Netzprobleme : Unerreichbar auf dem Lande

Familie Petersen aus Uphusum beklagt, was auch andere Nutzer nervt: Das Vodafone-LTE-Netz ist häufig überlastet

shz.de von
24. Juni 2014, 05:15 Uhr

Vor zwei Jahren wurde noch kräftig die Werbetrommel gerührt: Promoter zogen im Norden Südtonderns von Haustür zu Haustür, um die Bevölkerung zu einem Anbieterwechsel zu bewegen. Mitarbeiter vom Netzbetreiber Vodafone demonstrierten direkt im heimischen Wohnzimmer, wie schnell das Internet mit Long Term Evolution (LTE) sein könnte. Videos ansehen, Dateien herunterladen, Fotos verschicken – mit dem UMTS-Nachfolger sei alles kein Problem. Eine massive Werbestrategie, die auch Wirkung zeigte.

Etliche Bürger wechselten, denn unzufrieden waren die Südtonderaner unweit der dänischen Grenze schon lange. Auch Familie Petersen aus Uphusum schloss einen Vertrag ab. Aus ihrer Sicht gibt es schließlich keine empfehlenswerte Anschluss-Alternativen. Für 40 Euro im Monat sollte mit LTE nun alles besser werden. Und anfangs bestätigte sich dies. Dann aber kam der Frust. „Je mehr Neukunden es gab, desto langsamer und störungsreicher wurde alles“, beklagt sich Manuel Petersen.

Inzwischen bricht bei dem 46-Jährigen regelmäßig die Verbindung zum Mobilfunkmast in Süderlügum zusammen – und damit auch die Telefonverbindung. Störungen, die mehrere Tage dauern können. Manchmal kann Familie Petersen zwar selbst telefonieren, nicht aber angerufen werden. Ein anderes Mal wird die Verbindung immer wieder unterbrochen, oder Gespräche sind nur zeitverzögert zu hören.

Störungen, die von den Uphusumern schon mehrmals gemeldet wurden – was laut Sabine Petersen starke Nerven voraussetzt. „Versuchen Sie mal, jemand von Vodafone zu erreichen!“ Um die Situation der Familie zu verbessern, schickte Vodafone eine Außenantenne, die aber wenig zur Besserung beiträgt. „Das ganze funktioniert einfach nicht verlässlich“, bringt es Manuel Petersen auf den Punkt, der in solchen Fällen immer zum Handy greifen muss, um überhaupt erreichbar zu sein. „Ob Telefon oder Internet – andere aus unserem Bekanntenkreis“, bestätigt er, „haben genau das gleiche Problem.“

„Ich will, ich kann. Mit Vodafone“, heißt die Vodafone-Kampagne, die bei den Petersens nur Kopfschütteln verursacht. „Wollen“ schon, aber „können“? Wobei Vodafone die Störungen mit fehlender Kapazität erklärt. „Als wir vor zweieinhalb Jahren mit LTE in der Region mit tollen Geschwindigkeiten starteten, hatten wir großen Jubel ausgelöst. Nun aber haben wir den Effekt: Je mehr Leute LTE nutzen, desto geringer wird die Geschwindigkeit. Ein bisschen ist das vergleichbar mit einem Büfett. Wenn Sie allein davor stehen, können Sie alles nehmen. Wenn aber noch hundert andere ebenfalls essen wollen, müssen Sie teilen, und für Sie bleibt nicht mehr so viel übrig“, erklärt Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. Aus diesem Grund bestehe seit 2013 inzwischen ein Aufnahmestopp. „Trotz Nachfrage nehmen wir keinen Neukunden in der Region mehr auf.“

Die Abdeckung dicht an der dänischen Grenze sei laut Meinung von Vodafone zwar immer noch ausreichend, dennoch könne das Unternehmen verstehen, wenn der eine oder andere Nutzer nicht mehr mit der Leistung zufrieden sei. Für diese Kunden hat Vodafone nun ein Sonderkündigungsrecht eingeführt. Petendorf: „Niemand muss die zwei Jahre bei uns aussitzen. Wer unzufrieden ist, kann früher wechseln. “

Wechseln aber will Familie Petersen vorerst nicht. Wohin auch? Und auch bei den Uphusumern stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt: „Mit der Verlegung von Breitbandkabeln könnte hoffentlich alles besser werden. “


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