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Nordfriesland Tageblatt

18. Dezember 2017 | 04:50 Uhr

Umbau der Energieversorgung

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Institut für Weltwirtschaft referierte vor Mitgliedern und Gästen der Universitätsgesellschaft

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 11:32 Uhr

Den Umbau der Energieversorgung zu einem überwiegenden Anteil erneuerbarer Energien und mehr Energieeffizienz hatte sich die Sektion Niebüll/Südtonden der Universitätsgesellschaft zum ersten Thema des Jahres gemacht. Es lautete „Die Energiewende in Deutschland – Ziele und Herausforderungen“ und wurde von Diplomvolkswirt Sebastian Petrick (31), seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kieler Institut für Weltwirtschaft, vorgetragen.

Der Vorsitzende der Universitätsgeselslchaft Horst Gransow und Bankvorstand Torsten Jensen begrüßten im neuen Penthouse der VR-Bank, die den Vortragsabend gesponsert hatte, eine große Anzahl von Besuchern: Neben Mitgliedern auch Teilnehmer, die im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv sind sowie Kritiker des Fracking- und CCS-Verfahrens. Dementsprechend lebhaft gestaltete sich auch die Diskussion nach dem Vortrag. Sie sprengte bisweilen den vom Thema abgesteckten Rahmen und hatte teilweise auch die Qualität von Fragen, die eigentlich an die Politik zu richten gewesen wären.

Der Kieler Wissenschaftler stimmte mit Bildern auf das Thema ein – mit dem Eisbären, der auf einer Eisscholle schwimmt, mit dem Blick auf Fukushima, auf fossile Kraftwerke und die Infrastruktur mit den Leitungen für den Stromtransport. Der Duden definiert die Energiewende als Ersatz für die fossilen und atomaren Energiequellen durch eine ökologische und nachhaltige Energieversorgung. Der gegenwärtige Energiemix setzt sich, wie Petrick darstellte, vornehmlich aus Mineralöl (33), Erdgas (22,5) und Kohle (24,3) sowie Kernenergie (7,6 Prozent) zusammen, gefolgt von den erneuerbaren Energien mit 11,8 Prozent. Im Stromerzeugungsmix dominieren Stein- und Braunkohle mit 45,5 vor den erneuerbaren Energien (23,4) und der Kernenergie (15,4), gefolgt von Erdgas mit 10,5 Prozent Anteil. Bei den erneuerbaren Energien dominiert die Windkraft mit 7,5 vor der Biomasse mit 6,8 und der Photovoltaik mit 4,5 Prozent.

An umweltpolitischen Instrumenten, die im Gesamtkomplex eine Rolle spielen, listete der Wissenschaftler auf, was als geeignet angesehen wird und eingriffsintensiv ist. Er nannte dazu die ordnungspolitischen Instrumente, den Markt sowie freiwillige Verpflichtungen. Doch sei die Wertigkeit dieser Instrumente zu relativieren: Etwa, ob sie auch geeignet seien, effizient, genügend dynamischen Anreiz haben und/oder um- und durchsetzbar seien.

Im großen Zusammenhang seien außerdem die zentralen Instrumente zu sehen, Leitlinien von EU und Bund sowie das Kyoto-Protokoll, der Atomkonsens, Energiesteuerrichtlinien oder die Ereignisse von Fukushima. Er wies außerdem auf den Wust von Regularien, Gesetzen und Verordnungen wie etwa das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Bundesimmissionsschutzgesetz und andere Regelwerke, die die Energiepolitik schwierig machen. Ein Schwenk galt auch dem „Emissionshandel“ (ETS) mit seinen Auswüchsen hin. Petrick sprach das Thema „Cap & Trade“ an, eine Strategie, bei der Staaten festlegen, welche Mengen an Treibhausgasen vertretbar sind.

Mit dem EEG hat sich der Bund zum Ziel gesetzt, bis 2020 etwa 35 und bis 2050 sogar 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Unternehmen wurde auferlegt, „EE-Strom“ zu kaufen. Doch die Vergütungen, die die Betriebe dafür erhalten, gehen zu Lasten der Verbraucher, die, wie der Wissenschaftler anführte, stetig stärker zur Kasse gebeten würden. Doch eine Änderung des EEG, tröstete er, sei abzusehen.

Von der Großen Koalition verlautet nach der Bundestagswahl unter anderem, dass das EEG reformiert werden soll – etwa auch mit dem Ziel der Senkung der Förderung und dem Bestandsschutz von Altanlagen, einer finanziell attraktiveren Beteiligung der Betroffenen beim Netzausbau und einem De-facto-Verbot des Frackings.

Sebastian Petrick zog schließlich dieses Fazit: „Der Klimawandel zwingt zu einer Reform des Energiesystems.“ Mit Blick auf Wohlstand und sozialen Frieden sei die Politik gezwungen, den Umbau des Energiesystems preisgünstig zu gestalten „Das ist zurzeit nicht der Fall.“ Der EU-Emissionshandel müsse gestärkt, die internationalen Klimaverhandlungen voran getrieben werden. Das Instrument EEG bedarf der Reform. „Doch die Handlungsmacht der Politik ist begrenzt“.







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