feld geführt“ konstatierte Dr. Uwe Haupenthal, der jedem empfahl, sich unvoreingenommen und vorbehaltlos auf die Bilder einzulassen. Dies gelang, was an den glücklichen Gesichtern zu sehen war. Die junge Pianistin Julia Cao gab mit einem Mini-Konzert dem Abend einen fast festlichen Rahmen.

Inge Wilkens wurde in St. Margarethen/Elbe geboren und lebt in Bredstedt. In Flensburg studierte sie Kunsterziehung und unterrichtete an Schulen und in der Lehrerfortbildung. Bekannt wurde die Künstlerin vor allem für ihre hellen Bilder, die mit Schlickfarben, Seefortasche, Anthrazittönen und wenig Rot sämtliche Schattierungen ihrer Landschaften widerspiegelt. Zu sehen sind Impressionen von Küste, Meer, Sand und Erde. Ganz klar hat sich Inge Wilkens einer äußerst reduzierten Landschaftsmalerei verschrieben.

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